Als ich den reMarkable Paper Pro Move entdeckt hatte, war die Geräteform (plus der Bezel) ein Thema, das mich abgeschreckt hatte. Dann habe ich zugeschlagen, mich verliebt und mittlerweile bin ich genervt. Warum ist der Move so schmal? Und warum ist das ein Problem?
Die Evolution
Nachdem der Paper Pro mir nicht gefiel (das Display hatte einen Fehler, wie ich später erfuhr), war der Move die Rettung, aber das Seitenverhältnis vor und nach dem Kauf ein Thema. Da ich ab diesem Zeitpunkt aber nur den Move hatte, war das weniger ein Problem.
Der Paper Pro kam – dieses Mal mit gutem Display – zurück und das Problem des Seitenverhältnisses kam mir deutlich häufiger unter die Nase. So sehr, dass ich hier mal kräftig Luft ablassen muss. Ist das Design wirklich wichtiger als die Funktion?
Das Problem
Der Paper Pro hat ein Seitenverhältnis von zirka 1,39:1 (nahe DIN A4), der Move hingegen zirka 1,81:1 (nahe 18:10). Was heißt das? Alles, was auf A4 vorliegt (meistens PDFs), wird ohne Zoom und Leerräumen auf dem Paper Pro super dargestellt. Auf dem Move nicht.
Okay, es geht ja ums Schreiben und Gedanken aufs „Papier“ bringen, könnte doch egal sein. Wenn man aber eine Vorlage auf einem Gerät nutzt und beschreibt, sieht das beim anderen häufig Mist aus. Oder noch schlimmer: Das Template verhält sich anders. Keine Angst, ich habe Beispiele.
Habit Tracker
Der Habit-Tracker. Eine Vorlage von Remarkable. Lege ich eine neue Seite mit dem Move an, werden 10 „Habits“ untereinander aufgelistet mit Kreisen von 1 bis 31. Auf dem Paper Pro ist das gesamte Format anders. Die Habits sind am Anfang zu benennen und die Zahlen gehen von 1 bis 16 und in der Zeile darunter von 17 bis 31.
Das Tolle: Auf dem Paper Pro sieht die neue Seite – die zur Wiederholung auch hier erzeugt wurde – krumm aus, es wird nicht alles dargestellt. Auf dem Move wird es ebenfalls verrückt. Die Seite, die ich auf dem Move erzeugt hatte, ist im 0,6‑x‑Zoom. Die vom Paper Pro sogar beim 0.5x Zoom.
Kalender
Dann schauen wir uns mal den Kalender von reMarkable an. Ein PDF-Template aus dem rm‑Methods-Katalog. Man kann – nein, man muss sich – für die Move- oder Nicht-Move-Variante entscheiden. Und dann lebt man mit den Problemen.
Ich spreche aus Einfachheitsgründen nur von der Wochenansicht. Das Move Template passt toll auf den Move. Die gesamte Woche ist sichtbar im Hochkant-Modus. Im Querformat (da hat man die Breite einer A4‑Seite) sieht es weitgehend wie auf dem Paper Pro aus, nur halt mit weniger Platz nach unten.
Move Template
Nicht Move Template
Öffne ich diesen Kalender auf dem Paper Pro, ist alles sehr groß – wie für Menschen mit schlechten Augen – und ich sehe nur bis Freitag (die Überschrift vom Samstag bekomme ich auch noch). Schreibe ich mit dem gleichen digitalen Stift (Typ, Strichdicke), ist das Ergebnis nicht das gleiche. Der Move wirkt feiner.
Ja, und wie sieht es aus mit dem Template für die anderen Geräte? Auf dem Paper Pro: Alles bestens. Man hat mehr Zeilen und Samstag und der Sonntag teilen sich den unteren Bereich und haben dennoch mehr Platz. Alles ist auf einen Blick sichtbar – cool, oder?
Move Template
Nicht Move Template
Tja, auf dem Move ist auch alles auf einen Blick sichtbar, mal abgesehen vom Balken oben und unten – oder alternativ vom Zoomlevel, was dann Dinge links und rechts wegschneidet. Das klingt nach Pest oder Cholera, oder? Oder macht man es nur auf einem Gerät?
Meine Lösung ist das Paper Pro Template und der Move wird quer genutzt. Da ich täglich in die Wochenübersicht schreibe, sehe ich auf dem Move „genug“ – konkret 2 Tage. Zufrieden und glücklich bin ich mit dieser Lösung aber nicht wirklich. Und da wären wir beim Problem.
Software Murks, oder doch die Hardware?
Da wollte jemand bold sein, mal etwas ganz Neues wagen, aber das Ergebnis sorgt bei Designern und natürlich auch bei Kunden für Frust. Der Move ist am Ende des Tages zu schmal. Ein paar Zentimeter an die Seite und das Problem wäre kleiner oder sogar nicht vorhanden.
Schlechte Entscheidungen sind weitreichend und eine Lösung hat reMarkable tatsächlich nicht. Das Einzige, was gelegentlich versucht wird, ist, dass die gleiche Vorlage in Move- und nicht Move-Varianten angeboten wird – die Workbooks zum Beispiel sind immer nicht Move-tauglich.
Und ja, ich finde, der Move liegt toll in der Hand und man kann toll damit arbeiten, aber eine Ergänzung zu einem Paper Pro, 2 oder Pure ist es nur weniger durch das Seitenverhältnis. Und auch andere Dinge wie Bücher, PDFs und Co. leiden darunter. Natürlich kann man den Move auch wie ein kleines Notizbuch verwenden. Einfach schreiben und fertig.
Aber bezahlt man dann einen solchen Preis? Der Paper Pro hat mir den Move etwas madig gemacht. Nicht selten greife ich nun doch zum Paper Pro. Da ist nichts gestaucht und ich fühle mich „befreit“ von der unnötigen Enge. Funktion sollte immer über Design sein.
