Er wars – Der große Bruder ist schuld

Meine drei Kinder haben jeweils eine ganz eigene Beziehung zueinander. Während die beiden Größeren in erster Linie Probleme miteinander haben ist ihre jeweilige Beziehung zur Jüngsten recht liebevoll. Die Älteste bemuttert sie und auch mein Sohn nimmt seine Rolle als großer Bruder manchmal Ernst. Allerdings ist er selbst eigentlich kein sehr großer Bruder, also gibt es immer wieder Interessenskonflikte zwischen den beiden Kleinen.

Mini-Mama

Wer Austin Powers gesehen hat, der kennt sicher den kleinen Klon von Dr. Evil. Mini-Me ist das kleine Abbild des Charakters. In meinem Fall ist meine Älteste auf dem Trip Erwachsen zu werden. Das letzte Jahr in der Kita als Vorschulkind ist für sie eine Bestätigung dafür, dass sie jetzt zu den Großen gehört. Eigentlich schade, aber auch beispielhaft für die nächsten Entwicklungsschritte in Ihrem Leben. In der Kita ist sie eine der Ältesten und im nächsten Jahr startet sie als eine der Kleinsten wieder in der Schule. Das geht dann noch ein, bis zweimal so. Kaum eine Instanz durchlaufen, startet das nächste Level und wieder beginnt man bei Null und muss ich nach oben durchkämpfen. Als Älteste hat sie jetzt ihren Hanf zum Aufräumen gefunden, aber auch die Versorgung und auch ein wenig die Erziehung ihrer Geschwister liegt ihr am Herzen.

große Schwester

Als große Schwester wird sie von der Kleinsten auch voll und ganz akzeptiert. Sie darf sie an der Hand nehmen und mit ihr auf der Straße gehen. Sie gibt ihr von ihrem Essen ab und wenn sie mal am Computer sitzen darf die große Schwester natürlich die Youtube-Videos auswählen und die Maus bedienen. Da ist sie auch die einzige, die das Prinzip Computermaus verstanden hat. Die große Schwester hat eine Reihe von Privilegien und ist auch eine echte Hilfe, wenn die Kleinste einmal ein Problem hat.

Der große Bruder hat es dabei schon wesentlich schwerer. Selbst bei Weitem noch nicht so reif, wie die gemeinsame große Schwester, aber doch einen deutlichen Entwicklungsschritt vor der kleinen Schwester. Seine Bemühugen die Kleinste auch zu erziehen und da und dort zu unterstützen werden einfach nicht so angenommen.

der große Bruder

Mit dreieinhalb Jahren ist er einfach selbst noch ein sehr kleines Kind. Er ist sehr geschickt, aber trotzdem grobmotorisch. Gut gemeinte Eingriffe in die Bewegungen der Jüngsten sind oft kaum von einem Schubsen, oder Schieben zu unterscheiden. Statt die kleine Schwester zu unterstützen, rufen seine Handlungen meistens eine Abwehrreaktion hervor. Will der große Bruder ihr sogar einen Bruderkuss auf die Wange drücken, dann nimmt die Kleine das nicht wirklich gerne an. Er umklammert sie fester, als sie es gewöhnt ist und knutsch sie einfach ab. Er mag seine kleine Schwester. Die hat aber wenig Bedarf an gut gemeinter Nötigung und reagiert mit Geschrei und ihrem bösestens Gesicht.

Was ist passiert?

Oft spielen die drei Kinder, mehr oder weniger friedlich, im Kinderzimmer. Während ich mich mit dem Haushalt beschäftige kommt es ganz sicher mindestens einmal vor, dass die Kleinste laut aufschreit. Es kann eigentlich nicht schlimmes passieren. Beide großen Geschwister lieben sie und sind sehr vorsichtig, aber es gibt einfach häufig Streit. Die Ursache lässt sich sehr schwer feststellen. Die Älteste ist oft mit sich selbst beschäftigt, während die beiden Kleinen häufig in derselben Ecke sitzen. Sie kann auch nicht immer genau Auskunft geben, was passiert ist. Also fragt man natürlich die beiteiligten beideen. Mein Sohn weist vehement alle Schuld von sich. Er hat nichts getan, seine Schwester hat den Streit begonnen und im Prinzip ist er sich keiner Schuld bewußt. Die Kleinste bringt wenig verständliches Zeug hervor. Nachdem sie die Namen ihrer Geschwister aber beherrscht kann man sehr exakt erkennen, über wen sie erzählt.

unverständliches Plädoyer

Fragt man also die Kleine, was denn passiert sein, dann erntet man dafür einen ausgesprochen langen Vortrag. Zwischen ausgedehntem Gebrabbel wird immer wieder der Name des Bruders genannt. Allerdings kann das natürlich alles heißen. Schlimmstenfalls will sie mir mitteilen, dass ihr Bruder ihr geholfen hat, oder eigentlich garnichts damit zu tun hat. Sich also aufgrund der bloßen Erwähnung eines Namens gleich ein Urteil zu bilden, wäre also fahrlässig. Kann die Älteste als Zeugin nicht unterstützen heißt es „im Zweifel für den Angeklagten". Also wird der große Bruder meistens mangesl Beweisen freigesprochen 😉


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