Neuerscheinung Roman „fremgefabelt“

Kaffee schwarz oder extra?

Die Café-Besitzerin Tinka versucht sich als Bloggerin. Während ihre ‹Kafi-extra› Kunden zur ‹Sprechstunde› am Espresso nippen, erzählen sie aus ihrem Leben und lassen die eigene Geschichte von Tinka umschreiben. Am nächsten Tag wird die koffeingestärkte Blogstory veröffentlicht – anonym und völlig neu verpackt. Nicht jeder Kunde ist mit dem Resultat zufrieden …

Ein erfrischend originelles Lesevergnügen, das dem Leser einige Rätsel aufgibt.  Denn im CAFÉ VINTAGE & CAKE ist nichts, wie es scheint.

Auszug aus Leseprobe:

Erstaunlich, wie eine Stimme den ganzen Raum füllen kann.

Der Mann, der in der hintersten Ecke an der Fensterfront sitzt, redet seit zwanzig Minuten aufgebracht in sein Mobiltelefon. Er ist eher altmodisch gekleidet, der Schal ist immer noch um seinen Hals gewickelt.

Ich habe ihn noch nie zuvor gesehen, da bin ich mir sicher, Gesichter kann ich mir merken. Die anderen Gäste sind alle gegangen, die meisten meiner Kunden wissen, dass ich nach achtzehn Uhr schliesse. Mein letzter Gast aber scheint komplett vergessen zu haben, dass eine Kaffeetasse neben ihm bereit steht. Er sitzt da, als ob er sich in seinem eigenen Wohnzimmer befände.

Während ich mit Hingabe Geschirr abtrockne, lausche ich seinen Worten. Meist spricht er klar und deutlich, dazwischen brummt er irgendwas und platziert Schimpfwörter, sodass ich mir aus den Bruchstücken eine Unterhaltung zusammenreimen kann. Es ist spannend, was er da erzählt. Zoff mit den Nachbarn hat er. Im Grunde nichts Weltbewegendes. Das ist es nicht, was meine Neugier weckt. Schliesslich habe ich schon vielen Gästen beim Telefonieren zugehört, doch der Mann macht den Eindruck, als spreche er lediglich mit seinem Handy – ohne einen Gesprächspartner am anderen Ende. Die reinste Buchstabensuppe, die sich da aus seinem Mund ergiesst. Ich frage mich, wie lange dieser Monolog noch dauern wird und schaue auf meine Uhr. Am liebsten würde ich mich zu ihm hinsetzen und ihn trösten. Ist ja gut, mein Lieber, ist ja gut.

Unschlüssig kaue ich auf meiner Unterlippe herum und überlege, ob ich es wagen soll. Die Lösung für sein Problem spuckt bereits in meinem Kopf herum. Das passiert mir immer, wenn ich Fremde belausche: Es inspiriert mich, Geschichten zu schreiben.

Kurzentschlossen setze ich mich zu meinem Gast und schaue ihn auffordernd an. Erstaunt bricht er sein Gespräch ab, legt sein Handy auf den Tisch und blickt mir direkt in die Augen. Nicht schuldbewusst, nicht genervt. Nur fragend. Aus der Nähe scheint sein Gesicht älter, ich bemerke viele kleine Fältchen, seine Augen sind müde.

«Was ist? Schliessen Sie?», fragt er, macht aber keine Anstalten, sich zu erheben.

«Nein. Erzählen Sie.»

«Was denn?»

«Was Sie gerade dem Telefon erzählt haben. Sie haben mich auf eine Idee gebracht – ich suche Stoff für Blogstorys, die ich auf meiner Homepage publiziere.»

«Aha.»

«Noch einen Kaffee dazu? Geht aufs Haus.»

Und so fing es an. An einem ganz normalen Mittwoch-Nachmittag im März. Noch am selben Abend begann ich seine Geschichte umzuschreiben. Den Anfang übernahm ich wortwörtlich. Doch dann entwickelten die Buchstaben eine verwegene Eigendynamik und der Plot steuerte in eine ganz andere Richtung. Vielleicht würde die fingierte Story dem Mann helfen, die Ursache seines Ärgers aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Vielleicht aber auch nicht …

Folgender Text ist koffeinhaltig. Frisch gemahlen aus dem Leben eines Kaffeetrinkers:

Blogstory Nachbarintrigen

Die Sägessers, unsere Nachbarn, wandern aus.

Nach Singapur oder Shanghai, hab‘s wieder vergessen. Jedenfalls Richtung Sonnenaufgang. Anscheinend ein spezieller Ausland-Vertrag mit allem Drum und Dran – was immer das heissen mag. Management-Job, internationale Firma, alles top, das ganze Paket. Vor einem Monat klingelten sie an unserer Haustüre, der Freddy und die Silvie. Da standen sie stramm, strahlten uns stolz an und bombardierten uns mit ihren Neuigkeiten, als ob …

© 2016 boox-verlag (Auszug aus Kapitel 2, Nachbarintrigen)

 Mit ihrer Fabulierkunst schafft es Kiara Kern, den Leser auf eine vergnügliche Reise voller Überraschungen zu schicken. Ihre Figuren sind manchmal witzig, selbstironisch, charmant und oft auch ziemlich schräg. Ein unkonventioneller Roman mit verstecktem Tiefgang.

fremdgefabelt – von Kiara Kern / boox verlag. Ab April 2017 im Buchhandel.

Zu bestellen in jeder Online-Buchhandlung wie Orell Fuessli etc.

ISBN978-3-906037-28-8 (Taschenbuch)   ISBN978-3-906037-29-5 (epub)


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