Schnörkellos! Die Entstuckung Berlins

Schnörkellos – Die Entstuckung Berlins (Quelle: Foto Marburg, Hans Georg Hiller von Gaertringen)Das Deutsche Dokumentations­zentrum für Kunstgeschickte – Foto Marburg – zeigt in einer virtuellen Ausstellung Fotografien und Texte aus der Sammlung von Hans Georg Hiller von Gaertringen, der sich am Beispiel Berlins intensiv mit der “Entstuckung”, also dem Beseitigen dekorativer Elemente an Gebäuden der Gründerzeit, beschäftigt hat.

Der Kunsthistoriker erläutert, wie bereits in den 1920er Jahren damit begonnen wurde Wohn- und aus Geschäftshäuser der Gründerzeit vom Stuckdekor zu entfrachten, um den Anschein zu erwecken, es handele sich um Bauten der Moderne. Gliederung von Flächen und Öffnungen verraten jedoch die Herkunft aus dem 19. Jahrhundert, was zu einem irritierenden Widerspruch führt.

Kritik an einheitlich dekorierten Fassaden, zumal diese in großer Zahl das Bild der Städte prägte, kam schon früh auf. Stuck wurde als “unschöpferisch, protzenhaft, handwerklich minderwertig, sozial unethisch und nicht zuletzt hässlich” empfunden. Aus diesem Grund wurden in Zeiten der aufkommenden Moderne zunächst in prominenten Lagen, etwa am Kurfürstendamm oder im Umfeld der Friedrichstraße, erste Vereinfachungen an Fassaden vorgenommen.

Vorreiter der Entstuckung waren Architekten wie Bruno Taut, Erich Mendelsohn, die Brüder Luckhardt oder Martin Punitzer, die in den 1920er Jahren mit der Umgestaltung von Fassaden die oft einzige und deshalb sehr willkommene Möglichkeit sahen, sich im innerstädtischen Kontext zu präsentieren. Auch für die Hauseigentümer ergaben sich Vorteile, da auf den geglätteten Oberflächen nun Werbeinschriften platziert werden konnten.

Besonders in der Zeit nach 1945 wurde Stuck an den – meist als Ruinen erhaltenen – Gründerzeitgebäuden massenhaft und ohne großen Anspruch an die Neugestaltung abgeschlagen. Dies hatte offenbar zwei Gründe: zum einen war es eine Kampfansage an die symbolischen Formen des wilhelminischen Zeitalters, zum anderen aber auch eine Möglichkeit, der vielfach beabsichtigten “Kahlschlagsanierung” entgegenzutreten, indem durch die Anpassung des äußeren Erscheinungsbildes der Charakter moderner Architektur vorgetäuscht werden konnte.

Zur virtuellen Ausstellung im Bildarchiv Foto Marburg


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