Von Mittagspausen und Waldorfpuppen

Es gibt eine Tageszeit, die ist mir heilig. Nach dem Mittagessen, wenn der große Hunger nach der Kita gestillt ist und die gröbsten Raubtierfütterungs-Spuren beseitigt sind, dann herrscht bei uns ca. eineinhalb Stunden Mittagsruhe. Das heißt nicht, dass wir uns alle zu einem Schläfchen hinlegen -Mittagsschlaf ist hier seit gut einem Jahr gestrichen-, nein. Es ist einfach eine Zeit in der sich jeder in Ruhe für sich beschäftigt. Für mich bedeutet das, endlich Zeit für meine Tasse Tee zu haben, vielleicht etwas zu stricken oder Zeitung zu lesen. Und für Sophia beutetet das, dass sie sich alleine beschäftigen muss.
Es gibt Tage an denen sie alle fünf Minuten kommt und jammert, dass ihr langweilig ist und ich mit ihr spielen soll, aber es gibt mindestens genauso viele Tage an denen sie sich eben einfach selbst beschäftigt. Sie schaut sich ihre Bücher an, liest manchmal sogar die, die sie auswendig kann ihren Puppen vor oder spielt einfach eines ihrer herrlichen Fantasie-Rollenspiele. Oft ist sie dabei so versunken in ihrer Welt, dass ich einige Zeit unbemerkt ihr Tun beobachten kann. Momente die sich anfühlen, als würde die Welt kurz innehalten und in mir breitet sich jedes Mal ein wohlig-warmes Gefühl von unglaublicher Zuneigung, aber auch Staunen und Stolz aus.
Und dann beobachte ich da etwas, das mich irgendwie erleichtert und auch stolz macht. Stolz auf mich. Denn Sophia greift in der Regel zu den Spielsachen die ganz profan sind, wie Decken und Tücher, aber auch ganz viel zu denen, die ich für sie gemacht habe.

Von Mittagspausen und Waldorfpuppen

Ich habe ihr Bänderschneckchen gehäkelt, Decken gestrickt, Taschen gestrickt, Sachen für ihre Spielküche gebastelt, aber allen voran ist da ihre Puppe Maxi, die ich während der PuppenMitMacherei 2016 für sie gearbeitet habe. Inzwischen -nach bald zwei Jahren- ist sie eher grau-braun als Hautfarben und die Haare sind zu einem kleinen filzigen Struppelschopf geworden, aber sie wird so sehr geliebt!
Ehrlich gesagt hatte ich am Anfang etwas Angst, sie würde sie doof finden und lieber eine andere haben wollen. Besonders als Sophia zu ihrem dritten Geburtstag eine Puppe geschenkt bekam, die Geräusche machte, dachte ich, dass Maxi nun ein jähes Ende in der Spielzeugkiste finden würde. Ich war sogar etwas sauer auf die Schenkende. Nicht nur, dass ich solches Spielzeug nicht in meiner Wohnung haben wollte, nein es trat meine liebevolle Arbeit mit Füßen. Erst dachte ich daran diese Puppe einfach verschwinden zu lassen, entschied mich dann aber dagegen. Und wisst ihr was? Nach zwei Wochen war die sprechende Plastikpuppe total uninteressant geworden. Puh, ich sag´s euch. Das hat mich wirklich viel Ohmmm gekostet, aber es hat sich gelohnt erstmal abzuwarten.

Keine Ahnung woran es letztlich lag, ob es die Früchte dessen sind was ich meiner Tochter zu vermitteln versuche oder ob sie einfach intuitiv eine enge Bindung zu der mit Liebe gemachten Puppe aufgebaut hat, Maxi ist einfach IHRE Puppe. Es vergeht nach wie vor kaum ein Tag, an dem sie nicht durch die Gegend getragen wird und in Decken eingeschlagen. Und ich beobachte sie weiter in diesen stillen Momenten und genieße dieses unglaubliche Glück, das sich in mir breit macht!

Von Mittagspausen und Waldorfpuppen

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