Kritik - Robin Hood 2010

Kritik - Robin Hood 2010

"Sich erheben, immer und immer wieder. Bis die Lämmer zu Löwen werden." -

Als Ridley Scott im Jahr 2004 mit "Kingdom of Heaven" einen weiteren Vertreter des Historienfilms ins Rennen schickte, war das nach Unterhaltung verlangende Publikum teilweise ziemlich enttäuscht, Genre-Puristen hingegen vermochten Scotts Schaffen auf Grund des vorliegenden Directors Cuts noch einiges positives abzugewinnen . Sein neuester Beitrag zum "Historien Genre" erreichte beileibe nicht mehr die Klasse seines größten Erfolges aus dem Jahre 2000, "Gladiator". Dementsprechend skeptisch war man, als Ridley Scott  seine Interpretation Robin Hoods in der relativ schwachen Blockbuster Saison 2010 präsentierte. Und widerum folgte nach Sichtung eine Ernüchterung, diese fiel jedoch nicht ganz so erheblich aus wie im Falle von "Kingdom of Heaven", Scotts Formkurve in Sachen Inszenierung zeigte wieder deutlich nach oben. Ein Mythos ist und bleibt ein Mythos, und es ist legitim, diesen aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten und so zu interpretieren, wie man möchte bzw. dem Wandel der Kinopublikums und dem Zeitgeist entsprechend anzpassen. Ridley Scotts Robin Hood erweist sich nicht "nur" als fiktiver, ersponnener Vigilanten Comic der Neuzeit, also als üblich-märchenhafter Gut vs. Böse Kampf und daher Vereinfachung der Ursprünge bzw. Hintergründe der Figur "Robin Hood", welche tiefer in der Historie verankert sind,  als es sich so mancher Zuschauer vorstellen mag. Mittlerweile wurde zwecks Klärung dieses Sachverhalts auch eine brandneue Dokumentation über den beliebten Bogenschützen des Volkes (beispielsweise auf N24 und dem ZDF) ausgestrahlt, in der Regisseur Ridley Scott, Hauptdarsteller Russel Crowe und Experten der Menschheits-Historie selbst zu Wort kommen und Stellung zum Thema des Film beziehen: über Jahrhunderte entstand das aus vierlei Perspektiven betrachtete Bild des Bogenschützen und einer Legende, welche die Reichen bestahl und den Armen Hilfe zukommen ließ... Und Ridley Scott nahm sich die künstlerische Freiheit heraus, wieder einmal einen Historienfilm zu inszenieren, der zwar diesmal "nicht ganz" dem üblichen Vigilanten Ansatz entsprach, da die Figur "Robin Hood" nicht zu einem herkömmlichen Wald und Wiesenromantiker verklärt wurde, sondern endlich mal wieder etwas kraftvolles und frisches, also einen neuen Ansatz des Heldenmythos bot. Der Mythos der Figur Robin Hood wird in Scotts Interpretation um einige interessante Facetten erweitert.  Die angesprochene Dokumentation, welche diesen Facetten auf den Grund geht, gibt es für Interessierte an dieser Stelle:


  Scotts Film verhaftet sich mitsamt des thematischen Kerns  aber aber auf den Werten, welche Robin Hood so einzigartig machen: Aufrichtigkeit, Tapferkeit, Respekt gegenüber Frauen, Mut und Loyalität, beispielsweise wenn in bestimmten Momenten der Erzählung beispielsweise das entsprechende Saatgut des Volkes  erobert, also die hungernden Menschen zurückgegeben wird. Ridley Scotts Robin Hood Interpretation gerät trotz mancher negativer Stimme, weil man als Robin Hood Purist nicht das geboten bekommt, das x-mal bereits durchdekliniert wurde, zu gutem bis solide inszeniertem, dramatischen Kino, also keiner reinen Blockbuster / Entertainment-Stangeware. In Scotts Version von Robin Hood stören lediglich ein paar kleinere, zu langamtige Passagen, ebenso wenig kann diese an die dramaturgische Dichte bzw. Emotionalität an das Meisterwerk aus eigenem Hause, "Gladiator" anknüpfen. So das man mit einem wirklich herausragendem Film vorlieb nehmen darf.    Kritik - Robin Hood 2010

