«Wir haben keinen Grund zum Feiern»

«Wir haben keinen Grund zum Feiern»

Heute vor einem Jahr stand ich auf dem Hechtplatz in Zürich und dachte: Den nächsten Weltfrauentag feiere ich in Bolivien! Doch das erste, was sie heute ins Megaphon geschrien haben, war: WIR HABEN KEINEN GRUND ZUM FEIERN! Denn die Frauen in Santa Cruz, Bolivien, sind gekommen, um anzuklagen: Die Männer, die Gewalt ausüben, und den Staat, der diese Verbrechen nicht aufklärt und bestraft.
Nur eine kleine Gruppe war es, die sich heute Morgen mit Transparenten, Fotos von Vermissten und Ermordeten und lauten Stimmen vor dem Gebäude der Generalstaatsanwaltschaft von Santa Cruz versammelte. Eine kleine Gruppe – aber mit welcher Wucht! Hier ist am Weltfrauentag nicht die Rede von Gleichberechtigung, Lohngleichheit oder politischer Beteiligung. Hier geht es darum, dass häusliche Gewalt unter den Tisch gekehrt wird, dass Frauen ermordet und junge Mädchen entführt werden. Hier wird nicht gesungen oder getanzt – hier ergreifen Mütter das Mikrophon, die vor Verzweiflung kaum sprechen können und trotzdem aus voller Kehle schreien: Staatsanwalt, wir wollen Gerechtigkeit! Gericht, mach deine Arbeit! Meine Tochter ist seit drei Monaten verschwunden, und weil ich kein Geld für einen Anwalt habe, passiert nichts! Ich suche mein Kind Tag und Nacht, und ich bin heute hier, weil ich Hilfe brauche! Komm vor die Tür und hör uns an, Staatsanwalt!

«Wir haben keinen Grund zum Feiern»

Doch niemand zeigte sich, die Eisentore waren hastig verschlossen worden, als sich die Frauen genähert hatten, und veschlossen blieben sie auch. Wie ihr wollt, hiess es, dann nehmen wir uns die Strasse. Und innerhalb von zehn Minuten war der Verkehr der Hauptverkehrsader von Santa Cruz lahmgelegt. Der Tumult, der sich in der nächsten Stunde abspielte, war grandios. Hundert von Autos und Minibussen waren blockiert, und ein Hupen höchster Entrüstung verschaffte der Demonstration noch mehr Gehör als die nicht endenden Rufe: Zeig dich, Staatsanwalt! Genug Gewalt! Gericht, mach deine Arbeit! Nicht noch EIN Frauenmord! Wir wollen Gerechtigkeit, und zwar sofort! – Welche Genugtuung, dass eine Gruppe von gut hundert Frauen die Macht besass, hier ein kleines Chaos anzurichten! Ja, wir stören, heute stören wir – ihr stört uns auch genug! war in den Gesichtern zu lesen. Und jeder, der aus seinem Auto ausstieg, schimpfte und irgendeine Ausrede erfand, warum man ihm die Durchfahrt erlauben sollte, machte die Frauen nur noch entschlossener. Wir haben keine Angst! schrien sie. Und tatsächlich, keiner wagte sich so richtig an sie heran, um die Durchfahrt zu erzwingen.

«Wir haben keinen Grund zum Feiern»

Staatspräsident Evo Morales hat heute ein Dekret erlssen, das die Bildung eines Komittes vorsieht, welches die bestehenden Gesetze durchsetzen soll, die Frauen ein würdiges Leben ohne Gewalt ermöglichen. Naja – die Gesetze bestehen bereits (siehe Beitrag vom 17. Januar). Nun soll ein solches Komittee helfen, sie durchzusetzen? Ein Komittee, das sich laut Bekanntgabe ein Mal pro Jahr treffen soll. Klingt nett, wird aber wohl nicht viel ändern.


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