Die besetzte Stadt

Die besetzte Stadt

"Bezette Stad" von Ruud Gielens (c) Bart Grietens

Anlässlich des „festival premières“ gastierte der Belgier Ruud Gielens mit seiner neuen Inszenierung in Straßburg. „Die besetzte Stadt“ – im Original Bezette Stad – fand ihren Ausgangspunkt im Gedichtband von Paul Van Ostaijen, einem Landsmann Gielens, den dieser 1920 ganz in Dada-Manier mit surrealistischen Einsprengseln veröffentlichte. Lockere Assoziationsketten reihten sich dort in Reimform, aber auch nur durch typographische Finessen akzentuiert, aneinander.

Mit Serdi Alici, Kris Strybos (Scala), Joost Maaskant, Pitcho Womba Konga, Karim Kalonji und Ellen Schoenaerts rekrutierte der Regisseur Musiker, bzw. Performer aus dem Hip-Hop-Bereich, welche die „Besetzte Stadt“ neu interpretierten und in eine zeitgemäße Sprache übertrugen. 6 niedrige Podeste mit Mikrofonen, die den Bühnenraum davor umrundeten, reichten als Ausstattung für diese trashige Revue. Zwischen Originalzitaten aus dem Buch und persönlichen Statements pendelnd, präsentierten die Protagonisten ihre energiegeladene Bühnenfassung. Zeitgeistige musikalische Versatzstücke und die tänzerische Umsetzung durch Hip-hop, Rave, Rap und Breakdance mischten sich mit konsum- und gesellschaftskritischen Aussagen. „Be cool – love your job“ wurde zu Beginn verkündet, „wir vertrauen auf denTod“ klang es später schon viel düsterer.

Die live-performance von drei Männern vor Vorstellungsbeginn, die sich als vermeintliche Penner unter das wartende Publikum gemischt hatten und die provokante Konfrontation kurz vor Ende, bei dem alle die Parole „habt ihr euch gut unterhalten“ in den Zuseherraum brüllten, konnten dennoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich die allgemeine Betroffenheit in Grenzen hielt. Die Stadt, die uns tagtäglich mit ihren gescheiterten Existenzen, mit ihren schmutzigen Drogenumschlagplätzen, grauen U-Bahnschächten und kalten Obdachlosenunterschlüpfen entgegentritt, spricht, im Gegensatz zu dieser Inszenierung, keine artifizielle Sprache. Hätte Gielen auf dem Klimax der Veranstaltung diese enden lassen und nicht eher sanft und versöhnlich ausklingen – wie schon 250 Jahre zuvor ein gewisser Joseph Haydn, der, wie Gielen, einen Musiker nach dem anderen von der Bühne verschwinden ließ, hätte die „Besetzte Stadt“ zu einem der highlights des Festivals avancieren können.


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