Wie man gegen die Wand fährt

Meine liebe SPD hat gerade dazu aufgerufen, die kommende Islamkonferenz zu boykottieren. Genau genommen diese junge Dame hier:

özuguz

Das ist die 42-jährige Bundestagsabgeordnete Aydan Özuguz (danke wikipedia). Sie kommt aus Hamburg und ist außerdem noch mit Michael Neumann verheiratet, der dort mittlerweile Innensenator ist. Sie war in sieben Jahre lang Mitglied der Bürgerschaft und dort bereits migrationspolitische Sprecherin, sie ist jetzt Integrationsbeauftragte der Bundestagsfraktion der SPD. Sie ist außerdem die Schwester zweier Brüder, die ebenfalls einen Wikipedia-Eintrag haben, aber dazu kommen wir noch.

Und das hier ist ihr Gegenspieler:

friedrich

Hans-Peter Friedrich, CSU, gerade 53 geworden und außerem gerade zum Innenminister aufgestiegen. Herr Friedrichs größte Leistung ist es - zumindest bisher - festgestellt zu haben, dass der Islam nicht zu Deutschland gehört, weil es dafür keine historischen Belege gäbe.

Der kurzfristig als Vorsitzender der CSU-Landesgruppe agierende Politiker hat damit direkt dem Bundespräsidenten widersprochen, zumindest theoretisch. Wulff hat nie behauptet, das wäre schon immer so gewesen; dass er tatsächlich gesagt hat: Der Islam gehört inzwischen auch zu Deutschland, und das ohne Wertung - wir könnten da problemlos "Dieter Bohlen" oder "die Luftverschmutzung" einsetzen - kümmert scheinbar nicht mal seine eigenen Leute.

Auf den ersten Blick scheint recht klar zu sein, wer von beiden wohl geeigneter wäre, eine Islamkonferenz zu führen, wie sie in Kürze wieder ansteht. Quasi ins Einladungsschreiben hat Friedrich jetzt das nette PS gesetzt, die muslimischen Verbände hierzulande mögen doch bitte daran mitwirken, den Extremismus in den eigenen Reihen zu bekämpfen. Die eingänglich erwähnte Integrationspolitikerin hat daraufhin dazu aufgerufen, die Konferenz zu boykottieren. Sie nennt den Innenminister einen Spalter und wirft ihm vor... moment....

(...)kritisierte die SPD-Politikerin. "Er macht so viel von dem kaputt, was andere seit Jahren für eine gelingende Integration aufgebaut haben."

tagesschau.de

Stimmt, Frau Özuguz. Es ist kein guter Start, den Angehörigen der Religion, die der Islamkonferenz ihren Namen gibt, mal eben zu bescheinigen, dass sie nicht zu diesem Land gehören. Oder so: Stellen Sie sich vor, Sie veranstalten eine Sachsen-Anhalt-Konferenz, stellen dann erstmal fest, dass die nicht zu Deutschland gehören und fordern dann außerdem von ihnen, dass sie bitteschön daran mitwirken mögen, die NPD in ihren eigenen Reihen im Schach zu halten. Ich würde mich als Sachsen-Anhaltiner ein klein wenig vor den Kopf gestossen und ganz groß unter Generalverdacht gestellt fühlen. Ich hätte nicht unbedingt das Gefühl, dass auf einer solchen Konferenz meine Interessen eine Rolle spielen könnten. Nur würde ich natürlich trotzdem hingehen.

Es wäre nicht besonders klug, den Fehdehandschuh einer Partei aufzunehmen, die echt nichts mehr zu verlieren, aber bei diesem Thema alles zu gewinnen hat. Zum Beispiel endlich mal ein Thema, das nicht strahlt und bei dem auch keine Soldaten irgendwo hingeschickt werden. Ich kann hier nichts richtig, aber alles falsch machen. Wenn ich mich eingrabe und aus allen Rohren feuere, mag ich noch so sehr im Recht sein - ich helfe einer Partei ohne Skrupel, sich auf meine Kosten wieder ein Profil zu verschaffen, und was immer auch der Bundespräsident so von sich gibt: In dieser Auseinandersetzung können die Sachsen-Anhaltiner - verzeihung: Die Muslime - nur den Kürzeren ziehen.

Glauben Sie nicht?

Kommen Sie, in dieser Partei erhält man selbst dann Beifall, wenn man zum Beispiel sagt,... moment...

"Diejenigen, die gestern gegen Kernenergie, heute gegen Stuttgart 21 demonstrieren, agitieren, die müssen sich dann auch nicht wundern, wenn sie übermorgen irgendwann ein Minarett im Garten stehen haben, meine Damen und Herren"

... zum Beispiel hier auf bundes.blog.de

Kurzum, da könnte der Sachverhalt sogar noch viel eindeutiger und logischer und unzweifelhafter sein, also zum Beispiel noch nie ein NPD-Wähler in Sachsen-Anhalt existiert haben, und Sie würden trotzdem gegen die Wand fahren. Ich kann mich natürlich zurecht schmollend zurückziehen. Ich könnte aber auch Kooperation versprechen. Denn ich mag ja die NPD auch nicht. Oder, um aus dieser Metapher rauszufinden: Ich müßte ja eigentlich ein lebhaftes Eigeninteresse daran haben, die Extremisten in meinen eigenen Reihen zu bekämpfen oder sie meinetwegen auch zu bekehren.

Es gibt hier noch einen guten Grund, das zu tun. Da komme ich dann wieder auf den Wikipedia-Eintrag von Frau Özugun zurück. Oder eben den ihrer Brüder Yavuz und Gürhan. Beide leiten ein bemerkenswertes Internetportal und standen auch schon vor Gericht deswegen - Yavuz Özugun wurde wegen Volksverhetzung verurteilt, gemeinsam erklärten sie unter anderem schon vor Jahren, dass nur ein Gottesstaat eine akzeptable Verfassung hätte. Obwohl ich meiner lieben Genossin glaube, dass die beiden schon lange nicht mehr auf gemeinsamen Familienfeiern zu sehen waren: Wenn ich das schon innerhalb von fünf Minuten Recherche gefunden habe, werden jene, die daran ein Interesse haben, ganz sicher nicht zögern, diese Keule rauszuholen. Und damit wäre allen geschadet. Und ja, die Welt ist unfair und voller böser Menschen. Aber wenn ich das weiß, muss ich mich ihnen ja nicht sehenden Auges zum Fraß vorwerfen.

Jetzt ist es aber wirklich Zeit für Wetter.


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