[Rezension] Bitterzart

[Rezension] Bitterzart

Bewertung[Rezension] BitterzartInhalt

New York, 2083: Wasser und Papier sind Mangelware, Kaffee und Schokolade illegal. In dieser Welt lebt Anya Balanchine, Tochter des verstorbenen Clanoberhaupts. Seit dem Tod ihres Vaters hat Anya dem Familiengeschäft den Rücken gekehrt und möchte nie wieder mit dem illegalen Schokoladenhandel der Familie konfrontiert werden. Ihr einziges Ziel ist es, ihren großen Bruder und ihre kleine Schwester vor den Gefahren der Schokoladenmafia zu schützen.
Doch eines Tages gerät Anya doch ins Visier der Staatsanwaltschaft. Anya ist die Person, die ihren Exfreund das letzte Mal gesehen hat, bevor er an einem vergifteten Schokoladenriegel beinahe gestorben wäre.

Meinung

Vom Verlag wird der Auftakt der Birthright-Trilogie als ‘einzigartig’ angepriesen. Mit dem Werbespruch werden natürlich schon enorm hohe Erwartungen geschürt. Mir hat ‘Bitterzart’ insgesamt gut gefallen, doch wurden meine Vorstellungen nicht ganz erfüllt.

Auf Goodreads wird der Auftakt der Reihe in das Genre ‘Dystopie’ eingeordnet und auf genau diese Romanart habe ich mich vor dem Lesen eingestellt. Bis zum Schluss aber kamen mir die dystopischen Elemente viel zu kurz. Nur am Rande und durch schnell abgehandelte Erwähnungen erfährt der Leser etwas über das Leben im Jahr 2083. Wie schon der Klappentext verrät, sind Luxusgüter wie Wasser und Papier sehr knapp. Die Bewohner New Yorks müssen penibel darauf achten, wie viel Wasser sie beim Kochen oder Waschen verwenden. Bücher, wie wir sie tagtäglich verwenden, sind im Leben der Protagonistin Mangelware. Im Jahr 2083 hat das digitale Leben überhandgenommen.
Viel mehr erfahren wir allerdings nicht über das zukünftige Leben, wie es die Autorin erschaffen hat. Für mich war diese knappe Einführung sehr enttäuschend. Immer wieder habe ich beim Lesen aus den Augen verloren, dass es sich bei dieser Geschichte tatsächlich um eine Dystopie handeln soll. Als Leser erfährt man kaum etwas über den Wandel der gesellschaftlichen Umstände. Vielleicht oder vielmehr hoffentlich wird das in den Nachfolgerbänden noch nachgeholt.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht ganz klar der Handel von Kaffee und Schokolade. Denn diese Luxusartikel sind in Anyas Welt illegal. Besonders spannend wird die Geschichte aber erst durch Anyas Rolle. Denn sie ist die Tochter des verstorbenen Oberhaupts des Balanchine Clans, der berüchtigt für seine Schokoladenherstellung ist.
Anya lebt gemeinsam mit ihren beiden Geschwistern und ihrer im Sterben liegenden Großmutter in einem Appartement und hat noch immer unter der Vergangenheit ihres Vaters zu leiden. Im Gegensatz zu ihm wendet sich Anya jedoch vollständig von den Machenschaften des Clans ab. Anya ist es wichtig, ihre Geschwister zu beschützen und sie nicht den Gefahren, die die Mafiawelt mit sich bringt, auszusetzen. Wie die Protagonistin selbst ist man als Leser im Schokoladenhandel zunächst nur Teilnehmer am Rande, bis Anya aufgrund vergifteter Schokoladenware, die plötzlich im Umlauf ist, ins Visier der Staatsanwaltschaft New Yorks gerät.
An dieser Stelle setzt auch der zweite überaus gelungene Handlungsstrang ein. Zu Beginn des Schuljahres lernt Anya ihren neuen Mitschüler Win kennen. Win ist der einzige Sohn des stellvertretenden Staatsanwaltes und scheint so gar nicht in die Welt von Anya zu passen. Genau genommen soll er das auch gar nicht, denn Wins Vater macht Anya sehr schnell klar, dass sie der falsche Umgang für Win sei.

