Zu ernst, zu leise, zu unerfahren: 6 gefeuerte Regisseure

Täglich verlieren hunderte Menschen auf der Welt ihren Job. Die Geschichten dahinter können dramatisch, schockierend oder kurios sein, erzählt werden sie selten. Anders verhält es sich im Showbusiness. Auch hier verlieren Menschen ihre Arbeitsstelle, können dies aber anschließend in zahllosen Magazinen und Blogs selbst noch einmal nachlesen. Regisseure, beispielsweise. Wenn die beauftragten Filmemacher einen Film plötzlich nicht mehr machen dürfen, horcht die Öffentlichkeit auf.

Erich von Stroheim / „Rummelplatz des Lebens"

Auch am Set eines Stummfilms konnte es laute Unstimmigkeiten geben. Im Jahr 1923 sollte der aus Wien stammende Regisseur Erich von Stroheim den US-Film „Rummelplatz des Lebens" (im Original „Merry-Go-Round") in Szene setzen. Trotz seines Rufes, äußerst verschwenderisch mit dem Budget umzugehen, schien von Stroheim die perfekte Wahl für den Regiestuhl zu sein, spielt die Handlung des Films doch am Wiener Hof kurz vor Ausbruch des 1. Weltkriegs. Die Studiochefs versuchten, den extravaganten Filmemacher aus Österreich etwas an die Kette zu legen, um finanzielle Eskapaden zu verhindern, jedoch vergeblich. Ungeachtet aller Warnungen gab von Stroheim das Geld mit vollen Händen aus, unter anderem für Militäruniformen, die er in Wien herstellen ließ, und angeblich auch für seidene Unterwäsche, damit die Darsteller ein besseres Gefühl für ihre Rollen bekommen. Überhaupt war von Stroheim die Authentizität so wichtig, dass er die Statisten, welche die Soldaten spielten, regelrecht drillte. Schließlich wurde von Stroheim etwas mehr als einen Monat nach Beginn der Dreharbeiten entlassen und durch den Neuseeländer Rupert Julian ersetzt. „Rummelplatz des Lebens" wurde zu einem weltweiten Erfolg. Ob die Uniformen aus Wien und die kostbare Unterwäsche mit dazu beigetragen haben, werden wir wohl nie erfahren.

Robert Altman / „Ragtime"

Ende der 1970er Jahre plante Regisseur Robert Altman, den Bestseller „Ragtime" von Edgar Lawrence Doctorow zu verfilmen. Seine sehr ambitionierten Pläne kollidierten allerdings mit der Realität in Gestalt von Produzent Dino De Laurentiis. Altman wollte aus dem Stoff nicht weniger als zwei Filme von je drei Stunden Länge und obendrauf eine zehnteilige TV-Miniserie machen. Da es damals noch keine Streamingplattformen gab, die eventuell offen für so ein Projekt gewesen wären, wurde Altman von De Laurentiis geschasst. Auf dem Regiestuhl nahm stattdessen Milos Forman Platz, der 1981 eine 155-minütige Filmversion von „Ragtime" in die Kinos brachte. Diese war bei der folgenden Oscarverleihung für acht Goldmännchen nominiert, ging aber komplett leer aus. Vielleicht lag Robert Altman mit seinen Plänen ja doch nicht so ganz verkehrt. Er hätte bestimmt mindestens eine Schubkarrenladung voll Emmys abgesahnt.

Martin Brest / „WarGames - Kriegsspiele"

Von Regisseuren wird allgemein verlangt, dass sie die Schauspieler bei Laune halten. Aber ist das wirklich so wörtlich gemeint? Im Jahr 1983 sollte Martin Brest die Regie bei dem Film „WarGames - Kriegsspiele" führen, wurde aber gefeuert, weil die Darsteller - so erklärte es sein Nachfolger John Badham - nicht den Eindruck erweckten, als hätten sie sonderlich viel Spaß. Sie wirkten zu steif und gehemmt. Offenbar kam in den Verantwortlichen die Sorge auf, Brest würde einen zu düsteren Film abliefern, an dem am Ende auch die Zuschauer keinen Spaß mehr hätten. Badham heimste später Preise für den Film ein, allerdings profitierte er dabei auch von Material, das Brest bereits gedreht hatte.

