Der Markt regelt das Wetter. Oder auch nicht.

Es ist kaum zu fassen: Sämtliche Nachrichten-Sendungen berichten groß und breit, dass es Winter ist!

Strenggenommen ist in diesem Jahr erst ab dem 22. Dezember so richtig Winter, anlässlich der Wintersonnenwende, die diese Jahreszeit offiziell einläutet. Aber egal, es schneit und friert und schneit – und damit ist Deutschland, ja ganz Europa, von den Winterprofis in Skandinavien und den östlichen Ländern jenseits der Oder mal abgesehen, total überfordert.

Ist das peinlich! Die Nerven liegen blank, die Streusatzvorräte sind bereits erschöpft, das Enteisungsmittel ist alle, und viel zu wenig Leute wurden zum Schnee schaufeln eingeteilt!

Scheißkapitalismus, sag ich da nur. In einer vernünftigen Planwirtschaft hätte man so etwas eingeplant. Im Kapitalismus plant man das natürlich nicht, weil das ja nur kostet. Da verlässt man sich darauf, dass der Markt das regelt. Der macht notfalls auch das Wetter. Oder halt auch nicht.

Jetzt kostet es auch, aber hauptsächlich Zeit. Nämlich die Zeit der Leute, die auf Bahnsteigen frierend den nächsten Zug erwarten oder die auf den Notliegen in den Flughäfen campieren. Hoffentlich nutzen sie diese, um mal drüber nachzudenken, ob dieses ganze A-nach-B-Gewese wirklich nötig ist. Nicht, dass ich kritisieren würde, dass jemand, der wo anders als am Wohnort sein Geld verdienen muss, unbedingt nach Hause fahren will. Oder dass man seine Lieben in der Ferne besucht.

Aber diese immer wieder geforderte Flexibilisierung und Mobilisierung hat natürlich ihren Preis. Und damit meine ich ganz ausdrücklich nicht nur das Steckenbleiben im aktuellen Schnee-Chaos. Wobei, die Winter früher waren auch kalt und schneereich. Und da fuhr die Bahn. Weil es den Betreibern wichtig war, dass sie fährt.

Heute ist es den Betreibern wichtig, dass sie mit der Bahn Geld verdienen. Das ist ein entscheidender Unterschied. Da lohnt es sich drüber nachzudenken.

Besonders, wenn man ordentlich Schotter für sein Ticket hingelegt hat, und dann zu hören kriegt, dass man die Bahn schließlich aus eigenem Antrieb und auf eigene Gefahr benutze – wenn man schon auf die Idee kommt, bei diesem Wetter mit der Bahn zu fahren. Da kann man ja nicht erwarten, dass sie einen für das Geld, das man dafür bezahlt, auch termingerecht transportiert. Hier erklärt sich übrigens nebenbei auch, warum dermaßen ausführlich über das Wetter berichtet wird. Sonst kämen die Leute noch auf den Gedanken, dass es gar nicht am Wetter liegt, dass derzeit nichts geht, sondern auch an ganz anderen Dingen, was durchaus zutreffend ist.

Es geht verdammt noch mal nicht darum, dass Leute pünktlich von A nach B transportiert werden, sondern darum, dass man ihnen das Geld für die Fahrkarte oder das Flugticket abknöpft. Dass die Leute damit auch von A und B kommen ist das Abfallprodukt vom eigentlichen, dem Dienst am Kapital. Oder profan: Dem Geldverdienen.

Und so ein Preis-Leistungs-Verhältnis bestimmt schließlich der Markt. Und wenn nur verspätete Züge oder eben keine auf dem Markt sind, dann ist das zwar ärgerlich, aber geht schon in Ordnung, denn so funktioniert Marktwirtschaft schließlich. Da kann man nur froh sein, dass die Bahn nicht auf die Idee kommt, einem noch eine Extra-Gebühr abzuknöpfen, wenn man endlich in einen warmen Zug will. Der Stehplatz im Warmen kostet nicht extra, so sozial ist unsere Marktwirtschaft noch.

Fragt sich nur, wie lange noch.



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