Wie revolutionär ist das Internet eigentlich?

(Aus diesem Buch)

Haben wir nicht alle das Gefühl, dass das, was wir zurzeit erleben – nämlich die Entwicklungen im Kommunikations- und IT-Bereich – riesengrosse, fundamentale, ja revolutionäre Veränderungen in unserer Gesellschaft darstellen? – Chang bestreitet dies. Er behauptet, im Vergleich zum Internet hätte die Erfindung der Waschmaschine (und anderer Geräte, welche das Haushalten erleichtert haben) grössere gesellschaftliche Veränderungen bewirkt, weil sie es den Frauen ermöglichten hätten, ausser Haus zu arbeiten. Dies wiederum stärkte ihre gesellschaftliche Stellung und ermöglichte ihre Emanzipierung. Weil die Frauen auch ausser Haus arbeiten konnten, erhielt die Erziehung der Kinder eine Konkurrenz (Stichwort „Opportunitätskosten“); dies wiederum führte zu einer Abnahme der Geburtenrate. (Und siehe dazu auch meinen letzten Artikel).

Zurück zur Bedeutung des Internets: Ich weiss nicht, wie man die Grösse oder Tiefe einer gesellschaftlichen Veränderung objektiv messen soll… Chang bezweifelt jedoch, dass durch das Internet die Produktionsfähigkeit der globalen Wirtschaft wirklich zugenommen hat. Er beklagt deshalb, dass Internetzugang als prioritärer Beitrag zur Entwicklung angesehen wird. – Ob man das wirklich bedauern will oder nicht, hängt natürlich von der Definition von „Produktionsfähigkeit“ ab. Agrare und industrielle Produkte dürften durch besseres Internet tatsächlich nicht wesentlich profitieren. Aber in vielen anderen Bereichen eines Staatswesens, z.B. in der zivilen Gesellschaft, spielt Wissen und Wissensvermittlung eine sehr zentrale Rolle. Hierbei kann das Internet ganz bestimmt einen wesentlichen Beitrag leisten. Nach dem arabischen Frühling beispielsweise, der nachweislich nur dank Facebook und Konsorte möglich war, müssen wir dem Internet jedenfalls viel „revolutionäres Potential“ zuerkennen.

Aber EINE Überlegung Chang’s finde ich schon bemerkenswert: Menschen hätten die Tendenz, jenen Veränderungen grössere Bedeutung beizumessen, die sie selber durchleben… Man ist schon sehr egozentrisch veranlagt.

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