Richard Stanley / „DNA - Die Insel des Dr. Moreau"

Für Robert Stanley muss es ein wahrer Alptraum gewesen sein, mitzuerleben, wie ihm sein Herzensprojekt aus den Fingern glitt. Vier Jahre lang hatte der gebürtige Südafrikaner darum gekämpft, H. G. Wells' Klassiker „Die Insel des Dr. Moreau " verfilmen zu können. Er erhielt 1996 schließlich grünes Licht von der Produktionsfirma New Line Cinema, die allerdings lieber Roman Polanski als Regisseur gehabt hätte. Stanley konnte sich mit der Hilfe von Hauptdarsteller Marlon Brando durchsetzen, doch dann läutete eine klassische Hollywood-Scheidung das Verhängnis ein. Bruce Willis, der für eine wichtige Rolle in dem Film vorgesehen war, stieg wegen seiner bitteren Trennung von Ehefrau Demi Moore aus. Als Ersatz wurde Val Kilmer engagiert, der seinem Ruf entsprechend sofort für Unruhe sorgte. Er verlangte plötzlich eine Reduzierung seiner Drehtage um 40% und setzte schließlich durch, dass er eine kleinere Rolle übernehmen durfte. Die Probleme minimierte dies allerdings nicht. Kilmer verhielt sich feindselig und unkooperativ, so dass kein vernünftiges Filmmaterial zustande kam und mit Rob Morrow ein weiterer Darsteller ausgesprochen entnervt, um nicht zu sagen therapiebedürftig, ausstieg. Schließlich hatte das Studio, welches ohnehin von Anfang an nicht auf Stanleys Seite stand, die Faxen dicke und kündigte dem Regisseur - ja, via Fax. Stanley wurde vor allem vorgeworfen, sich gegen Kilmer nicht durchsetzen zu können. Der eilig verpflichtete Ersatzregisseur John Frankenheimer vermochte die Konflikte freilich auch nicht aus der Welt zu schaffen, so dass die gesamten Dreharbeiten zu einer wahren Tortur auswuchsen. 2014 entstand mit „Lost Souls: The Doomed Journey of Richard Stanley's Island of Dr Moreau" eine Dokumentation über das große Drama hinter den Kulissen eines Films, der mal ein Wunschprojekt war.

Alex Cox / „Fear and Loathing in Las Vegas"

Der Film „Fear and Loathing in Las Vegas" aus dem Jahr 1998 ist ein psychedelischer Drogentrip in knalligen Farben, der in den Kinos kein Erfolg war, aber heute Kultstatus genießt. Würde das auch so sein, wenn Alex Cox auf dem Regiestuhl geblieben und nicht von Terry Gilliam abgelöst worden wäre? Cox hatte seine ganz eigenen Ideen für die Verfilmung von Hunter S. Thompsons Erfolgsroman „Fear and Loathing in Las Vegas", die unter anderem den Einsatz animierter Sequenzen beinhalteten. Weder Thompson himself noch Hauptdarsteller Johnny Depp waren von Cox' Plänen sonderlich überzeugt. Genauer gesagt fanden sie die Ideen des britischen Regisseurs absolut furchtbar und sahen ihn auf dem völlig falschen Trip. Der Nachfolger Gilliam bezeichnete Cox' Script gar als „piece of crap". So richtig gesund waren solche Aussagen für Cox' Karriere als Regisseur erwartungsgemäß nicht.

„Hey, willst du nicht einen „Star Wars"-Film drehen?" Welcher ambitionierte, junge Regisseur sagt da schon Nein? Josh Trank, der 2012 mit seinem ersten Film „Chronicle - Wozu bist du fähig?" weltweit auf sich aufmerksam machen konnte, erhielt das Angebot, einen der Teile einer eigenständigen „Star Wars"-Filmreihe zu inszenieren. Doch noch bevor Tranks zweiter Film, die Neuauflage von „Fantastic Four", in die Kinos kam (und floppte), musste der junge Regisseur das „Star War"-Universum schon wieder verlassen. Tranks offizielle Begründung, sich zukünftig auf kleinere Projekte konzentrieren zu wollen, zu denen „Star Wars" sicher nicht zählt, wird von einigen Seiten angezweifelt. Es halten sich Gerüchte, dass Tranks während der Dreharbeiten zu „Fantastic Four" in vielen Situationen überfordert war und sich schwer damit tat, Entscheidungen zu treffen. Wurde er also gefeuert, weil er seine Feuerprobe nicht bestanden hat und damit ungeeignet war für das Multimilliarden-Filmfranchise? Ob der Schritt nun von ihm selbst ausging oder von den Imperatoren des „Star Wars"-Kosmos, seinen Status als hoffnungsvolles Regietalent hat Josh Tranks verloren.


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