Stella – der Star bin ich!

Stella – der Star bin ich!

Stella von und mit Virginia Heinen (c) Jean-Gros-Abadie

Im Taps-Scala in Straßburg trat Anfang Februar Cie Blicke mit  der Wiederaufnahme von zwei Tanzstücken aus dem Jahre 2006 auf. Virginia Heinen und Enrico Tedde erarbeiteten beide auf gänzlich unterschiedlichen Wegen das ihnen gestellte Generalthema „Der Traum vom Star“.

„Stella“ – der Stern – so ist Virginia Heinens  Arbeit übertitelt, die aufzeigt, welchem Druck sich junge Frauen von heute ausgesetzt sehen, um einem genormten Schönheitsideal zu entsprechen und wie es in der Entwicklung einer Frau überhaupt zu den Träumen vom großen Star kommt. Dafür verwendet sie nicht nur den Tanz als alleiniges Ausdrucksmittel, sondern setzt auch ihre Sprache ein. „Sehr geehrte Damen und Herren, ich möchte Ihnen heute erklären, wie man im Leben etwas wird!“, so lautet ihre kurze und bündige Einleitungsansprache an das Publikum, um dann anschaulich klar zu machen: Brust raus, Bauch rein, Haare blond, Hüfte raus, blöd grinsen und immer schön up to date bleiben, dann ist man / frau auf der sicheren Seite. In einer anschließenden, Schweiß treibenden Madonna-Persiflage, ausgestattet mit Glitzer-Mini-Röckchen, Riesensonnenbrille, blonder Perücke und einem Shirt, bei dem man bis zu ihrem Bauchnabel hinunter blicken kann, unterhält sie die Zuschauerinnen und Zuschauer auf trashige Weise wunderbar. Auch die darauf folgende Erzählung ihres imaginären Lebensweges bleibt ganz im locker, leichten Unterhaltungssegment, frei von jeder ernst zu nehmenden Sinnfrage.  „Merci, merci, merci, danke, danke, danke“ ruft sie nach jeder neuen Etappe bei eingespieltem Applaus ins Publikum. Solange, bis das Klatschen vom Band verstummt. Sichtlich desillusioniert streckt sie nun ihre schmerzenden Beine, malträtiert durch silberne High Heels, unter ihrem Schreibtisch aus, während sie darüber sinniert, dass manches im Leben nur im Traum existiert.

Die darauf folgende Sequenz kann man getrost als „Sternminuten“ des Tanzes bezeichnen. Stellas Gedanken schweifen ab in ihre Kindheit und Jugend. Virginia Heinen übersetzt dabei auf fünf Meter schmalem, rotem Teppich ihre Erinnerungen  vom Kleinkind bis hin zur jungen Frau in eine wunderbar poetische Choreografie. Mit einem kleinen Glitzerdiadem auf dem Kopf wird sie wieder zu jener Prinzessin, die zumindest die meisten Frauen doch alle einmal in ihren Kinderträumen waren. Mit aufgeblasenen Backen und weit aufgerissenen Augen imitiert sie Schwimmbewegungen, tief zu ihren Füßen hinabgebückt knüpft sie mit ausladender Geste ihr erstes Schuhband und unsicher auf einem Bein wackelnd, verliert sie ihr Gleichgewicht, fällt  abrupt hin, um sich danach an ihren Mund zu greifen, in welchem sie beim Sturz einen Zahn verloren hat. Dafür bewegt sie sich in Zeitlupe. Unterstützt durch eine Arie aus Verdis Troubadour, überirdisch schön von Maria Callas gesungen, gelingt es Heinen dabei, das Publikum selbst tief in die eigenen Kindheitsemotionen eintauchen zu lassen. Haben wir nicht alle einmal schwimmen gelernt, waren wir nicht alle stolz auf unsere ersten, alleine gebundenen Schuhbänder und mussten wir nicht alle einmal unsanft vom Fahrrad absteigen? Was hier gezeigt wird, ist Tanz von seiner schönsten Seite. Gerade Momente wie diese, in welchen es um die Darstellung von persönlich Erlebtem und den darin empfundenen Gefühlen geht, zeigen die Stärke der Tänzerin.

Endlich erwachsen geworden und in die Stöckelschuhe ihrer Mutter geschlüpft, sollte das beginnen, was ein Starleben ausmacht. Doch das Gegenteil tritt ein. Eine Musik mit extrahartem Beat schüttelt Stella immer wieder und immer wieder durch, peitscht sie, die sich in diesem schmerzvollen Tanz nun um den roten Teppich bewegen muss, der wenige Augenblicke zuvor gerade noch ihre Prinzessinenheimat dargestellt hat um schließlich, geschlagen vom Leben, beraubt ihrer Träume, am Boden liegen zu bleiben. In Momenten wie diesen gibt es nur eine Möglichkeit, um zu überleben. Es ist das Einfachste und doch für die meisten Menschen das Schwerste im Leben überhaupt. Die Selbstfindung, die sich loslöst von allen Konventionen, von allen Vorschriften und von allen Schönheitsidealen. Die Introspektion, das Erhellen der eigenen Person, ganz aus sich selbst und nicht durch Reize von außen. Was zu Beginn des Abends so schrill begann, endet so intim und berührend, dass man diese beiden äußersten Enden des Stückes, jedes für sich singulär gesehen, nicht miteinander in Verbindung bringen würde. Und gerade deswegen ist Stella so sehenswert. Stella, am Ende nur mit einem hautfärbigen Slip bekleidet, dreht sich zu einer von Cecilia Bartoli gesungenen Barockarie gedankenverloren und völlig in sich versunken so lange um die eigene Achse, bis das Licht völlig verlischt. Aus dem Sternchen ist tatsächlich ein Star geworden. „Merci, merci, merci – danke, danke, danke“ – Virginia Heinen, für diese beeindruckende Vorstellung.

Im Juni ist an der Opéra national du Rhin “Chout”, eine neue Choreografie von Virginia Heinen, in Straßburg zu sehen, welche sie mit dem Ballett der ONR erarbeitet. Näheres unter: ONR.


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