DIY Leia

Wer, so wie ich seine Teenagerjahre in den 80ern verbrachte musste fast zwangsläufig früher oder später über John Hughes stolpern. Das heißt nicht über ihn persönlich, aber über seine Filme. Denn der 2009 an einem Herzinfarkt verstorbene Filmemacher war einer DER Regisseure dieses Jahrzehnts.

Und im Gegensatz zu Steven Spielberg, dessen Filme man sich damals tatsächlich noch anschauen konnte, ohne spätestens 5 Minuten nach dem Vorspann von einer bleiernen Müdigkeit übermannt zu werden, konzentrierte sich Hughes primär auf Komödien und hier speziell auf Teenagerfilme, was dann zu Werken wie “Der Frühstücksclub”, “Ferris macht blau”, “Pretty in Pink”, oder “Kevin allein zu Haus” führte, an denen er entweder als Drehbuchschreiber und/oder Produzent und/oder Regisseur beteiligt war.

Was das alles mit Star Wars zu tun hat? Nun, J. C. Reifenberg ist ganz offensichtlich ein großer Fan der Werke von John Hughes und er ist ein mindestens genausogroßer SW Fan, was ihn wohl dazu bewogen hat einen Film mit dem netten lautmalerischen Titel “Hughes the Force” zu drehen.

Aha, und was unterscheidet diesen Film nun von den sieben Millionen Star Wars Fan Filmen, die davor entstanden sind?

Nun, zum einen ist “Hughes the Force” durchaus professionell gemacht und wirkt nicht wie etwas, das irgendwelche 14 Jährigen mit ihre Handykamera hergestellt haben. Zum anderen spielt James Anrnold Taylor, der in der Clone Wars Serie Obi-Wan Kenobi seine Stimme leiht hier Obi-Wan Kenobi und Cat Taber, die in der Serie die Padme Amidala spielt, gibt hier die, nun ja, Padme Amidala. Tom Kane (Yoda) spricht einen Sturmtruppler und auch Kevin Smith hat einen Gastauftritt, aber der macht ja praktisch überall mit, wo es genügend Bier und Hamburger gibt.

Schließlich wurde der Film im vergangenen Jahr nicht nur bei einigen Conventions gezeigt, sondern hatte auch eine Art “Red Carpet” Premiere in Hollywood. Das hat auch nicht jeder.

Trotzdem ist es unfair, “Hughes the Force” in einen Topf mit “echten” Hollywood Filmen zu werfen und selbst der naheliegende Vergleich mit “Fanboys” hinkt, denn dieser hatte nicht nur ein professionelles Studio hinter sind, sondern auch ein ungleich höhere Budget.

Seit 25. Mai kann sich nun jeder, der es möchte, diesen Film auf YouTube ansehen und zwar genau hier. Wem dies nicht genügt, der kann ihn sich auch auf www.hughestheforce.com auch in allen möglichen Formaten herunterladen, inkl. diversem Bonusmaterial und einem Prequel Comic.

Die Handlung des Filmes orientiert sich ziemlich stark an Hughes’ “L.I.S.A. – Der helle Wahnsinn” aus dem Jahr 1985: darin erschaffen zwei Außenseiter aus einer Barbie Puppe, einem Computer und einer Briese Magie eine Mischung aus Sexbombe und guter Fee, die ihn fortan nicht nur hilft coole Parties zu feiern und hübsche Mädchen kennenzulernen, sondern ihnen letztlich auch eine gehörige Portion Selbstbewusstsein einimpft.

Hier haben wir es ebenfalls mit zwei Außenseitern zu tun, die allerdings Hardcore SW Fans sind und mit Hilfe eines Apple II einer Prinzessin Leia Actionfigur buchstäblich Leben einhauchen. Diese bedankt sich dadurch, dass sie den beiden Nerds verschiedene Machkräfte zuteilt, die diese jedoch erstmal einzusetzen lernen müssen.

DIY Leia

Mit Prinzessin Leia auf der Couch

Die Stärke des Films liegt in der überaus passenden Verwendung diverser Star Wars Zitate. Neben dem obligatorischen “I have a bad feeling about this.” und “I love you” – “I know” stammt fast jeder zweite Dialog aus einem SW Film und wird dann meist in einem komplett anderen Kontext (aber durchaus passend) eingesetzt. Daneben legte Reifenberg offensichtlich viel Wert auf Ausstattungsdetails. Neben den T-Shirts der beiden Hauptfiguren ist der Zimmer vollgeräumt mit SW Spielzeug und Postern. Daneben sind die Kostüme der SW Figuren absolut professionell gestaltet

Die große Schwäche des Films liegt in seiner Länge: inklusive Vor- und Nachspann ist “Hughes the Force” nur knapp 35 Minuten lang und eine ursprünglich 94 Minuten lange “Vorlage” (eben L.I.S.A.) kann man nunmal nicht verlustfrei um fast zwei Drittel kürzen. So wird sehr vieles nur angedeutet, eine echte Charakterentwicklung findet praktisch nicht statt und manche Szenen enden sehr abrupt und werden dann nie weitergeführt. Das ist zum einen, wie gesagt der Länge des Films (oder besser dem Mangel an derselben – eine Laufzeit von 60 Minuten hätten dem Film ganz sicher gut getan) zuzuschreiben, aber auch das Drehbuch hat gewisse strukturelle Schwächen. So erschließt sich mir nicht, warum man mehrere Minuten darauf “verschwenden” muss, dass die beiden Helden in betrunkenem Zustand und von zahlreichen Sturmtrupplern unterstützt Darth Vader verspotten und der Dunkle Lord steht nur wie ein begossener Pudel daneben und weiß sich nicht zu helfen. Diese Szene ist weder besonders witzig noch bringt sie die Handlung irgendwie weiter.

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Schon wieder Ärger in der Cantina…

Und an manchen der Scherze hätte man durchaus noch ein wenig feilen können.

Auch das Ende des Films ist ziemlich “Deus ex Machina” artig, so als müsste man in kürzester Zeit plötzlich alles auflösen, gut, aber das kennt man von Filmen anderer Größenordnung ja auch.

Alles in Allem ist “Hughes the Force” letztlich das was er ist: ein Fanfilm eines Mannes, der Star Wars liebt und mit dem Franchise durchaus liebevoll und behutsam umgeht. Er hat sicher viel Zeit und viel Geld in sein “Baby” investiert und in Anbetracht der Rahmenbedingungen vermutlich das Beste herausgeholt. Und so ähnlich ist es GL bei seinem ersten SW Film ja auch gegangen.

Wenn man dies bedenkt, sind die 35 Minuten also durchaus ganz amüsant und lassen einen über so manche Schwäche des Films hinwegsehen.


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