Lieber angemessene Steuersätze als angebliche Geschenke

Wieder mal eine Berühmtheit, die in Aussicht stellt, einen Teil des persönlichen Vermögens abzutreten. Und wieder mal Medien, die in der Mehrzahl so tun, als sei dieses "Versprechen" ein Gnadenakt. Was uns fehlt ist Steuerdisziplin und kritischer Medienverstand.

Lieber angemessene Steuersätze als angebliche GeschenkeWas war das mediale Stimmengewirr letzte Woche aus dem Häuschen. Der Zuckerberg wollte angeblich seinen Reichtum aufgeben. Nun gut, nicht ganz, aber einen Großteil seiner Milliarden wollte er wohl spenden. Im hessischen Radio bemühten sie einen Mediziner und spürten der Frage nach, ob denn die Geburt eines Kindes, wie bei den Zuckerbergs geschehen, einen positiven Einfluss auf die Spendenbereitschaft habe. Der Mediziner bejahte und brachte mal wieder das fabelhafte Hormon Oxytocin ins Spiel. Das zählen sie immer auf, wenn sie rational nicht weiterkommen im Qualitätsjournalismus. Es ist quasi die hormonelle Generalvollmacht zur Erklärung in menschelnden Fragen. Die Moderatorin war voll in ihrem Element und sagte "Ah" und "Oh" - und ich fluchte indes, denn die brachten "Kuschelhormon" und Zuckerbergs geplante Stiftung in einem Satz unter und verdrängten ganz galant, dass Stiftung immer auch bedeutet, seinen Reichtum nicht durch Steuerzugriff stiften gehen zu lassen. Zuckerberg ist nicht der frischgebackene Vater mit hormoneller Spendierhose, sondern Geschäftsmann, der die Kontrolle über sein Geld nicht einfach abtritt. Doch die redeten über Oxytocin und nannten das Information, während die "Giving Pledge"-Bande sich aufmacht, die gesellschaftlichen Gestaltungsrahmen an sich zu reißen.


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