Von Machthunden, gehypten Wachen und Sex in der Badewanne

Nachdem im April eine Reihe von Star Wars Comic Arcs zu Ende gegangen sind und im Mai einige neue beginnen, benutzen wir die Gelegenheit, um einen Blick zurück auf das zu werfen, was Dark Horse in den letzten Monaten unter dem SW Label herausgebracht hat:

Dawn of The Jedi

Man könnte argumentieren, dass es sich John Ostrander und Jan Duursema ziemlich leicht machen. Zunächst entwickeln sie mit “Legacy” eine Comic Reihe, die knapp 100 Jahre nach den Ereignissen der letzten Bücher spielt, also in einer Zeit, in der man sich um irgendwelche Continuity-Aspekte genau nicht kümmern muss, da es 137 ABY eben (noch) keine Kontinuität gibt. Und dann bringen sie “Dawn of The Jedi” heraus, das mehr als 36.000 Jahre vor Episode IV spielt und dort gibt es auch noch keine anderen Bücher, Spiele oder Comics um die man sich kümmern müsste.

Ja, man könnte sagen, sie machen es sich recht leicht. Das stimmt aber nicht. Denn zum einen erfordert es das Fehlen von bestehendem Referenzmaterial, dass man sich sein Universum und seine Bewohner quasi selbst zusammenzimmern muss und das ist bei einem Franchise wie es Star Wars ist alles Andere als leicht und zum anderen gab bzw. gibt es sowohl in “Legacy” als auch in “Dawn of the Jedi” sehr wohl ein gewisses Umfeld, in das man sich integrieren muss – auf der einen Seite Sith, verlorene Jedi, die Überreste der galaktischen Allianz und das Skywalker Erbe und auf der anderen Seite beispielsweise die Rakata oder die Sith als sie noch nicht die Widersacher die Jedi, sondern eine Rasse rothäutiger Machtnutzer waren.

Ich denke, dass “Dawn of The Jedi” – ebenso wie “Legacy” – eine Comicreihe ist, die eher langfristig angelegt ist (vielleicht gibt es wieder nach 50 Ausgaben ein apruptes Ende und dann einen “War” Epilog) und nach drei Ausgabe ist es wohl noch zu früh, eine definitive Aussage zu machen, aber so richtig warm werde ich mit der Serie noch nicht. Ja, sie hat etliche SW Elemente und Eigenschaften, aber sie fühlt sich auch ziemlich anders an (viel mehr noch als etwa KoTOR oder TOR). So gibt es beispielsweise noch keine Licht- sondern nur Machtschwerter (und der Unterschied zwischen diesen ist durchaus größer als es der Name vielleicht vermuten lässt) und die Trennung zwischen der Hellen und der Dunklen Seite ist noch bestenfalls vage (so haben diese Jedi – die hier Je’dai heißen – noch keine große Probleme damit Machtblitze einzusetzen, dafür züchten sie geflügelte Rancors und sind durchaus nicht nur freundlich und ruhig aufeinander zu sprechen). Das bisher Interessanteste für mich sind die Rakata, über die ich nur recht wenig weiß und die die Macht nicht nur verwenden, sondern sie ihrem Willen unterwerfen wollen. Dazu setzen sie sog, “Machthunde” (Forcehounds) ein, um andere machtsensitive Wesen und Welten zu entdecken und sie ihrem “Infinite Empire” einzuverleiben.

Wie gesagt, vermutlich noch zu früh für ein definitives Urteil, aber derzeit nicht mein SW Lieblingscomic.

