Welche Ausgabe Deutschlands bejubelt Merkel?

Welche Ausgabe Deutschlands bejubelt Merkel?»Ein Hoch auf das was uns vereint ...« dudelte dieser Bourani aus dem Autoradio. Die ARD hat das Lied zum WM-Song ihrer Berichterstattung erklärt und nun hört man es dauernd. »... dass es das Beste für uns gibt ...«. Der Mann hat es für eine Freundin geschrieben, ganz ohne Hintergedanken. Jetzt soll es die nationale Identität umschmeicheln. »Auf uns« heißt es ja zufälligerweise passenderweise. Wie gesagt, ich ertrug es gerade, wie es so aus dem Radio schallte, da schnitt mich ein Mercedes mit angebrachten Deutschlandfahnen. Ich hupte. Er zeigt mir den Stinkefinger. »Ein Hoch auf das was uns vereint.«
   »Kommst du aus der Gosse, oder was?«, schrie ich aus meinem offenen Fenster.
   »Halt dein Maul, du Wichser!«, röhrte der geschniegelte Affe zurück. Er hupte nochmals und war um die nächste Ecke verschwunden.
   Blödes Arschloch, dachte ich mir. Was da alles so einen Führerschein haben darf. Bourani schrie immer noch aus dem Radio. »Ein Hoch auf das was vor uns liegt / dass es das Beste für uns gibt.«

Kurz danach quasselte eine aufgebrachte Moderatorin etwas von »Heute zählt es« und »... stehen wie ein Mann hinter unserer Mannschaft«. »Ganz Deutschland im WM-Fieber« sagte eine männliche Stimme und alle zusammen, ganz Deutschland drücke jetzt »vereint Jogis Jungs die Daumen«. Danach Nachrichten. Hartz IV soll verschärft werden. Öffentliche Entrüstung wird es deswegen nicht geben. Man kann schon froh sein, wenn die »Bildzeitung« nicht wieder eine Serie über Schmarotzer startet. Ob wohl die betroffenen Leistungsberechtigten auch etwas haben, »was uns vereint«? Ob sie bei Bourani mitsummen? Sind sie dazu eingeladen? Oder sind sie selbst dazu zu faul?
Oh Mann, Leute, ihr könnt euch alle in Trikots zwängen und so tun, als sei die ganz dicke Einigkeit ausgebrochen. Ich weigere mich! Bei mir fängt sie bei Gerechtigkeit an. Und deswegen ist »eure Einigkeit« mit mir nicht zu machen. Da draußen laufen so viele Idioten rum, die mir ein Bedürfnis nach Vereinigung regelrecht austreiben. Bin ich einig mit Gauck, von der Leyen und Steinmeier? Was ist unser kleinster gemeinsamer Nenner? Wie sollte ich mir vorstellen können, neben Merkel und Kauder für ein Nationalteam zu sein, das sich von dieser Frau politisch missbrauchen lässt? Ist Lindners Deutschland das meinige? Und Lucke was vereint uns? Und wenn wir schon mal dabei sind Herr Märholz, mit was finden wir verschwörerisch zusammen?
»Einigkeit und Recht und Freiheit« kann man nett singen. Und die Einigkeit ist ja in diesen Tagen auch als dünne Lackschicht aufgetragen. Wo ist aber das Recht und besser noch: Wo die Gerechtigkeit? Nein, auch dieser farbenfrohe Partynationalismus leidet unter einem ganz großen Irrtum: Er macht Armut und Reichtum unkenntlich und setzt den Menschen Flausen in den Kopf, dass es diese ökonomischen Unterschiede mal für eine Weile nicht gibt. Gibt es aber! Gerade jetzt. Siehe Verschärfung der Sanktionspraxis. Was verbindet mich mit diesen fußballerischen Millionären, die nicht den blassesten Schimmer davon haben, wie es ist, Tag für Tag aufzustehen, nur um an einen Arbeitsplatz zu eilen, der das monatliche Auskommen nicht sichert. Das Deutschland für das Özil oder Müller spielt und für das sie stehen, ist ein ganz anderes Land als das Deutschland, das mir täglich widerfährt.
Als dieses Arschloch aus der Upper Class mit seinem Mercedes und seinem Stinkefinger an mir vorbeifuhr, da war mir wieder schlagartig klar, dass ich mit meiner Ansicht nicht falsch liege. Der Typ lebt in einem ganz anderen Deutschland wie ich. Welche Ausgabe Deutschlands bejubeln die Leute eigentlich, wenn sie sich für Deutschlands Nationalelf zum Idioten machen? Bouranis Song war für eine Freundin gedacht. Und dafür taugt er auch. So wie er jetzt gebraucht wird, ist er nur Verarsche. Sonst erklärt die Oberschicht alle naslang, dass es eine volle Gleichheit nicht geben kann. Aber für vier Wochen sollen Ausbeuter und Ausgebeutete nebeneinanderstehen und jubeln, oder wie? Das wird man als politisch Linker nie begreifen können. Dazu fehlt es mir an ausreichend infantiler Phantasie.
Ich drückte auf die CD-Taste, entfloh dieser schwachköpfigen Einigkeit, und plötzlich sang Lennon »Working Class Hero«. »Keep you doped with religion and sex and TV / And you think you're so clever and classless and free / But you're still fucking peasants as far as I can see«, trällerte ich laut mit. Ihr seid immer noch verdammte Bauern - Lennon hatte recht. Nur dass ihr jetzt in Trikots steckt. Oh Mann, John, du bist das Deutschland, wie ich es kenne. Du bist ein Stück Heimat.
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