Der Wolfff und die Sieben Geißeln I

Es war einmal …

… ein reiches Land, dessen König Köhler war. Der Köhler hatte sich zum König machen lassen, weil seine ursprüngliche Arbeit zu anstrengend wurde, man streng nach Kohle riecht und er auch nicht mehr der Jüngste war. Dazu kam, dass die Könige des reichen Landes kaum mehr tun mussten, als ab und an in ihren Staatskarossen auszufahren und dem Volk zuzuwinken. Oder sie besuchten andere Könige, vornehmlich in warmen Ländern, oder ließen sich besuchen. Und das Essen war exzellent.

Regiert wurde das Land vom Kronrat, dem ein Kanzler vorstand. Oder, wie zur Zeit unserer kleinen Geschichte, eine Kanzlerin. Die Kanzlerin war eine Kuh namens Angie und eigentlich war das Volk des reichen Landes froh, dass es sie hatte. Sie sagte nicht viel, sah aber immer sehr Vertrauen erweckend aus, wie sie wiederkäuend im Kronrat saß und Stunden und Stunden das Geschwätz ihrer Minister anhörte und manchmal aufstieß. Angie vermittelte dem Volk das Gefühl, dass es ja alles nicht so schlimm sei.

Als Angie gewählt wurde musste sie zusammen mit Indianern vom Stamm der So-Zi regieren. Deren Häuptling Silberlocke war eine langweilige, aber grundsolide Rothaut. Sein Vorgänger „Getöntes Haupthaar“ konnte nicht so mit der temperamentlosen Kuh. Aber Angie und Silberlocke bewältigten zusammen die größten Krisen. Das Problem war, dass das Volk immer nur sah, dass Angie die Probleme löste, während Silberlocke und die So-Zi sich kaum profilieren konnten. Profil zu besitzen wäre dabei natürlich auch von Vorteil gewesen.

Dazu kommt, dass ein anderer Indianerstamm, die So-Li, den So-Zi die Gunst des Volkes streitig machte. Deren Häuptlinge „Kleiner Kaiser“ und „Kleiner Anwalt“ lösten zwar keine Probleme, hatten aber enorm viel Profil.

Also nahm das Verhängnis seinen Lauf und die So-Zi mussten den Kronrat verlassen. Dafür zogen jetzt andere ein, nämlich ein Gruppe intelligenter, gelber Gurken*. Angie hätte vielleicht lieber weiter mit Silberlocke regiert, sagte aber artig „Muh“, als die Gurken einzogen und ihre Minister freuten sich einen Ast, weil die Indianer manchmal so befremdliche Ideen hatten. Und, ehrlich gesagt, „die sind einfach nicht wie wir“.

Der Chef der Gurken war ein warmes Gemüsegericht namens Guy, das gut roch, aber leider über einen beschränkten Wortschatz verfügte. Er unterhielt das Volk seit Jahren damit, dass er einen Satz („Die Steuern müssen runter!“) immer und immer wieder aufsagte. Trotzdem brachen immer noch Menschen in spontanen Applaus aus, denn wer war nicht für niedrige Steuern?

Seine Minister waren Philip, der Spitzkohl (adoptierte Gurke) und eine schon etwas angegammelte Salatgurke namens ‘Rainer’.

Ihnen gegenüber saßen Horst, die Wildsau, Graf von und zu Rumpelstilzchen, der Schatzmeister Schaubier und die Häsin Zuschi. Man hätte auch sieben Hunde und Katzen in einen kleinen Karton sperren können und weniger Gekeife und Streiterei bekommen.

Dabei begann die Regierungszeit des neuen Kronrates so harmonisch. Er beschloss, dass die Gastwirte des Königreiches zu viel Steuern bezahlten und senkten diese fürderhin. Guy gluckste vergnügt „Steuern runter, Steuern runter“ und man wusste nicht, ob er wegen des neuen Gesetzes so glücklich war oder wegen des Beutels mit Gold, den ihm der Wirt Mövenpickel gerade in die Hand gedrückt hatte.

Dann aber begann auch schon der Verfall. Vor allem wegen der Steuern hatten sich Horst, die Wildsau und Guy die Gurke ständig in den Borsten, beziehungsweise gingen sich auf die Schale. Dabei waren sie sich im Grunde einig. Nur über den Details fochten sie verbissen. Offener Krieg brach im Rat aus als Spitzkohl Philip, der für die Volksgesundheit zuständig war, vermeldete, dass das Gold des Landes im nächsten Jahr kaum mehr für die Kranken reichen würde und deshalb jeder Bürger ein wenig mehr zahlen müsse. Er vermied das Wort „Steuern“. Horst quieckte entsetzt auf und schrie etwas von „Steuererhöhungen“ und „Nicht mit mir!“ und lief ein bisschen Amok. Beim Wort „Steuererhöhungen“ erlitt Guy kurzzeitig braune Stellen. Der Rest des Kronrates ging in Deckung, während Angie nur brummte: „Das hätte ich so jetzt nicht gesagt. Muh. Denke ich mal. Oder doch?“

Bald nannte das ganze Land den Thronrat die „Sieben Geißeln“ und viele Menschen begannen, an der Weisheit der obersten Landeskuh zu zweifeln.

Denn es trug sich zu, dass zu nämlicher Zeit ein riesiges Monster umging, das alle Länder heimsuchte. Viele Menschen mussten leiden und es zerstörte nicht wenige Häuser und trieb deren Bewohner ins Elend und in die Armut. Angie und Silberlocke hatten es beim letzten Besuch besiegt, indem sie einfach den obdachlos gewordenen Menschen neue Häuser bauten. Das Monster verlor dadurch viel von seinem Schrecken und zog bald enttäuscht ab. Es lebte nämlich davon, dass es den verängstigten Menschen ihre Besitztümer zu einem lächerlichen Preis abkaufte und später teuer wieder verkaufte.

Geht weiter …

* Ich vermute, dass sie in Wirklichkeit Zucchini sind. Aber bin ich  Märchenonkel oder Botaniker?



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