Zum Inhalt: Man schreibt das Jahr 1200. Der Ort der Handlung ist England. Das Land siecht dahin. Die Armee des englischen Königs Richard Löwenherz (Danny Huston) führt seit ein paar Jahren einen verheerenden Kampf in den Kreuzzügen, besonders gegen die verhassten Franzosen, die Bevölkerung muß für den Krieg mit Steuern aufkommen, und da die finanziellen Mittel fehlen, um sich die Essensvorräte zuzulegen, muß die Bevölkerung am Hungestuch nagen. Dann passiert das undenkbare: Löwenherz fällt im Kampf gegen die Franzosen, und so übernimmt sein eitler, selbstverliebter, inkompetenter und selbstherrlicher Bruder John (herrlich arrogant und schmierig: Oscar Isaac) daheim in England den Thron. In der Zwischenzeit treten der Bogenschütze Robin Longstride (gut: Russell Crowe) und seine ordentlich verkörperten Mitstreiter Will Scarlett (Scott Grimes), Little John (Kevin Durand) und Allan A‘Dayle (Alan Doyle) durch einige Umstände die Flucht aus dem Krieg und vom Schlachtfeld an. Sie kommen durch Zufall einem Komplott auf die Spur: Der mit König John eigentliche befreundete Godfrey (solide: Mark Strong) treibt ein falsches Spiel und versucht, sein Heimatland für den eigenen Vorteil an die Franzosen zu verkaufen. Der Edelmann Sir Robert Loxley (Douglas Hodge), welcher den Schergen von Godfrey zum Opfer fällt, bittet Robin vor seinem Sterben um einen letzten Gefallen. Er soll sein Schwert seinem alten Vater in Nottingham überbringen, um seine Ehre wiederherzustellen, denn man trennte sich einst im Streit von einander. Robin willigt doch noch ein und trifft im Lauf der Handlung auf Lady Marion Loxley (eisern:Cate Blanchett), und ihren Vater Walter (richtig uhrig, augenzwinkernd und würdevoll: Max von Sydow) . Das Schicksal nimmt seinen Lauf. Und aus Robin Hood und seinen Männern werden die, die man kennt, also Legenden...

Kritik - Robin Hood 2010

  Für das Publikum mag es von Beginn an gewöhnungsbedürftig erscheinen, das Regisseur Ridley Scott und Autor Brian Helgeland im "Robin Hood" Prequel auf Heldenromantik verzichten und man sich keinem Kino-Geschwofe zu Adams Softrockkuschelnummern im grünen Walde mehr hingeben darf. Dank Russel Crowes erneut tadelloser schauspielerischer Leistung gerät Robin Hood zu einem kraftstrotzendem Soldaten voller Charisma, der von Drehbuchautor Brian Helgeland ambivalent gezeichnet wurde, denn hin und wieder greift er zu entsprechenden Notlügen, um durch den Tag zu gelangen und seinen am Anfang umfrewillig gesteckten Zielen näher zu kommen. Mit wieder einmal brillantem Auge setzt Ridley Scott in seiner Interpretation von "Robin Hood" das für das Publikum in Szene, was in Kevin Reynolds 1990er Robin Hood Variante schon im Keim durch zuviel Spaß nach zu kurz geratener Anspielung negiert, also im Keim erstickt wurde. Bei allem Spaß und Vigilantentum steckte offenbarte sich Robin im Kern Robin Hood stets eine ernste, tiefgründige Parabel über die menschliche Hybris/ der Gier nach der Macht des einzelnen über viele andere, über Leid und Ungerechtigkeit auf der Welt, welche bereits "Gladiator" immanent war: in "Robin Hood" gehts geht um den Kampf, der vollzogen und gewonnen werden muß, um eine bessere Welt zum gemeinsamen / fairen Miteinander zu schaffen, um die Richtigkeit von Gesetz und Ordnung zu Gunsten von mehreren und zu Lasten von ganz wenigen... Die Prämisse wird also nicht wie in Kevin Reynolds Variante mit Kevin Costner zu einem ZU märchenhaften anmutenden Kampf zwischen Gut und Böse heruntergebrochen. Ridley Scott und Autor Brian Helgeland nehmen ihr Anliegen ernst, vergessen aber entgegen einiger weniger, landläufiger Meinungen aber nicht, den stets ernsten Tonfall in "Robin Hood" mit entsprechender Selbsironie / vorgetragenem Spaß für den Betrachter ab und zu durchbrechen. Und nicht durch vermeintliche "Slapstick" Einlagen, wenn bei einem Maifest beispielsweise ab und an auch mal ausgelassen gefeiert und getanzt werden darf...   Kritik - Robin Hood 2010

