Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs: Auf in den Kampf!

Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs: Auf in den Kampf!Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs
„Viscerals“
(Rocket Recordings)
Gerade mal wieder (man hat ja die Zeit) einen alten Zeitungsartikel hervorgekramt, der auf das Netzportal Openculture verweist. Dort hatte man vor fünf Jahren eine Liste des russischen (sorry: sowjetischen) Parteinachwuchses Komsomol ausfindig gemacht, auf der zu Zeiten des Kalten Krieges Mitte der 80er eine größere Anzahl westlicher Musiker und Bands landeten, die der Moral eines hoffnungsvollen Jungkommunisten auf das gröbste abträglich waren, sie also auf gefährliche Weise untergruben. Beim Studium der genannten Kandidaten und der aufgeführten Gründe kann man sich aus heutiger Sicht ein Lächeln nicht verkneifen – schließlich werden unter dem Stichwort Neofaschismus Namen wie Julio Iglesias, AC/DC, die Sparks und KISS aufsummiert, Gewalt und Punk in Personalunion evozieren dagegen Black Sabbath, die Scorpions, Depeche Mode, Yazoo und selbst die Village People werden der Aufstachelung zum Ungehorsam geziehen. In das ehrliche Mitleid mit dem gemaßregelten Jungvolk (und zwar in jeglicher Hinsicht) mischt sich da die bange Frage, wie denn die Kaderschmiede wohl reagiert hätte, wären die 7Pigs aus Newcastle schon damals auf dem Markt gewesen. Weil diese erst 2017 mit ihrem Debüt „Feed The Rats“ auf dem Radar auftauchten, bleibt ihnen die Verurteilung durch die übereifrigen Genossen zwar erspart, gleichwohl wären sie ein paar Jahrzehnte früher mit den zehn aktuellen Songs von „Viscerals“ sicher unter einen mördermäßigen Bann gefallen.

Denn viel brachialer und blutiger kann man seine Kundschaft kaum angehen – tonnenschwere Riffs werden da in großer Menge herangewuchtet, die Drums rumpeln wunderbar analog und Sänger Matt Baty malträtiert seine Stimmbänder über die komplette Spiellänge auf gefährlichste Weise. Auf der Bandcamp-Seite der Briten ist übrigens ein schönes Zitat des irischen Dramatikers George Bernard Shaw vermerkt, der gesagt haben soll: „I learned long ago, never to wrestle with a pig – you get dirty, and besides, the pig likes it.“ Von den fünf Herren ist zu hören, dass sie Dreck, Schweiß und Körperkontakt ganz gewiss nicht scheuen, ihre Live-Konzerte sollen (ein Jammer, das in diesen Zeiten so hinzuschreiben) legendär sein. Stilistisch ist das Ganze schwer einzuordnen, wäre der Begriff des Hardrock nicht durch ein paar der oben genannten Truppen auf ewig diskreditiert, könnte man ihn im wortwörtlichen Sinne sogar verwenden – hart definitiv, mal Metal, mal Prog, mal Stoner, mal Punk, irgendwo dazwischen. Dass es trotz Titeln wie „Crazy In Blood“ und „Blood And Butter“ nicht nur um Körpersäfte geht, ist auch klar, „Rubbernecker“ beispielsweise beschäftigt sich mit der Verzweiflung ob des erodierenden Gemeinschaftsgefühls unserer Gesellschaft aus der Sicht eines traurigen Clowns, „New Body“ schildert körperliche Grenzerfahrung und ist zugleich eine solche, ebenso wie das neunminütige „Halloween Bolson“. Auf in den Kampf!

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