Tablette ist nicht gleich Tablette…

Jeder kennt Tabletten, und ich wage mal zu behaupten, das mit Sicherheit jeder, der hier mitliest, schon einmal Tabletten geschluckt hat. Was aber alles an Technik und Rafinesse in Tabletten stecken kann – dsa bekommt man so normalerweise nicht mit. Und darum stellen wir hier in unregelmäßigen Abständen interessante Tabletten vor – den Anfang machen heute diese beiden Kandidaten, die zur selben Spezies gehören:

Tablette ist nicht gleich Tablette…Tablette ist nicht gleich Tablette…

 

Von außen betrachtet recht unscheinbar – die eine walzenförmig, die andere eher so, wie man sich eine normale Tablette vorstellt. Auch eine Aufschrift, wie sie beide tragen, ist nichts besonderes – das haben viele. Was also ist so interessant an diesen beiden? Dazu betrachten wir sie nun erstmal aus anderer Perspektive:

Tablette ist nicht gleich Tablette…Tablette ist nicht gleich Tablette…

 

Hier fällt bei beiden eine Art runde Markierung auf (die Büroklammer links dient nur dazu, damit dieses walzenförmige Ding für’s Photo gefälligst stillhält…)

Bevor wir nun noch einen Schritt weitergehen: Bei diesen Tabletten kann es passieren, dass Patienten, die sie einnehmen müssen (oder im Fall der linken Tablette: die Eltern), nach ein paar Tagen vorbeikommen und behaupten, sie wirken nicht (richtig). Wenn sie nicht in der Apotheke über die Besonderheit dieser Tabletten aufgeklärt wurden – denn: Oft sehen diese Tabletten, wenn sie wieder ausgeschieden werden, noch intakt aus!

Nun kehren wir mal das innerste nach außen – dazu hatte ich neulich die Gelegenheit, als ich die beiden (und jeweils 49 ihrer Geschwister) zur Vernichtung vorgelegt bekam. Bei beiden handelt es sich um Medikamente, die den Betäubungsmitteln zuzuordnen sind – und daher müssen sie, wenn sie z.B. verfallen sind, so vernichtet werden, dass sie nicht wiederverwendet /wiedergewonnen werden können.

So schauen die beiden im Querschnitt aus:

Tablette ist nicht gleich Tablette…Tablette ist nicht gleich Tablette…

 

Den kleinen Punkt/Markierung, den man auf dem zweiten Bilderpaar erkennen kann, ist eine 0,3mm-Laserbohrung. Der ganze Rest der Tablettenummantelung ist zum einen unlöslich im Magen-Darm-Trakt und lässt nach aussen keine Flüssigkeit durch. Sobald diese Tablette im Magen landet, beginnt Flüssigkeit von außen in die Tablette zu dringen – denn der Tablettenmantel ist “semipermeabel“, was soviel bedeutet als dass (in diesem Fall) aus dem Tabletteninneren nichts nach draußen, aber von außen sehr wohl Flüssigkeit hineingelangen kann. Durch die Flüssigkeit quillt zum einen die graue Substanz auf, zum anderen wird die weiße Substanz gelöst. Und an der Laserbohrung – da ist die Hülle durchlässig. Und die konstant quellende graue Substanz (ein Polymergemisch) drückt nun kontinuierlich die selbe Menge gelösten Wirkstoff pro Zeiteinheit durch diese Öffnung – bis zu 10 Stunden lang. Am Ende ist die weiße, arzneistoffhaltige Substanz fast komplett verschwunden, die Tablette ist dann beinahe vollständig durch die gequollene graue Substanz ausgefüllt, und sieht daher von außen fast so aus wie zu Beginn ihrer Fahrt durch’s Magen-Darm-System.

Das ganze funktioniert, wer es genau wissen will, aufgrund Osmose – und daher heisst das System (welches im Übrigen durch die Firma “Alza” entwickelt wurde – im ersten Bild haben wir daher eines der ersten Präparate mit diesem System)  Osmotic Release Oral System oder kurz: OROS.
Und ganz am Rande: Diese Dinger sind verflixt hart. Und daher, wenn sie in der Apotheke wegen Verfalls vernichtet werden müssen, äußerst widerspenstig… “zermörsern” ist absolut unmöglich. Meine Methode mittlerweile: Tabletten zwischen Folie (oder ähnliches) auf den Boden legen und dann munter mit dem Hammer drauf rumklopfen, bis die Dinger total zerbröselt sind …


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