Na, was isst er denn?

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Bildquelle Axel Löwenstein

Unseren heutigen Gastbeitrag hat Axel Löwenstein geschrieben. Axel Löwenstein ist 44 Jahre alt und lebt mit seiner Frau und Hund Horton “in einer nahezu perfekten Symbiose” in der Nähe von Hamburg. Schreiben ist eins seiner liebsten Hobbys und er nennt sich selber den Blogger ohne Blog. Dafür sammelt er auf BolglosGlücklich die Beiträge, die er für andere schreibt. Seit kurzem hat er eine tolle Kolumne bei Iss`n Rüde, die sich “Frei Schnauze – Geschichten mit Biss” nennt. Den Biss haben seine Geschichten in der Tat … Lies selber:

Na, was isst er denn?

Eigentlich ist es ja eine Selbstverständlichkeit, dass man seinem haarigen Kumpel ausreichend Nahrung zu Verfügung stellt, aber kennt ihr den kürzesten Hundewitz? „Ich geh mal schnell Hundefutter kaufen.“

Ein völlig undurchdringbarer Dschungel tut sich da vor einem auf. Allein bei Google über eine Million Suchergebnisse in 0,25 Sekunden. Da prallen Welten aufeinander. Füttern Sie bitte niemals Nassfutter, sonst wird Struppi blöd, aber auf keinen Fall trocken, sonst wird Struppi noch blöder. Aha, Danke!

Vom Delikatessen-Happen aus Meisterhand (wahrscheinlich kocht der selbst vor Ort bei dem Preis), geht es hin bis zum veganen Dessert für sensible, aber nicht kastrierte Rüden. Wer soll da den Überblick behalten?

Auf in den Kampf

Meine Frau und ich schlendern also zu „Fress-Futter“ und kommen uns so ein wenig vor wie Hensel und Gretel im Wald. Der Laden ist so groß, der hat ein eigenes Gravitationsfeld, wahrscheinlich ist das sogar ein eigener Staat. Wir sehen Artikel, von denen ich niemals gedacht hätte, dass die für Hunde sein könnten. Jäckchen, Schühchen und diverse andere – na sagen wir mal – interessante Accessoires. Alle Artikel sind in unzähligen Farbvarianten vorhanden. Manche angeblich in Pastellfarben, behauptet meine Frau. Männer können keine Pastellfarben sehen! Ist wohl genetisch bedingt.

essen

Bildquelle Melanie Löwenstein

Endlich. Hundefutter.

Ein eloquenter Verkäufer fängt uns ab und fragt nach unseren Wünschen. Ich mache es kurz und gebe ihm einen eindeutigen Auftrag: „Wir haben einen Hund, der hat Hunger. Fang an!“

Wie naiv von mir. Der Salesmanager (stand auf seinem Schild, ich hätte ja Verkäufer gesagt) rollt seinen Fragen-Katalog aus und beginnt sofort mit dem Verhör. Größe, Farbe, Form, Haarlänge, Augenfarbe, Sternzeichen, Pfotengröße, politische Ausrichtung, sexuelle Vorlieben, Herkunft, Eltern…

Ich sehe mich vorsichtig um, weil ich befürchte, dass wir gleich gepackt werden und man unsere Köpfe so lange unter Wasser drückt, bis wir endlich ausspucken, was der Sales-Manager alles wissen will.

Der spinnt wohl

Ich werde langsam ungeduldig und unterbreche den Powerseller barsch. „Passen Sie mal auf, wir mögen unseren Hund eigentlich ganz gerne und wollen einfach das beste Futter, das man für Geld kriegen kann.“ Sein hart antrainiertes Dauerlächeln weicht schlagartig einem diabolischen Grinsen und er führt uns vor ein goldbeschlagenes, zweiflügeliges Portal. Hier reicht er uns mit einer bedeutungsvollen Geste zwei Schutzbrillen, die wir leicht verunsichert aufsetzen. Unter dem Klang einer Fanfare stößt er jetzt plötzlich das Portal auf und wir stehen in gleißendem Licht.

„Willkommen in unserem Premiumfutter-Bereich!“, … jauchzt der Marketender euphorisch und reibt sich dabei die Hände.

Durch die Brille kann ich die Preisschilder nur schwer entziffern, aber was ich da lese kann nicht stimmen. Das wäre ja Wahnsinn, solche Preise zu verlangen. Für Hundefutter.

Doch doch, der Wahnsinn ist real und der Verkäufer redet weiter auf uns ein, als sei er Mitglied der Futtermittel-Scientology. „Sie müssen bei diesem Preis aber bedenken, dass Sie wesentlich weniger Futter brauchen, mein Herr.“, säuselt er. „Ich kauf mir jetzt also einen S-Klasse-Mercedes, weil der weniger verbraucht als mein alter Fiat Panda?“, frage ich irritiert zurück. Er nickt zufrieden, weil ihn endlich jemand verstanden hat.

