wir schöpfen aus der fülle

liebes fress… äh… lesterschwein,

so viele schöne lokaltipps! da muss ich auf jeden fall auch das eine oder andere ausprobieren. und danke für den tipp mit der vogelmiere! hab ich ich auch bestellt und die ist sehr ergiebig und funktioniert als alles. echt super. tofuspeis, salat, abruzzisches abendbrot. ist quasi salat, spinat und petersilie in einem. wirklich cool, so ein unkraut. jaja, die überraschungen der foodcoop.

letzten dienstag hatte ich ladendienst, und es waren wieder einige leute da, um sich anzuschauen was wir da so machen. und da kam die wenig überraschende frage, was denn nun bitte besser daran sei in der foodcoop einzukaufen, als auf den markt zu gehen, und dort beim biobauern zu shoppen. preislich ist da zwar ein bissel unterschied, aber eigentlich gehts doch um etwas anderes. ich konnte es nicht so recht in worte fassen. und kurz hab ich mich dann gefragt, ob ich vielleicht auch auf den markt gehen würde, wenn ich es mir irgendwie vorstellen könnte am wochenende einkaufen zu gehen. vielleicht ist die foodcoop ja auch einfach der greissler von boboville für leute mit zuviel zeit- und energieressourcen, denen fad im schädl ist.

gut, dass ich soviel radlfahr, da hab ich viel zeit solche fragen durch den kopf gehen zu lassen, bis mir der knopf aufgeht. genaugenommen ist mir der knopf aufgegangen, als foodcooplerin E. uns allen gemailt hat, dass es nett wäre, wenn jedeR ordentlich abwiegt, weil es nicht schön ist, wenn man als letztabholende zu wenige karotten vorfindet, und dann noch dazu eine davon schiach ist.

da ist mir dann aufgefallen, dass es gar nicht so selbstverständlich ist, dass bei uns im normalfall und im großen und ganzen alles rund läuft. es funktioniert ja schließlich nicht wenig auf vertrauensbasis. und mir ist aufgefallen, dass eine foodcoop ein mikrokosmos ist, indem wir im kleinen ausprobieren wie das so funktionieren könnte, wenn nicht „immer alles“, wenn nicht „ich zuerst“. wie das ist, wenn man draufkommt, dass man das wohl von allen im auge behalten muss, weil das ganze werkl sonst nämlich nicht rennt.

grundsätzlich haben wir tolle produkte zu einem fairen preis und können dankbar sein so super versorgt zu sein. wir schöpfen aus der fülle.

nichtsdestotrotz ist immer wieder ein ei angedepscht oder ein glas angegrindelt. von irgendwas kommt zuwenig, von was anderem zuviel. die äpfel lassen sich nicht auseinanderwiegen, weil sie zu groß sind. und im sommer sind nicht alle tomaten gleich schön. da macht es dann eben auf dauer einen ziemlichen unterschied, ob sich die ersten, die abholen immer die schönsten sachen aussuchen und tendenziell lieber ein bissel mehr nehmen als ein bissel weniger, oder ob mit der haltung abgeholt wird – da kommen noch andere nach mir, ich schau, dass für die genug und etwas schönes da ist. ich fahr eh gleich nach hause, also nehm ich das abgedepschte ei, weil ich kanns gleich einkühlen.
ich fand es auch voll nett, als mit R. eine avocado angeboten hat, weil ich mir weniger äpfel genommen hab. und ich fand es auch super, dass C. nicht gefragt hat, welcher job der coolste ist, sondern wissen wollte wo sie gebraucht wird. und ich find es großartig, dass das alles einfach klappt. es steht haufenweise zeug rum, es wird keiner kontrolliert, kaum abgesperrt, jedeR nimmt sich. und das ist nicht nur bei uns so. wir sind ja grundsätzlich ziemlich organisiert mit software und so. es gibt foodcoops, da werfen die leute geld in ein leeres gurkengles (schmähohne!) und das funktioniert auch.

