Kleines Glück

Jeden Tag der Woche, von Montag bis Freitag hört man draußen auf der Straße vor meinem Küchenfenster ein Auto hupen. Im Lärm der Alltagsgeräusche ging dieses Hupen anfangs unter, bis ich merkte, dass es immer wieder zu einer bestimmten Zeit war, aber eigentlich dachte ich mir nichts dabei.
Eines Tages stand ich dann aber doch einmal um zwei Uhr in der Küche. Wieder hupte es und halb verärgert, dass anscheinend da draußen jemand regelmäßig vorfuhr und jemand anderes an diesen Termin immer wieder durch ein Hupen erinnert werden musste, schaute ich aus dem Fenster, was denn dieses Schauspiel sollte. Unten stand ein roter Kleinbus. Eine Frau stieg aus der Fahrertür, ging um das Auto, öffnete die Beifahrertür und machte sich im Wageninneren zu schaffen. Zeitgleich regte sich in dem Haus gegenüber, vor dem das Auto stand, Aktivität. Die Haustür öffnete sich und ein Junge von etwa 15 bis 17 Jahren ging auf das Auto zu und lächelte strahlend. Dann hatte die Fahrerin auch schon ein kleines Kind, das anscheinend behindert war, aus dem Auto gehoben, das seinem Bruder die letzten Schritte entgegen in die ausgebreiteten Arme lief.  Der große Bruder fing das Kind auf und nahm es lachend in die Arme und beide standen einen Moment glücklich lächelnd da, bevor sie Hand in Hand die Treppen hoch gingen und im Haus verstanden.
Ich muss zugeben, ich hatte zu dieser Zeit lange keinen Moment voll von so reiner Liebe und Annahme mehr gesehen. Die Anstrengungen und Rücksichtnahme, die sicher in der Familie existieren müssen, schienen einfach keine Rolle zu spielen, als die beiden Geschwister sich begrüßten. Die Dinge sind eben so, wie sie sind und wenn wir lernen, sie anzunehmen, können wir Momente voller Glück genießen, egal wie schwer etwas nach außen hin scheinen mag.

Als ich diese Szene betrachtete, veränderte sich auch etwas in mir. Ich denke, wir sind manchmal so sehr von der Sehnsucht nach dem großen Glück geblendet oder lassen uns von vermeintlich schlechten oder schwierigen Umständen so verschlucken, dass wir den Blick für die guten Dinge verlieren, die uns die ganze Zeit umgeben.
Heute bin ich nicht mehr gereizt, wenn ich es vor meiner Tür hupen höre, sondern immer daran erinnert, dass die Welt für uns alle immer kleine Glücksmomente bereit halten kann, wenn wir uns ihrer bewusst sind und nur richtig hinsehen

Großstadtkaleidoskop, März 2013



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