Die Göttin im Garten

Begegne der Göttin der Liebe im Garten!
Sie sei dir das sonniglich sorgsame Weib!
Sie wolkte vom Meere – verhüllt war der Leib –
Und trat zu den Pflanzen, die bang ihrer harrten.
 
Nun hegt sie uns treu, nach fremdhaften Arten:
Seid freudig und fromm, daß lang sie verbleib,
Die Feinde der Leute beim Dorfe vertreib,
Wir sollten sie morgens, im Taublau, erwarten!
 
Verehrt sie und haltet im Hühnerhof Tauben;
Auch Schildkröten liebt ihre Sachtheit im Grün;
Genügsamkeit lobt, wenn sich Büsche belauben!
 
O wüßtet ihr, wie sie euch hilft beim Bemühn,
So würden wir fürstliche Obstopfer klauben!
Sie bleibt uns ja nah, bis die Trauben erglühn.

Theodor Däubler, Attische Sonette, 1924

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