Melodie

Vor mir liegt der weite Ozean. Die Wellen rauschen. Langsam, ruhig.

Vor und zurück.

In die See hinaus und wieder an den Strand, direkt vor meine Stiefel.

Ich sehe zum Horizont, zur Sonne, die langsam, golden und rot in den Wellen versinkt. Ihr verlöschendes Licht ein Echo des Tages.

In der Ferne spielt eine Flöte. Ich höre sie deutlich. Die sanften Klänge haben mich hier her geführt und so folge ich ihnen weiter, bis zu einem Felsen, der in den Wellen sitzt. Von Wasser umspült und nur durch Vorsicht erreichbar.

Dort sitzt ein Junge, in einfacher Kleidung und im Schneidersitz. Er hat die Augen geschlossen und an seine Lippen hält er das Instrument, dessen Klang ich gefolgt bin.

Ich weiß nicht, ob er mich bemerkt hat. Sein Spiel wird sanfter, ruhiger, leiser. Die Melodie ist wie das Rauschen der Brandung, versinkt in den Wellen, die sie forttragen.

Der Junge setzt die Flöte ab und schaut sich um. Er steht auf, lächelt breit und winkt mir zu, als wären wir alte Freunde. Er sagt etwas, doch kann ich ihn von hier nicht hören. Ich sehen nur die Worte, die seine Lippen formen und kann sie nicht deuten. Und doch berühren sie mich. Tief in meinem Selbst.

Ich blinzle.

Der Junge ist fort.

Die Melodie endgültig verstummt.

Die Wellen haben sie mitgenommen. Und ich bleibe zurück, beobachte das verlöschende Licht am flammenden Horizont.

Stille.

Ruhe.

Wir werden uns wiedersehen. Eines Tages. An einem mir noch unbekannten Ort.


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