Projektionen

Die zweite wichtige Erkenntnis der Woche war eine Bestätigung lang gehegter Vermutungen: Viele Homophobe bekämpfen an anderen, was sie in sich selbst unterdrücken wollen. Quelle: Süddeutsche
Woher sonst sollten sich diese Aggressionen speisen, wenn nicht aus Phantasien, die sie nicht mehr aus dem Kopf kriegen?
Während meiner Bundeswehrzeit bekam unsere "Stube" mal die Ansage: Ihr bekommt demnächst einen Neuen. Der soll irgendwie Schauspieler in billigen Schmuddelfilmensein. Und evtl. schwul. Na super, dachten wir. Einer von uns aber tickte völlig aus. Den ganzen Tag beschäftigte ihn der Schwule, der demnächst auf unser Zimmer kommen sollte. Er überlegte wie er sich wehren würde, wenn der ihn "angriffe". Irgendwie kam mir das spanisch vor. Kein anderer von uns fürchtete sich vor etwas. Im Falle eines Falles wären wir in der Mehrheit. Und es sollte ja nur vorübergehend sein. Ja klar, freuen tat sich keiner von uns. Wie man in dem Alter damals war. Unwohl war uns. Aber vorauseilende Aggresssionen pflegen...?
Eine Studie hat jetzt bestätigt, dass das Projektionen sein können. Die Bekämpfung eigener Merkmale an anderen. Die Wut, eine von den Eltern zum Tabu, Teufelswerk oder sonstwas erklärte Eigenschaft in sich selbst zu spüren. Und der Beschluss: Das bekämpfe ich, wo immer ich es treffe. Schon mal auf der Südtribüne gestanden und sich gewundert, warum sich paramilitärische, Männlichkeit betonende junge Männer so aggressiv homophob geben? Ganz klar: Weil sie einen heimlich ersehnten Bruch des Tabus ihrer strengen Väter unterdrücken.
Sogar bei echten Heteros kann man sich folgenden Effekt erklären: Ein Hetero, der einem Schwulen andichtet, der warte nur auf die Gelegenheit, ihn anzufallen, legt damit nur sein eigenes Verständnis von Frauen offen: Die Degradierung zum verfügbaren Objekt.
Diese Erkenntnis lässt sich auf viele andere Phänomene und "Bekenntnisse" übertragen. Die Betonung von Familie in streng-katholischen Elternhäusern. Die Betonung von Umweltbewusstsein: Den größten Hass auf Autofahrer hat vermutlich der Radfahrer, den der Verzicht aufs Auto am meisten Überwindung gekostet hat.
Wie viele Gutmenschen unterdrücken Regungen wie Konsum, Xenophobie oder gar Antisemitismus in sich? Man kann es nur ahnen.
Von Menschen, die mit der intellektuellen Keule durch die Gegend laufen, kann man indes nicht beleidigt werden. Sie bekämpfen an dir, was sie in sich selbst unterdrücken wollen. Wer sich also in den Medien immer als erstes meldet um einen Tabubruch an den Pranger zu stellen, meint sich selbst. Umso mehr, wenn er sich immer zum selben Tabu äußert.
Moralische Instanzen sind oft Richter in eigener Sache, ohne dass das bemerkt wird. Das galt für Grass. Und viele andere öffentliche "Instanzen".

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