People: Interview mit dem Maler Jasper Jaspersen

Wir hatten die Gelegenheit, den spannenden Hamburger Maler Jasper Jaspersen zu interviewen. Er beantwortet uns Fragen zu seiner Malerei, seiner zweiten Tätigkeit als Nervenarzt, zur Kunst und zu den Menschen.

CHASED: Warum ist die Malerei für dich das Medium, durch das du dich am besten ausdrücken kannst?
J.J.: Ich bin mit Malerei und bildender Kunst quasi aufgewachsen. Meine Mutter war Malerin, meine Eltern hatten eine große Kunstsammlung von Dürer bis zu modernen, damals verpönten Malern. Wir kannten sehr viele Maler mit ihren Familien, die bei uns ein- und ausgingen. Mein Vater hat immer gesagt: Malerei ist die Königsdisziplin der bildenden Kunst.

CHASED: Im Moment machst du hauptsächlich Handzeichnungen …
Schwarz-weiße Handzeichnungen sind für mich eine Ausdrucksform, bei der sich mit ganz einfachen Mitteln die größte Wirkung erzielen lässt. Der Zeichner braucht kein Atelier, nur wenig Zeit, das Material ist billig und schnell zur Hand, der Platzraum für die fertige Kunst ist bescheiden. Am stärksten hat es mir die sogenannte „Minimal Art“ angetan, die mit dem geringsten Aufwand den stärksten Ausdruck herzustellen versucht.

CHASED: Erzähle uns ein paar Worte zu deinen plastischen Werken und den besonderen Materialien, die du dafür verwendest.
J.J.: In der modernen Malerei, so scheint es, hat die Kunst sämtliche Ausdrucksmöglichkeiten probiert und fortentwickelt, z.B. im Kubismus, Expressionismus, Konstruktivismus usw. Nur eine Seite ist wenig benutzt worden, nämlich die Ausdehnung der Malerei in die dritte Dimension. Mich hat dieses Thema immer besonders gereizt, weil die Bildoberfläche mit ihrer plastischen Gestaltung Farb- und Formwirkung steigern oder ersetzen kann. Das Bild wird lebendig durch Veränderung der Blickrichtung, Lichtwirkung und Beleuchtung. Anfangs habe ich mit einer plastischen Masse gearbeitet, die ich aus Zellulose, Leim und Holzresten hergestellt habe (z.B. in einem großen Bottich mit Zementmischmaschinen). Heute gibt es solche Modelliermassen fertig in Malergeschäften zu kaufen. Diese Modelliermassen habe ich meist auf die Hinterseite eines dicken Zeichenkartons aufgedrückt, der vorher von mir nach einem bestimmten System zerschnitten und strukturiert wurde. Diesen Karton, mit der darunter liegenden Modelliermasse, habe ich dann auf verschiedene Trägersubstanzen, wie z.B. Holzplatten, derbe Leinwand, Drahtgeflecht usw. aufgebracht. Die große Haltbarkeit und Stabilität solcher Modelliermassen kann man z.B. im Ludwigsluster Schloss bewundern. Obwohl jene bereits im 18. Jahrhundert auf diese Weise hergestellt wurden, wirken sie auch heute noch frisch und lebendig.

CHASED: Inwieweit fließt deine Ausbildung als Nervenarzt in deine Kunst mit ein?
J.J.: Diese Frage ist wirklich schwer zu beantworten … Meiner Meinung nach haben Kunst und Seelenkunde eines gemeinsam: aus den verschiedenen Erscheinungen in der Realität wie Sprache, Mimik, Gestik, Mode, ästhetische Umgebungsgestaltung kommt es sowohl dem Künstler als auch z.B. dem Psychiater darauf an, hinter diesen Erscheinungen die Ursprungsquelle zu entdecken (siehe z.B. das Höhlengleichnis von Plato in seiner Ideenphilosophie).

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CHASED: Du liebst Menschen und bist von ihnen fasziniert und ergründest ihren tiefsten Kern, was man in deiner Berufswahl und auch in deiner Kunst, besonders in den Aktbildern, deutlich sieht. Was fasziniert dich so an Menschen?
J.J.: Mich fasziniert, dass der Mensch eine so weitgehende Projektion der Realitäten in sich aufbauen kann. Das gilt nicht nur für den Menschen, sondern auch für die anderen Lebensformen. Die Schöpfung hat uns ermöglicht einen großen Teil des Kosmos in uns auferstehen zu lassen. Der Mensch hat mit seiner Kulturentwicklung das bis dahin alleingültige System der Evolution im Sinne Darwins praktisch außer Kraft gesetzt (Wirkung der zunehmenden Erkenntnisse?). Wurde er deshalb vielleicht aus dem Paradies vertrieben?

CHASED: An welche deiner bisherigen Ausstellungen hast du besonders gute Erinnerungen?
J.J.: Die Ausstellung, an die ich mich am liebsten erinnere, war meine allererste im Jahr 1959. Ich war damals wohl ziemlich naiv, als ich meine besten Zeichnungen in eine große Mappe packte und mich damit in die Kunsthalle begab. Meine Frage: „Ist der Herr Direktor zu sprechen?“ wurde nach einem kurzen Telefongespräch positiv beantwortet. Ich zeigte meine Blätter und bekam ein großzügiges Hilfsangebot. Der Ausstellungsort wurde durch ein Telefonat mit dem Amerikahaus erledigt, Rahmen und Passepartouts stellte die Kunsthalle und ich konnte immerhin an die hundert Arbeiten präsentieren. Das Echo in den Zeitungen war umfangreich und positiv. Leider ging es nicht so weiter, denn ein paar Tage später musste ich mich bei meiner ersten Stelle als Medizinalassistent vorstellen und mein medizinischer Beruf fraß dann alle Möglichkeiten zur weiteren Beschäftigung mit der Kunst zunächst auf.

CHASED: Wie siehst du die Rolle des Künstlers in der heutigen Gesellschaft in Deutschland?
J.J.: Die Wirkung des Künstlers auf die zeitgenössische Gesellschaft ist gering, denn der Künstler spricht in einer Sprache, die von den Zeitgenossen gewöhnlich unverstanden ist.Die Kunst ist wie eine Uhr, die ständig ein bis drei Generationen nachgeht, sodass der Künstler für zukünftige Generationen schafft und diesen die Probleme seiner persönlichen Zeitgenossen erklärt. Natürlich haben auch Künstler versucht in die aktuellen Probleme der Gesellschaft mit einzugreifen, ein großer Erfolg ist ihnen aber wohl kaum jemals gelungen.


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