Die Vorsorgeuntersuchungen – U2

In der Regel sind die Kinder noch in der Klinik, oder kurz vor dem Nachhausegehen. Papa hat noch schnell das Kinderzimmer fertiggestrichen und den letzten IKEA-Drehschlüssel zum Einsatz gebracht, jetzt fährt er in die Klinik, um Frau und Kind abzuholen. Manche Säuglinge verbringen die Zeit der U2 bereits zu Hause, durften sie doch hausgeboren oder ambulant entbunden werden – sie werden die U2 bei Kinderarzt in der Praxis holen. Die anderen in der Klinik.

Die U2 ist der erste echte Kontakt mit den Fachärzten für Kinderheilkunde und Jugendmedizin. Sie sollte idealerweise durch uns erfolgen, in den meisten Entbindungskliniken ist das auch so geregelt – sei es durch ein Konsil durch einen niedergelassenen Kollegen, sei es durch die angrenzende Kinderklinik. Aber: wie alle Vorsorgeuntersuchungen, darf auch die U2 theoretisch von jedem Arzt durchgeführt werden, auch vom Urologen der Nachbarstation.

Wir checken nochmals die Normalitäten des Babys: Zwei Augen, zwei Ohren, so werden sie geboren, zehn Finger, zehn Zehen, so lernen sie gehen. So banal das erscheinen mag: Bei der U2 werden manches Mal Dinge erkannt, die vorher keinem aufgefallen sind. Dies gilt nichtzuletzt für Spaltbildungen des Gaumens, Herzgeräuschen oder diskrete Hinweise auf Syndromen, allen voran der Trisomie 21, dem Down-Syndrom. Aber in der Regel haben wir es mit gesunden fitten Säuglingen zu tun. Ich unterhalte mich über die Rückenlage zur Prävention des Plötzlichen Kindstodes, über die “tummy-time”, der Bauchlage zum Trainieren der Bauchlage im wachen Zustand, der Rauchkarenz der Eltern, der richtigen Verwendung von Trage- und Schiebesystemen und dem Umgang mit der *bösen* Außenwelt (“gehen Sie spazieren spazieren spazieren”), dass der Nabel seine Zeit braucht, die Hebamme zur Beratung hinzugezogen werden darf und soll, über Hautpflege und Handling (= wie´s Baby hochgenommen wird), und nicht zuletzt übers Stillen – nach Bedarf, mit Zeit und Muße, mindestens sechs Monate.

Säuglinge haben in diesem Alter normalerweise noch ein Gewichtsdefizit, sie nehmen vom Geburtsgewicht bis zu 10 % ab, das ist der noch nicht optimalen Trinkmenge geschuldet und dem fehlenden Milcheinschuss bei der Mama. Bis zum zehnten Tag hat sich das eingeregelt.
Der Nabel bekommt ebenso lange Zeit, bei der U2 ist die lästige Nabelklemme entfernt, das Stück Resthaut darf vor sich hin trocken, bis es abfällt. Da wir präventiv arbeiten, gibt es zum Schluss den Hinweis auf die nächste Vorsorge, der U3 in einem Monat, die wird dann erstmals in der Kinder- und Jugendarztpraxis stattfinden.

Wer noch “miekert”, d.h. nicht richtig trinkt oder viel schläft, oder “einfach nicht gut aussieht” (OT Kinderkrankenschwester), darf noch ein oder zwei Tage länger bleiben, wenn die Kindsmutter nach Kaiserschnitt entbunden hat, deckt sich das mit deren Aufenthalt. Ansonsten geht es nach Hause, nach Hause, nach Hause! Papa hat hoffentlich das Kinderzimmer gelüftet, und Oma, Opa, Tanten, Onkel und Nachbarn stehen zu Hause schon Sparlier, um den neuen Bürger zu begrüssen. Willkommen, Jayden-Maikel! Hallo daheim, Jessica-Madlyn! Wir freuen uns! ;-)



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