Rezi: Überlebensgroß

Rezi: ÜberlebensgroßAutorIn: Mark Watson
Titel: Überlebensgroß
Originaltitel: The Knot
Band: Einzelband, HC
Verlag: Heyne
Genre: Tragikkomödie
ISBN: 978-3-453-43712-8
Erscheinungsjahr: Nov. 2012
Seitenanzahl: 397
Altersempfehlung: ab 16
Kaufpreis: 19,99€
Krümelanzahl: 3
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Erster Satz:

Du bist an einem Samstag bei einer Hochzeit in einer Kirche auf dem Land.
Inhalt:
Dominic hat ales, was man sich wünschen kann: Eine Familie, einen kreativen Beruf und er ist kerngesund. Totzdem erscheint dieses Leben für ihn wie eine mittlschwere Katastrophe. Gebranntmarkt durch seine nie einfache Kindheit, glaubt er, nicht für das Glück bestimmt zu sein. Seine Frau kann ihm nicht die Liebe geben, die er braucht. In seinem Beruf als Hochzeitsfotograf muss er den glücklichen Ehepaaren gratulieren und steht dabei selbst nur im Schatten. Dominic rettet sich in eine Scheinwelt, die von Tag zu Tag schwerer auf ihm lastet und nicht mehr aufrecht erhalten werden kann.


Meine Buchgeschichte: 
Dies ist der zweite Roman von Mark Watson im Deutschen und seit er im Jahr 2012 erschienen ist, dümpelt er bei mir herum. Ich wusste, dass ich mich des Autoren gerne annehmen würde und ich hatte auch den Verdacht, ein tolles Buch vor meiner Nase zu haben. Aber es musste erst die Rebuy Challenge 2014 kommen und mich dazu auffordern, eine Komödie zu lesen. Es war der einzige Roman, der auf mehr als 300 Seiten kam und dennoch versprach, witzig zu sein. Nein, meine 
lieben Leser, "Überlebensgroß" ist defintiv keine Komödie. Aber dazu unten mehr.


Meine Meinung:
Das Cover sagt jetzt nicht schrecklich viel über den Inhalt aus, aber es hat mich auf jeden Fall nicht abgeschreckt. Trotz schlichten Auftretens und fehlender Erhebungen oder ähnlicher Akzente, spricht mich das Hardcover ungemein haptisch an. Das Papier des Umschlags fühlt sich so rau wie recycelte Pappe an. Das ist schon einmal etwas. Während die Gestaltung eins zu eins vom Original übernommen wurde, lautet der Buchtitel ganz anders. Ursprünglich hieß das Buch "The Knot", also der Knoten, und meint die innere Verwirrung und Verstrickung des Protagonisten mit sich selbst. Und genauso verworren präsentiert uns der Autor auch seinen Plot, der eher aus einem roten Knoten denn Faden bestehen müsste. Wir hangeln uns aus Sicht von Dominic Kitchen voran. Mit der Ich-Perspektive konnte ich mich auf kurz oder lang gut anfreunden, sodass mein Lesefluss nicht unterbrochen wurde. Die Absichten des Schriftstellers waren für mich immer gut erkennbar. Ich meinte zu wissen, wohin mich der Weg führen würde, und konnte mich gleichzeitig aber noch von Kurven oder Kreuzungen überraschen lassen. Denn davon birgt "Überlebensgroß" eine ganze Menge. So viele Geheimnisse stecken auf den 400 Seiten, dass ich mich schwer tue, euch richtige Informationen zu geben - aus Angst, ich könnte euch ein Rätsel entschlüsseln oder eine Wendung vorwegnehmen. Daher bleibe ich lieber etwas schwammig und nähre eure Neugierde, anstatt sie mit unsinnigen Spoilern im Keim zu ersticken.


´"Das hat sich mir vom Beginn einer neuen Liebe am meisten enigeprägt:das Gefühl, dass plötzlich alles möglich ist."(S. 145)

Die Charaktere haben mir allesamt gut gefallen. Besonders wichtig für den Roman sind die Familienverhältnisse um den Helden herum. Sein älterer Bruder hat es im schon in der Kindheit sehr schwer gemacht. Auch zum Vater konnte Dominic keinen richtigen Draht finden, was mit einfachen Worten so traurig und dennoch alltäglich erzählt wird. Selbst der Naivität der Mutter konnte ich etwas abgewinnen und nahm ihr die Rolle ab. Seine Schwester hingegen bewunder er enorm. Für ihre Art, das tolle Aussehen und ihr erfolgreiches Leben. An einem Punkt, der sich für mich nicht mehr genau ermitteln lässt, schlägt diese Bewunderung in etwas anderes über. Er betet sie an und stellt sie auf ein überlebensgroßes Podest. Seine Zuneigung zu ihr wird stärker und der Leser hält unvermittelt inne .. denkt über das Tabu der Gesellschaft nach. Aber dies bleibt kein vorrangiges Thema, sondern plätschert nur nebenher. Der Blickpunkt wird schnell auf etwas anderes gerichtet, weniger abschreckendes, nur um danach wieder zu einem neuen Inhalt zu finden. Und so setzt sich das Wechselbad der Gefühle und weltbewegenden Themen fort. Man könnte meinen, Mark Watson würde kaum einen Stoff aussparen, der Anlass zu Gesprächen bietet. Von dem Alltäglichem wie Freundschaft, Liebe und Familie bis hin zu ernsteren Tönen über Alzheimer oder Domincs Kindheit in den 60er Jahren. Dabei nutzt Watson eine tolle Sprache, die über diese Schwachstelle gut hinwegtäusche kann. An manchen Stellen wirkt seine Wortwahl richtig pathetisch, dann wieder überhäuft er den Leser mit knappen und prägnanten Sätzen, die mehr als treffend sind. Sie treffen nicht nur auf die Situation zu, sondern treffen mich auch direkt im Geist. Was hier niedergeschrieben wurde, sitzt einfach und bedarft keiner Korrektur mehr.
Grundsätzlich habe ich mir Dominics Geschichte etwas unterhaltsamer, will heißen witziger vorgestellt. Dies ist mein erster Roman von Mark Watson, doch dem Autor geht ein gewisser Ruf vorraus und der klingt nach viel Humor. Vermutlich ist das Lustige in seinem ersten Buch zum Zuge gekommen und ich halte hier die etwas depressivere Variante in den Händen. Doch trotz der negativen Grundstimmung konnten mich immer wieder hellere Passagen und durchaus spritzige Dialoge mitreißen. Keine zum Lachen bringende Komödie, aber eine gelungene Tragikkomödie!
Mein Fazit:

Ein Roman, der dem Leser eine schilernde Rundreise durch die Themen des Lebens bietet. Tragisch, komisch, also einfach realistisch konnten mich Watsons Worte erreichen. Ich vergebe

~ 4 Krümel ~
Jimmy


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