Von Machthunden, gehypten Wachen und Sex in der Badewanne

Crimson Empire III – Empire Lost

Dies ist vermutlich die am heißesten erwartete und am meisten gehypte Comic Reihe im Star Wars Universum. Die beiden ersten Teile erschienen 1997 und 1998 und seit dem hieß es mehrfach, dass ein dritter Teil sicher kommen würde, kurze Zeit später, dass er dies definitiv nicht tun wird und dazwischen immer wieder, dass vielleicht doch irgendwann ein CE III herauskäme. Eine Wartezeit von rund 13 Jahren ist verdammt lang und so wie es für TPM praktisch unmöglich war, die vorab in den Film gesetzten Erwartungen zu erfüllen, so gilt dies auch für das letzte (?) Abenteuer von Kir Kanos, dem letzten Überbleibsel der imperialen Wachen.

Versteht mich nicht falsch: die sechs Ausgaben waren echt gut (wenn das Ende vielleicht auch ein wenig überhastet war) und ich finde CE III ehrlich gesagt besser als den zweiten Teil (und deutlich schlechter als den ersten), dennoch konnte die Reihe wohl kaum das sein, was sich viele SW Fans von ihr erwartet haben.

Schön ist es, hier eine Geschichte vor sich zu haben, die sich noch im Windschatten der OT bewegt (die Geschichte spielt 9 Jahre nach Episode VI) und dementsprechend Charaktere enthält, die man seit Jahrzehnten kennt. Auch ist die Handlung kein müdes Aufwärmen von Ereignisse aus den ersten beiden Teilen, ja es ist nicht mal notwendig, diese gelesen zu haben (wenn es auch sicher nicht schadet!). Es ist ein würdiger Abschluss, aus meiner Sicht jedoch nicht unbedingt ein Meilenstein wie es speziell Teil 1 war.

Grafisch sind die Comics OK, wenn auch nicht herausragend. Speziell Leia und auch Han sind gut getroffen, doch Luke erkennt man primär nur an seiner schwarzen Kleidung und daran, dass er so gerufen wird. Frauen werden einmal mehr stark auf der Körperliche reduziert: so trägt Leia öfters kurze, tief ausgeschnittene Kleider und extrem lange, rot lackierte Fingernägel, während Mirith Sinn, die schon bisher eher die Rolle der Sexbombe innehatte hier als Domina in Lack und Leder und mit Stiefel, die fast bis zum Schritt reichen auftritt. Stört mich das? Das habe ich nicht gesagt!

Von Machthunden, gehypten Wachen und Sex in der Badewanne

Agent of The Empire – Iron Eclipse

“Agent of The Empire” war für mich die positive Überraschung der letzten Monate. Obwohl auch diese Geschichte aus der Feder von John Ostrander stammt, weckte der Gedanke an ein Crossover von Star Wars und James Bond bei mir zunächst keine pure Euphorie. Und tatsächlich ist Vieles in AoTE sehr bond-like: zunächst einmal die Figur des Jahan Cross selbst, ein – wie der Name der Reihe vielleicht schon vermuten lässt – Geheimagent des Imperiums, d.h. er führt Operationen aus, die eher eine feine Klinge als eine Staffel Sternzerstörer erfordern, auch wenn Cross von seiner “Lizenz zum Töten” für den Geschmack seiner Vorgesetzten vielleicht etwas zu viel Gebrauch macht. Jahan glänzt im Smoking (oder was immer auch das SW Äquivalent eines Smokings ist) genauso wie im Kampfanzug, er kann boxen, schießen und Gleiter fliegen und ist meist von attraktiven, nicht vollständig bekleideten Damen umgeben (im Laufe der Geschichte hat er mindestens zwei mal Sex, einmal davon in einer Badewanne). Zwar fährt Cross keinen Aston Martin und hat keine Armbanduhr mit Schweißbrenner, dafür aber einen weiblichen Droiden namens IN-GA 44, der über alle möglichen Waffen verfügt und auf Stöckelschuhen (oder besser Stöckelfüßen) herumläuft.

Und auch die Geschichte selbst könnte mit einem größenwahnsinnigen Schurken, der versucht, mit einer diabolischen Erfindung die Herrschaft über die Galaxis an sich zu reißen durchaus einem Bond Film entstammen.

