Wo war ich eigentlich ?

Wo war ich eigentlich ?Offiziell ist die Antwort auf die Frage, wo das Kloster Montserrat (siehe vorigen Artikel) liegt, ganz einfach: In Spanien. Auch laut der spanischen Wikipedia liegt Montserrat in Spanien. Aber es gibt auch eine Wikipedia auf Katalanisch, die Spanien in der Ortsangabe einfach verschweigt („Liegt bei Barcelona und ist ein Symbol Kataloniens“). Auf Kuba kenne ich mehrere katalanische Priester, die mir alle gesagt haben, wie wichtig das Kloster von Montserrat für die Bewahrung der katalanischen Identität war. „War ? Ist ! Unsere Identität und unsere Sprache sind immer noch gefährdet. Unter der Diktatur Francos (gest. 1975) hat die Armee Montserrat umstellt. Das war wie bei Asterix,“ sagt mir eine Schülermutter, die bei der Organisation des Kongresses hilft, als ich ihr erzähle, was ich von den Katalanen auf Kuba gehört habe. In der Messe am Sonntag fotografiere ich einen Schüler der berühmten Sängerschule von Montserrat, dessen T-Shirt eine eindeutige Botschaft für uns ausländische Gäste enthält (auf Englisch): „Mach keinen Fehler. Ich bin Katalane. Also bin ich nicht spanisch.“ Ich frage ihn, zu wie viel Prozent das ernst gemeint sei. „100 Prozent,“ sagt er, sein Mitschüler pflichtet ihm bei. Die jungen Leute meinen, Katalonien sollte ein unabhängiger Staat werden. Noch ein Zitat von der Schülermutter: „Wenn ich mit den Behörden zu tun habe, spreche ich grundsätzlich kein Spanisch. Die Beamten sind verpflichtet, Katalanisch zu können. Nur wenn ein Beamter mir sagt, dass er gerade erst nach Katalonien versetzt worden ist, mache ich eine Ausnahme.“ Als ich bemerke, dass in der Sonntagsmesse außer Katalanisch und Latein mit Rücksicht auf die Gäste auch Englisch und noch eine weitere Sprache (Polnisch ?) benutzt wurden, aber kein Spanisch, schaut sie mich nur mit einem Blick an, der ungefähr sagt, „Hast du immer noch nicht gemerkt, dass wir keine Spanier sein wollen ?“
Die Kongressteilnehmer aus Australien, Chile, Guatemala und Kanada haben große Nationalflaggen in die Fenster ihrer Zimmer gehängt. Aus dem Fenster der Ettaler Gruppe hängt eine bayerische Fahne, keine deutsche. Wollen die jetzt auch anfangen, eine eigene nationale Identität zu verteidigen ? Immerhin unterscheidet sich das Bayerische mindestens so stark vom Hochdeutschen wie das Katalanische vom Spanischen.



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