Ein Neuanfang

Wir machen dem finsteren Fürst der Futtermittel klar, dass wir diesen Preis nicht zahlen werden und verschwinden damit sofort von seinem Radar. Gnädigerweise schickt er uns seine Assistentin (stand auch auf dem Schild). Eine kleine mollige Frohnatur mit geröteten Wangen. Eine, die man gleich mal zur Begrüßung drücken möchte. Bei ihr fühlen wir uns deutlich wohler.

„Seien wir mal ehrlich“, sagt sie, „egal was Sie Ihrem Hund aus unserem Sortiment anbieten, er wird davon nicht gleich sterben.“ Oh, das beruhigt mich.“, werfe ich ein und möchte sie direkt schon wieder drücken. Bei aller Ungeduld kommen wir aber auch hier nicht an ein paar Fragen vorbei.

Das passende Futter auszuwählen ist schwieriger, als die richtige Frau zu finden. Nur gut, dass ich meine schon habe. Wir entscheiden uns gemeinsam für ein mittelpreisiges Trockenfutter. Gar nicht mal weil wir davon restlos überzeugt sind, sondern eher um etwas Zeit zu gewinnen und weil ich endlich aus diesem Konsumtempel raus will.

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Bildquelle Melanie Löwenstein

Ein Blick zurück

In Situationen, wo es um die Auswahl von neumodischen Trends geht, die für mich nicht wirklich überschaubar sind, frage ich mich immer, was meine Oma wohl machen würde. Sie ist mit 86 Jahren noch immer schlank und topfit, scheint also einiges richtig gemacht zu haben. Oma hatte immer Hunde, die bis ins hohe Alter ebenfalls kerngesund und vital waren.

Kurzerhand rufe ich sie an, was wirklich ein Spaß für die gesamte Nachbarschaft ist, denn Omas Hörgerät und ihr schnurloses Telefon produzieren merkwürdige Geräusche, die man einfach überschreien muss, wenn man gehört werden will. Das nennt man in Geheimdienstkreisen vermutlich „analoges Abhören.“

Ich konfrontiere meine Oma mit den neuesten Trends auf dem Futtermittelmarkt und warte geduldig bis sie nach dem Lachanfall wieder zu Atem kommt. Besonders schön fand ich ihren Kommentar zu veganem Hundefutter: „Wenn die Tiere züchten, die vegan sind, könnte das funktionieren!“ Manchmal ist Oma ein böses Mädchen.

Hunde bekommen Hundesachen, ganz einfach

Ihre Beschreibung über das Futter, dass sie verabreicht ist ziemlich roh. Im wahrsten Sinne des Wortes, denn Oma verfüttert fast ausschließlich rohe Nahrungsmittel. Dabei sind auch Sachen, von denen ich gar nicht wusste, dass die in Tieren drin sind. Aber ihre Hunde lieben z.B. rohen Pansen. Der Schlachter des Vertrauens hat immer „Restprodukte“ im Angebot, die von den meisten Menschen verschmäht werden, aber den lukullischen Hundehimmel bedeuten können. Als meine Oma anfing Hunde zu halten, gab es weder „Fress-Futter“-Märkte, geschweige denn Trockenfutter in dieser irren Auswahl. Gefehlt hat es ihr nicht.

Moment mal, dass kommt mir doch irgendwie bekannt vor. Spricht meine Oma da nicht eigentlich vom Barfen? Wohl doch kein sonderlich neuer Trend. Ich dachte ja immer B.A.R.F. ist eine Abkürzung, die Hunde benutzen, wenn sie mit dem Futter unzufrieden sind.

B.itte A.lter, R.ichtiges F.utter!

Aber in Wahrheit geht es wohl ganz einfach um den pragmatischen Ansatz, dass man seinen Hund möglichst so ernährt, wie es die Natur für ihn vorgesehen hat. Klingt logisch, findet meine Oma auch.

Und nun?

Wir werden jetzt ganz intensiv zum Thema „Hundefutter“ nachforschen und dabei einfach mal die Perspektive wechseln. Die Werbung für Tierfutter ist für Menschen gemacht, aber die essen das Zeug in den meisten Fällen nicht. Die Frage für uns lautet, was ist am besten für unseren Hund? Eine weiter Weg, den es sich zu gehen lohnt, wenn wir dafür lange Freude an unserem Racker haben.

Die Perspektive wechseln wir auch, indem wir einfach mal bewusst schauen, was aus dem Hund wieder herauskommt. Menge und Konsistenz sagen da schon einiges über die Verwertung des Futters aus. Ja genau, nicht an der langen Leine pfeifend in eine andere Richtung schauen und so tun als würde man nicht bemerken, dass der eigene Hund einen Haufen macht. Tüte raus und einsammeln! Freut auch den Grundstücksbesitzer.

Und, was isst deiner?

Wenn du noch mehr von Axel lesen möchtest, schau vorbei auf Iss´`n Rüde, dort erscheint seine regelmässige Kolumne “Frei Schnauze – Geschichten mit Biss”.

Wir hoffen, dieser Beitrag hat dir gefallen und sagen bis zum nächsten mal.

Bis dahin wünschen wir dir und deinem Hund eine schöne Zeit, macht es gut …

Herzliche Pfotengrüße

Lucy und Anke


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