Trotzdem wird man von der “Bond-esque” nie überrollt, die Story ist mindestens so sehr SW wie Bond und bekommt noch zusätzlichen Charme dadurch, dass sie im Corporate Sector zu einer Zeit spielt, als sich Han Solo und Chewbacca dort herumgetrieben haben (für die alten Hasen: also zeitgleich zu den Brian Dailey Romanen). Aufgelockert wird die Geschichte durch einige recht skurrile Charaktere, ohne jedoch zu sehr in die Parodie abzugleiten.

Alles in Allem ein gelungener Einstand, der (vermutlich 2013) mit einer neuen Geschichte manens “Hard Target” fortgesetzt wird.

Von Machthunden, gehypten Wachen und Sex in der Badewanne

Dark Times – Out of The Wilderness

Irgendwie habe ich das Gefühl, dass die “Dark Times” Reihe ein wenig das Schmuddelkind unter den SW Comics ist. Nicht nur, dass zwischen den einzelnen Handlungsbögen viel Zeit vergeht, auch die Intervalle zwischen den einzelnen Heften eines Arcs sind recht groß und vor allem unregelmäßig. So dauerte es von Anfang August 2011 bis Ende April 2012 bis die 5 Hefte, die diese Geschichte umfasst erschienen sind, mit Unterbrechungen von bis zu 3 Monaten zwischen zwei Ausgaben. Das macht es natürlich nicht leichter, die Leser bei der Stange zu halten.

Dabei ist die Geschichte durchaus reizvoll, wenn auch inhaltlich ziemlich abgegrenzt (ein Jedi auf der Flucht versucht seine “Freundin” auf einem trostlosen Planeten zu beschützen, während er von allerlei Bösewichten und anderen Jedi gesucht bzw. gejagt wird), enthält abgesehen von einigen Darth Vader Cameos keine “Hauptfiguren” und setzt durchaus voraus, auch die vorangegangenen Bände gelesen zu haben, sonst fängt man mit den Figuren nicht sehr viel an.

Einmal mehr zeigt diese Geschichte auch, dass die Mode in unserer Galaxis durchaus Auswirkungen auf jene weit, weit Entfernte hat: als “Out of The Wilderness” begann lief jede zweite Frau auf diesem Planeten mit diesen glänzenden Leggings herum und so tut dies auch die weibliche Hauptfigur in dieser Geschichte.

Knights of The Old Rpublic – War

Ebenso wie bei “Legacy” schiebt man auch hier noch einen “War” Epilog nach und wie schon dort ist es auch hier “more of the same”. Wer die ersten 50 Bände von KoTOR mochte, dem werden auch diese 5 Hefte gefallen, wer (so wie ich) schon bisher kein großer Fan war, wird durch diesen Nachschlag auch keiner werden.

Und zum Abschluss noch eine kurze Aufstellung was uns Dark Horse in den nächsten Monaten so entgegenwirft:

  • Boba Fett is Dead: abgesehen vom offensichtlich gelogenen Titel, eine weitere Geschichte, die von Chris Scalf gezeichnet wird und damit optisch sowieso in einer anderen Liga spielt
  • Darth Vader and The Ghost Prison: ich tippe hier auf etwas Ähnliches wie “Lost Command”, also nicht unbedingt das Sahnehäubchen der SW Comics. Aber vielleicht irre ich mich ja
  • Knigh Errant – Escape: Karra Holt irrt immer noch im Sith verseuchten Gebiet umher und sucht nach ihrer Bestimmung
  • Darth Maul – Death Sentence: die erste von zwei DM (und vermutlich Savage Opress) Geschichten nach dem Ende von Staffel 5 von Clone Wars
  • Lost Tribe of The Sith: die durchaus interessante eBook Reihe von John Jackson Miller bekommt nun auch eine grafische Version
  • The Clone Wars: Sith Hunters: und hier ist die zweite Darth Maul/Savage Opress Geschichte mit einem Cover von Dave Filoni

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