es ist auch super, wenn sich jemand findet, um für den ladendienst einzuspringen, einfach weils grad geht, und sich nicht denkt – ich hab diesen monat eh schon, geht mich doch nix an. und ja, im grunde ist es nur ein kleiner kaufmannsladen, aber ich find den begriff „gemeinwohl“ recht abstrakt, und für mich ist das tatsächlich eine ganz kleine spielwiese, wo wir das ein stück weit ausprobiern können. schließlich geht’s doch um kooperation, statt konkurrenz, um miteinander, statt gegeneinander, und darum, die erfahrung zu machen, dass es für mich nur dann wirklich fein ist, wenn es für die anderen auch fein ist. und solche wechselwirkungen kriegen wir am freien markt, egal ob romantischer karmeliter-bauernmarkt oder supermarkt, ja gar nicht mit. und nicht zuletzt finde ich, dass uns ein bissel selbstverwaltung nicht schadet, in einem system indem wir es gewohnt sind dann und wann eine stimme abzugeben (will ich überhaupt meine stimme abgeben?) und uns über „die da oben“ zu beschweren.

und insofern ist foodcoop tatsächlich ganz etwas anderes als bauernmarkt. und ich kann sagen, bei mir hat es sehr wohl ein bissel gedauert, mich vom – ich hab bezahlt, also steht mir zu – zu verabschieden. man tauscht den vermeintlichen persönlichen vorteil gegen  community ein.

und das ist, um an meinem letzten post anzuknüpfen, auch der grund, warum wir wieder mehr auf die straße gehen sollen. sicher, um die stimme zu erheben. und sicher, um widerstand sichtbar zu machen. aber vor allem, finde ich, um uns als teil einer community zu erleben, die etwas anders gut findet, als arbeitszeitflexibilisierung, die abschaffung des wohlfahrtsstaats und neoliberalen die-starken-zuerst-schwachsinn. ich hab mit dem grrbrr schon mal drüber geredet. wahrscheinlich ist die wirkung nach innen, von solchen aktionen mindestens so wichtig wie die wirkung nach außen. und es ist doch eine spitzensache mit meinem schwesterlein zu den sambabeats des brüderleins die gegenbewegung zu tanzen.

a propos letzter post: in aller kürze noch die ergebnisse meiner bescheuerten sojamilch-recherche. kurz gefasst: alles bullshit. joya war ein produkt der österreichischen monagruppe, diese wurde von der hain-celestial-group AG übernommen. alpro gehört danonewave. unnötig zu sagen, dass beides börsennotierte unternehmen sind, die international agieren und milliardenumsätze erzielen. die sojabohnen für bei uns erhältliche bio-sojamilch werden auf der ganzen welt, bis hin zu china produziert und … tja, was soll ich sagen. für mich gilt das gleiche wie für alle anderen auch. ich kann nicht erwarten, dass alles anders wird, und gleichzeitig alles gleich bleibt. ich kann nicht, sosehr ich es mir manchmal auch wünschen würde, erwarten, dass es irgendeinen ernstzunehmenden unterschied macht, ob ich im supermarkt in regal a oder regal b greife. ja, ich verwende noch immer sojamilch. aber ich tu nicht mehr so, als hätte das irgendeinen positiven ökologischen impact. aber wenn ich nicht grad soja-latte schlürfe und klammheimlich meinem hedonismus fröne, dann koch ich feine sachen „von da“ und „mit ohne“. hier also zum abschluss wieder ein rezept aus der kathegorie (fast) 100% foodcoop.
sautierte austernpilze mit vogelmiere

wir schöpfen aus der fülle

1 el öl
250g austernpilze
1 zwiebel
1/2 bund petersilie
eine hand voll vogelmiere
1 schuss weißwein (der ist nicht aus der foodcoop, aber selbst gelesen – ha!)

zwiebel und geschnittene austernpilze ordentlich in öl anrösten (nicht zuviel umrühren!), mit wein ablöschen, klein geschnippelte petersilie und vogelmiere dazu, kur umrühren. mit salz und pfeffer abschmecken. wenn man eine beilage möchte eignet sich zum beispiel dinkelreis.

a propos dinkelreis: da hab ich noch eine idee auf lager, wie man aus einem gericht drei macht, unter anderm mit dinkelreis. aber das ist eine andere geschichte, die kommt beim nächsten mal.

bussi und bis bald,

dein lesterschwein kati


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