Freitag

Zuerst habe ich ja gedacht, dass sie das doch nicht erwarten kann von mir. Einfach so an einem ganz gewöhnlichen Freitagvormittag ins Thermalbad, nur weil die Lehrerin krank ist. Und natürlich, weil sie noch einen Schwimmbadbesuch zugute hat, eine Belohnung für zwanzig Tage ohne Gemotze bei den Hausaufgaben. Schwimmbad, das heisst für Luise Thermalbad, weil wir dort so selten hingehen. Ist ja auch ein wenig teuer für zwei Erwachsene und fünf Kinder. Aber nur zwei Personen – Mama und Luise -, das geht doch, nicht wahr, Mama? 

Na ja, eigentlich geht es nicht, denn Mama sollte noch Hamburger formen für sieben hungrige Teenager, die heute Abend Karlssons Geburtstag nachfeiern. Sie hätte auch noch Biskuit-Böden für Zoowärters Geburtstag am Sonntag zu backen. Prinzchen  muss noch zum Arzt, weil sich eine Dellwarze stark entzündet hat. Mama will nicht noch einmal am Samstagnachmittag zum unterkühlten Doktor am Bahnhof. Sie will auch nicht noch einmal mit einem Kind für ein paar Tage wegen einer entzündeten Dellwarze ins Spital. Dann wäre auch noch dafür zu sorgen, dass die Wohnung wieder so wird, wie die Putzfrau sie am Mittwoch hinterlassen hat. Thermalbaden liegt also wirklich nicht drin. 

Auf der anderen Seite ist fraglich, wie lange Luise noch ohne Scham ihre schwangerschaftsgestreifte und vom Leben deformierte Mama ins Thermalbad schleppen wird. Vielleicht darf Mama schon bald nicht mehr mit, weil sie nicht cool und schön genug ist. Ausserdem hat Töchterchen jetzt schon kaum mehr Zeit für Mama, da ihr die Schule so viel abverlangt. Und wenn sie nicht in der Schule oder bei den Hausaufgaben sitzt, sind da noch Treffen mit Freundinnen, Volleyballtraining und Jungschar. Die Chance für einen spontanen Mama-Tochter-Ausflug wird sich also nicht so bald wieder bieten. Wäre doch eine Schande, wenn man sich diese Gelegenheit entgehen liesse. 

Na dann also, ab ins warme Wasser. Kreischend die Rutschbahn hinunter, blödelnd durchs Flussbad, beim Essen die Tischnachbarn durch den Kakao ziehen. Auf dem Heimweg im Brockenhaus für sechs Franken eine Popcorn-Maschine erstehen, weil Maiskörner zum Platzen zu bringen die einzige Aufgabe aus dem Mikrowellen-Pflichtenheft ist, die der Steamer nicht übernehmen kann. Schöner könnte ein Mama-Tochter-Tag kaum sein.

Ich sag’s ja nur ungern, aber zum Glück war die Lehrerin heute noch nicht fit genug für die Schule.

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