Wintergewandert? Gewinterwandert?

Wintergewandert? Gewinterwandert?

Unser Ziel: der Kronberg (Bildmitte). Hinten der Säntis. (Hansueli Krapf)

Heute winterwandern wir auf den Kronberg. Gestern schrieb ich im "Tages-Anzeiger" einen Artikel, in dem dieser Appenzeller Hoger vorkommt: Es ging um etwas, was ich in meinem Blog kürzlich schon vortrug. Nämlich: Kleine Skigebiete geben das Skigeschäft auf, weil die Bewirtschaftung der Pisten und Förderanlagen einfach zu aufwändig und teuer ist; stattdessen setzen sie auf Schlittler. Leider ist der Artikel online nicht greifbar, daher habe ich in für diesen Eintrag kopiert. Ein Aperçu: Mit meinem Ressortkollegen René ergab sich zu dem Artikel eine grammatikalische Diskussion. Er fand, die von mir gewählte Verbform "gewinterwandert" sei falsch, es müsse heissen: "wintergewandert". Wir konsultierten ein paar Tagileute, was aber auch kein eindeutiges Resultat erbrachte. Ein Redaktor erhob sich auf die Meta-Ebene. Er fand, beide Formen seien so hässlich, dass man sie nicht verwenden dürfe.
So, hier der Artikel:
Rodelpiste
statt Skilift

Das Obwaldner Skigebiet LungernSchönbüel warb in den letzten Jahren für sich mit dem Wort «Panoramawelt». Die geschäftlichen Aussichten verdüsterten sich allerdings zusehends – nun haben die Betreiber gehandelt: Als kürzlich die Wintersaison begann, blieben die Skilifte stehen. LungernSchönbüel hat sich vom Skigeschäft abgewandt. Stattdessen wird geschlittelt und gewinterwandert. Auch ein Hunde-Rundweg ist beschildert.
Gleiches ist am Kronberg passiert, einem weitherum bekannten Appenzeller Hoger: Traditionell fuhr man winters mit der Seilbahn auf den Gipfel, um Ski zu fahren. Doch in den letzten Jahren nahmen die Betreiber zu wenig ein. Dass Kinder den Lift gratis nutzten, brachte auch nicht sensationell mehr Kundschaft. Mittlerweile hat der Kronberg umgestellt. Diese Saison ist die zweite, in der er sich als Schlittel- und Winterwanderparadies darbietet.
Beide Beispiele zeigen den Kampf kleiner Skigebiete. Und das Grundproblem der Branche. Erstens sind die Einnahmen stark abhängig vom Wetter. So rutschte Meiringen-Hasliberg nach dem warmen, schneearmen Winter 2010/11 direkt in die Liquiditätskrise. Zweitens führt der hohe Frankenkurs in Kombination mit der Wirtschaftskrise dazu, dass viele Leute hiesige Anlagen meiden. Und drittens spitzt sich der Wettbewerb zu. Halten kann sich nur, wer dauernd investiert. Im Fall von Meiringen-Hasliberg fanden sich nach der Nachlassstundung zwei Unternehmer aus der Region, die Geld einschossen, etwa für eine Beschneiungsanlage.
Entweder man wächst: Im Raum Arosa–Lenzerheide und auch am Oberalppass zwischen Andermatt und Sedrun wollen Skigebiete fusionieren. Oder man versucht sich mit einem schlauen Konzept zu positionieren: Meiringen-Hasliberg möchte speziell Familien ansprechen. Oder man lässt vom Skiwesen ab und setzt auf das Schlitteln und das ökologisch sanftere Winterwandern; beides braucht weniger Arbeitskräfte und Aufwand.
Auf dem Kronberg, der laut Eigenwerbung die längste Schlittelpiste der Ostschweiz bietet, war die erste skiliftlose Saison ein Erfolg: An Spitzensonntagen trug die Bahn über 1000 Schlittler in die Höhe.
(TA, 4. Januar 2013)

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