"Ich spürte heute morgen eine Regung, und das mit 84 Jahren..." - 

  Deutlich wird das beispielsweise an der Figur Walter Loxleys. Das entsprechende Augenzwinkern Ridley Dank Max von Sydows uhrigen Auftreten (inklusive passend platzierter One-LIne) bleibt also unübersehbar. Ebenso dürfte es die wenigsten Analysten überraschen, das Ridley Scott im handwerklichen / technischen Bereich nach über 30 Jahren im Filmgeschäft mittlerweile eine absolute Ausnahmeerscheinung ist. Also Dank diveserer Meisterwerke ("Alien", "Blade Runner" "Gladiator" , "Thelma & Louise" zu den visionärsten Regisseuren unserer Zeit gehört. Dementsprechend fällt seine "Robin Hood" Variante aus. Er gießt diese in eine perfekte äußere Form, die ihres gleichen suchen im Genre suchen dürfte. Die inszenierten Kämpfe und Schlachten fallen erwartungsgemäß überzeugend, hart und blutig aus, Nur auf das etwas zu ausufernder Pathos in der finalen Schlacht, wenn eine Kindesbande in die Schlacht zieht(!) und König John in wenigen Momenten als zu überspitzt dargestellten Dummkopf degradiert wird, hätte er durchaus gerne verzichten können. Nichtsdestotrotz zieht Ridley Kevin Costners 90er Robin Hood Variante die seidene Strumpfhose aus, wenn er alle notwendige Bild- und Actiongewalt auf dem mittlerweile heimischen Flachbildschirm auf das Publikum loslässt...Darüber hinaus sollte man Drehbuchautor Brian Helgelands Herangehensweise bzw. dessen mutigen Versuch, aus der mittlerweile zur Genüge breit getreteten und totgerittenen, konservativen Vigilanten Erzählung ein im höchsten Maße politisch angelegtes Drama hervorzuzaubern, entsprechend zu würdigen wissen. Alleine schon der Versuch, dem Genre neues Leben einzuhauchen, ist aller Ehren wert. Schade ist nur, das Ridley Scotts seinen Genrebeitrag im Grunde genommen etwas luftdurchlässig, also leicht vorhersehbar in Szene gesetzt hat. Ein Manko, das auch Kevin Reynols Robin Hoods Adaption teilt... Welche Kämpfe noch ausgefochten werden und WIE Robin Hood und seine Männer zu ausgestossenen / Legenden werden, bleibt im Grunde Dank eines bisschen Mitdenkens immer klar.    Fazit: Ridley Scott inszenierte also ein akzeptables und unterhaltsames Robin Hood Prequel, welches der Neuzeit entsprechend angepasst und mit der wohltuenden Ernsthaftigkeit versehen wurde. Das Genre definiert er als Regisseur trotz einiger neuer Impulse und herausragender Bilder aber dann doch nicht neu. Was aber zu verschmerzen bleibt. Robin Hood 2010 sollte man wenigstens einmal gesehen haben.    Wertung: 7.5/10 Punkte 



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