Und immer brav aufessen!

Unsere Landwirtschafts- und Verbraucher(schutz)Ministerin Ilse Aigner findet, dass zu viele Lebensmittel weggeworfen werden.

Es ist ja auch schade drum.

Aber den Verbrauchern, also uns allen, die Schuld daran in die Schuhe zu schieben, wie einige Kommentatoren das tun, regt mich wirklich auf. Es sind doch nicht die überzogenen Ansprüche der Verbraucher, die für eine Überfülle in den Regalen sorgen! Wir Verbraucher werden ja gar nicht erst gefragt, wie wirs denn gerne hätten. Wir haben doch überhaupt keinen Einfluss darauf, was und wie produziert wird, auch wenn immer wieder anderes behauptet wird. Wenn es nach den Leuten ginge, ständen viel weniger, dafür aber deutlich bessere, gesündere und umweltfreundlicher produzierte Produkte in den Regalen.

Denn nicht die dummen und unbewussten Verbraucher, sondern die Gesetze des Marktes sorgen dafür, dass die Regale immer voller werden und am Ende immer mehr weggeworfen wird. Genaugenommen bewirkt das die Gesetzlosigkeit des Marktes – denn jeder kann drauflosproduzieren wie er will. Und genau das ist der Knackpunkt: Denn je mehr produziert und dann auch verkauft wird, desto besser fürs Geschäft. Und wenn die Leute das Zeug nur kaufen und dann wegwerfen, so hat es seinen Sinn für Produzenten und Händler erfüllt: Es wurde Geld damit verdient. Und nur darum geht es.

Die Behauptung, die Verbraucher seien gierig, gedanken- oder gar gewissenlos, zeugt also in erster Linie davon, dass diejenigen, die solches behaupten, nicht besonders viel über die Welt, in der wir leben, wissen. Oder wissen wollen.

Diese Verschwendung findet ja nicht einfach so statt, sondern in einem bestimmten, genau darauf abzielenden Wirtschaftssystem. Wer einerseits Marktwirtschaft und Kapitalismus, in anderen Worten: Wachstum, Wachstum, Wachstum will, und gleichzeitig Verschwendung beklagt, ist ein verlogenes Arschloch oder schlicht dumm.

Wie würde es denn ausgehen, wenn alle Verbraucher einfach nur noch das kaufen, was sie wirklich brauchen? Das wäre im Grunde eine echt coole Sache, einfach mal nur das kaufen, was man wirklich braucht. Damit könnte man die Wirtschaft am Ende doch noch in die Knie zwingen. Aber ich vermute, dass unserer Bundesregierung das dann auch nicht gefallen wird. Auch wenn die Ministerin appelliert: „Wir sollten bewusster genießen, uns bewusster ernähren und auch bewusster einkaufen.“ Wie ein Hartz-IV-Haushalt das umsetzten soll, verrät sie dabei nicht. Ich kenne übrigens auch Leute, die nichts dabei finden, einmal pro Woche mit dem Auto von Berlin nach Frankfurt/Oder zu fahren, nur um eine Kiste Biogemüse abzuholen. Das hat aber nichts mit Bewusstsein zu tun, das ist gelebte Lebenslüge.

Nein, die Welt geht nicht daran zugrunde, wenn jemand mal einen längst abgelaufenen Fruchtjogurt, eine vergessene halbe Gurke oder auch ein liegengebliebenes Toastbrot wegwirft. Das Problem ist dieses perverse Wirtschaftssystem, das nicht mehr funktioniert, wenn die Leute nur noch konsumieren würden, was sie wirklich brauchen und das weder ihnen selbst noch der Umwelt schadet. Außerdem können die Leute gar nicht so viele Lebensmittel kaufen und wegwerfen, wie ohnehin schon vernichtet werden, bevor sie überhaupt auf den Markt kommen. Und das nur, damit der Preis stimmt.

Natürlich ist es eine Riesenschande, dass fast eine Milliarde Menschen hungern müssen, gar keine Frage. Aber diese Problem löst man nicht dadurch, dass man den Leuten hier erzählt, das läge daran, dass sie ihren Teller nicht immer leer essen. Dass es sehr vielen Menschen sehr schlecht geht, liegt daran, dass es nie um die Menschen geht, sondern immer ums Geld. Daran sollte man tatsächlich etwas ändern.



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