Was sich vielleicht zunächst sehr spannend anhört und auf eine rasante Handlung hoffen lässt, erweist sich in ‘Bitterzart’ leider als etwas langwierig. Es vergehen einige Kapitel, bis die wendungsreiche Mafiahandlung an Fahrt aufnimmt. ‘Bitterzart’ merkt die typischen Reihenauftaktlängen deutlich an. Gabrielle Zevin legt nämlich viel Wert darauf, den Leser langsam in die Geschichte einzuführen. Wir erfahren, was Anya in ihrer Freizeit macht, wer ihre Freunde sind oder aber wo sie zur Schule geht. Immer wieder habe ich mir gewünscht, dass die Autorin mit solch belanglosen Informationen über die Protagonistin hinter dem Zaun gehalten hätte, denn so hat sich ‘Bitterzart’ bisweilen leider nur wie ein typisches Teenie Drama gelesen.
Auch die Beziehung zwischen Anya und Win benötigt Zeit, um zu überzeugen. Die Handlung erinnert immer wieder an die Geschichte von Romeo und Julia, doch fehlt ihr an vielen Stellen Romantik und Emotionen. Das liegt aber vor allem an der Protagonistin.

Mit Anya wurde ich bis kurz vor Schluss einfach nicht warm. Zwar habe ich mich immer wieder dabei erwischt, wie mich die Vergangenheit der Protagonistin berührt hat und auch die liebevolle Beziehung zwischen Anya und ihren Geschwistern rückt die Protagonistin in ein positives Licht. Doch ihre durchaus positiven Eigenschaften ließen mich nicht über ihr zum Teil trotziges und egoistisches Verhalten hinwegsehen. Man mag meinen, dass Anya eine der aufopferungsvollsten Figuren im Jugendbuch ist, wo sie doch ihre eigene Zukunft aufgibt, um ihren Geschwistern ein sicheres Leben zu schenken. All das habe ich ihr auch hoch angerechnet. Allerdings hat es mich gestört, dass Anya sich selbst bemitleidet, ihre schlechte Laune an ihren Mitmenschen auslässt und bisweilen denkt, sie sei der Nabel der Welt.
Win sorgt neben der sehr gewöhnungsbedürftigen Art von Anya immer wieder für angenehme Abwechslung. Denn er ist das genaue Gegenteil. Obwohl auch Win in seinem kurzen Leben schon einige Traumata erlebt hat, geht er mit ihnen vollkommen anders um als Anya. Er ist trotz des Erlebten noch immer ein lebensfroher Mensch und darüber hinaus mitfühlend und umsichtig. Wins Auftritte haben mich zum Lächeln gebracht.

Neben der Mafiageschichte ist mir der Schreibstil von Gabrielle Zevin besonders in Erinnerung geblieben. Die gesamte Geschichte liest sich sehr flott, was vor allem an Erzählperspektive liegt. Die Geschichte wird nicht nur von der Protagonistin geschildert, an manchen Stellen scheint es beinahe so, als würde Anya dem Leser gegenüber sitzen und ihm ihre Geschichte persönlich erzählen.

Blick in die Zukunft

‘Bitterzart’ ist der erste Band einer Trilogie. Teil zwei wird unter dem Namen ‘Edelherb‘ am 23. Oktober 2013 auf Deutsch erscheinen. Im selben Monat wird der dritte Band, ‘In the Age of Love und Chocolate‘, auf Englisch erscheinen.

Fazit

Auch, wenn die von mir erwartete dystopische Handlung in ‘Bitterzart’ kaum thematisiert wird, hat Gabrielle Zevin mit ihrem Reihenauftakt ein sehr kurzweiliges Erlebnis geschaffen, dass mich immer wieder fesseln konnte. Ab und zu ebbt die Spannung aber immer wieder ab und auch die Protagonistin Anya hat es mir mit ihrem komplizierten Wesen nicht immer leicht gemacht. Die Mafiageschichte und die Beziehung zwischen Anya und Win haben aber ihren Reiz und Potenzial für einen gelungenen zweiten Band, auf den ich mich sehr freue.

Alle Bücher von Gabrielle Zevin

auf Deutsch
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Leseprobe

[Rezension] Bitterzart

 


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