Aussöhnung

Ein kleines Vorwort:
Diese Woche hatte ich von der Arbeit aus Schulung und kam immer mit dem Gefühl und dringendem Bedürfnis nach Hause, etwas kreatives tun zu müssen, Tagebuch zu schreiben, etwas Gitarre zu spielen, stricken oder Ähnliches. Vielleicht, weil ich diese Woche so viel Input bekommen hatte, dass auch irgendetwas mal wieder “raus” musste. Ich habe keine Ahnung. Heute jedenfalls hatte ich zum Ende des Schulungstages nur noch im Kopf, meine Gitarre in die Hand zu nehmen, wenn ich zuhause bin. Ich bin wirklich keine wahnsinnig ambitionierte Gitarristin. Was ich kann sind einfache Akkorde, die reichen, um mich beim Singen zu begleiten, damit bin ich zufrieden – und für mehr reichte meine Motivation bislang auch eigentlich nicht.
Auf dem Weg nach Hause fielen mir dann wahnsinnig viele Dinge ein, über die ich gerne schreiben wollte. Aber ich wollte auch Musik machen. Oder vielleicht Fotografieren gehen. Alles auf ein Mal… Also was nun? Ich habe mich fürs Schreiben entschieden. Wie ich in meinem Eingangspost schrieb, habe ich mich die letzten Jahre immer wieder mit verschieden stark ausgeprägten Schreibblockaden herumgeschlagen und immer wieder Dinge vorgeschoben, wenn ich eigentlich nichts anderes als schreiben wollte. Ich glaube, ich habe in den vergangenen Monaten schon gute Fortschritte gemacht, aber manchmal überkommt es mich eben wieder. So sind wir Menschen nun mal.

Jetzt aber zum eigentlichen Thema:
Letzte Woche hatten wir hier in Hamburg einen Anflug von Frühling und ich war glücklich, nach der Arbeit noch ein paar letzte Sonnenstrahlen auf dem Balkon genießen zu können. Zwar eingepackt in eine warme Wolljacke – aber immerhin. Voller Begeisterung hatte ich schon überlegt, wann ich meine Kräuter wohl wieder auf den Balkon stellen könnte, als letztes Wochenende wieder ein Wintereinbruch mit 10 cm Neuschnee kam. Und ich war alles andere als begeistert. Meine Narzissen und die Hyazinthe auf der Fensterbank, die in der Woche durch die Strahlen der Frühlingssonne erblüht waren, wirkten nun völlig fehl am Platz, während hinter den Fenstern der Schnee unaufhörlich fiel. Ein Versuch, den Frühling in der Wohnung zu halten, zum Scheitern verurteilt und jämmerlich in seinen Resten. Ich selbst fühlte mich betrogen, als hätte jemand sein Versprechen an mich nicht eingehalten. Der Schnee war mir zu nass, die Wege zu glatt und ich hatte überhaupt keine Lust, viel Zeit draußen zu verbringen. Diese Stimmung hielt sich für etwa drei Tage, bis ich mich entschied, ihr auf den Grund zu gehen. Normalerweise mag ich den Winter. Ich liebe es, wenn der Schnee draußen alles wie eine weiche, weiße Decke unter sich versteckt, sich an den unmöglichsten Stellen aufhäuft, den Dingen neue Gesichter gibt und vor allem die Nächte besinnlich sind, aber es nie ganz dunkel wird, sondern sie in ein ganz eigentümliches, gemütliches Licht getaucht werden. Aber genau so mag ich auch die übrigen Jahreszeiten, den Frühling, wenn die Natur langsam wieder zum Leben erwacht, den Sommer, dessen Wärme noch bis in die lauen Nächte nachhallt und den Herbst, der mit seiner Farbpracht ein letztes Aufblühen signalisiert, bevor alles vergeht, um im nächsten Jahr wieder zum Leben zu erwachen. Kurzum, ich mag den Wechsel der Jahreszeiten, den wir hier in Europa haben und ich mache ihn bereitwillig mit. Was nun aber mit dem Wintereinbruch? Ich glaube, ich hatte mich innerlich schon so auf den Wechsel eingestellt, dass ich den Schritt zurück in den Winter nicht ohne weiteres akzeptieren wollte. Am dritten schneereichen Abend also beschloss ich, mich mit dem erneuten Wintereinbruch auszusöhnen. Im letzten Jahr habe ich gelernt vielen Menschen und auch mir in vielen Dingen zu verzeihen, warum also nicht auch dem Wetter? Ich verzieh also dem Wetter, dass es uns mit einem frühen Frühlingseinbruch getäuscht hatte, nur um den Winter noch mal zurück kehren zu lassen. Und von diesem Moment an änderte sich automatisch meine Sichtweise. Wenn ich sah, dass es wieder schneite, nahm ich mir die Zeit, den Tanz der Schneeflocken einen Moment lang zu beobachten, freute mich über das knirschende Geräusch des Schnees unter meinen Schuhen und die wunderschönen Formen, die die Schneedecke bildete. Ich öffnete meinen Blick wieder für die Welt um mich herum und nahm zum Beispiel das schöne Gebilde aus Eis wahr, welches das Schmelzwasser zum Beispiel auf dem Rhododendron neben meiner Haustür gebildet hatte.

2013-03-15-898

Ich bin nicht der Ansicht, dass ich generell alles so akzeptieren muss, wie es ist. Aber ich sollte mir immer die Frage stellen, wie weit mein eigener Einfluss ist und an welcher Stelle ich meinen Widerstand gegen Dinge richte, deren Änderung nicht in meiner Macht liegen. Denn was ich nicht ändern kann wird so bleiben wie es ist, egal ob ich mich gut oder schlecht dabei fühle, es akzeptiere oder nicht. Durch diese Sichtweise gehe ich mittlerweile mit vielen Dingen gelassener um, beginne zu akzeptieren, was ich nicht ändern kann und investiere meine Energie in Dinge, wo sie sinnvoll genutzt wird. Meistens jedenfalls; zumindest arbeite ich daran.

Trotzdem darf es jetzt bald Frühling werden…



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