Die Schande (Kommentar)

Hier noch einmal, worum es geht.

Kommentar:

Im Grunde genommen ist die Geschichte ziemlich banal. Mutmaßlich macht jedes Kind mit, dass es seinen Platz in einer Peer-Group finden muss. Wie die Hierarchien ausgehandelt werden kann variieren, aber gerade bei Jungs werden da wohl oft die Fäuste fliegen.
Trotzdem habe ich in der Einleitung nicht übertrieben. Die „Sache mit Murat“ beschäftigt mich seit über 30 Jahren. Und hat auch großen Einfluss auf meine Entwicklung gehabt. Die Schulhof-Banden (oder eben neutral „Peer Group“) sind die Grundform komplexerer sozialer Strukturen, die, ob uns das gefällt oder nicht, darauf beruhen, dass es Leute gibt, die „aufs Maul kriegen“ und eben solchen, die „aufs Maul geben“. Ich vermute, Josef Ackermann war als Kind in der letzteren Gruppe. Ich hatte mich den Schlägern letztlich entzogen. Und das obwohl ich ein „Täter“ war. Das machte mich, in der Logik des Schulhofs, zum „Opfer“. Aber für ein Opfer war ich dann doch zu stark (das änderte sich auf der Realschule, aber das ist eine andere Geschichte). Ich hing also irgendwo dazwischen. Voilá, die Geschichte meines Lebens.
Und ich hatte plötzlich große Probleme mit Autoritäten. Auf dem Schulhof und auch sonst. Das ist für fiktive Charakter charmant – einsamer Wolf und so – aber im echten Leben kann dir das ziemlich den Tag verderben. Ich kann mich nicht mehr daran erinnern, in welcher Reihenfolge die Murat-Geschichte und meine Weigerung, zur Erstkommunion zu gehen standen. Aber ich würde fast wetten, dass meine Schulhof-Schande zuerst kam.

Und als Schande habe ich das immer empfunden. Es war schlimm, dass ich einen Jungen verprügelt habe, mit dem mich eine lose Freundschaft verband. Rangeleien gab es auf dem Schulhof allerdings andauernd. Danach klopfte man sich ab, gab sich die Hand und lief los, um Mädchen zu ärgern. Schlimmer, war, dass Murat sich nicht gewehrt hat, weil er viel zu baff war, dass ich ihn angriff. Die Rauf-Etikette (Pöbeln, Schubsen, Ringen, Schluss) war verletzt worden und ich hatte ganz deutlich Murats Vertrauen verraten. Er dachte, ich sei auf seiner Seite. Und das Allerschlimmste war, dass ich das alles auf Weisung machte. Ohne zu fragen, ohne, soweit ich mich erinnern kann, zu zögern. Ich wollte „dabei sein“. Zu der Bande gehören. Und dafür habe ich etwas gemacht, das von meinem kindlichen Moralkodex schon so sehr abwich, dass sich mir danach vor Scham der Magen umdrehte.Die alte Einleitung mit der Nazi-Referenz war zu starker Tobak. Passend finde ich aber den Vergleich, dass ich damals auf dem Schulhof meine eigene und persönliche Welle erlebt habe.
Allerdings sind auch gute Dinge aus dem Üblen entstanden. Erst mal habe ich nie wieder ungefragt „Befehle“ ausgeführt. Auch wenn ich Eltern, Lehrern etc. auf die Nerven gegangen bin. Lapis nennt mich heute noch regelmäßig ‘bockig’. Was für ein Glück, dass ich nicht zum Bund musste.
Und zweites weiß ich nicht, ob ich mich für die Hintergründe menschlichen Zusammenlebens derart interessiert hätte, dass ich sie später zu meinem Beruf gemacht habe, wenn ich nicht unbedingt hätte wissen wollen, warum es so wichtig ist, dazu zu gehören. So wichtig, dass wir andere verletzen.
Die umständliche Einleitung mit dem Hinweis darauf, dass wir ganz gut integriert waren zielt natürlich darauf zu zeigen, dass Murat auch Hans, Martin oder Peter hätte heißen können.


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