Das ungeborene Drittel

Das ungeborene DrittelAls Ursula von der Leyen damals noch im Familienministerium saß, klappte es mit den Geburten. Immer wieder konnte die emsige Mutter der Nation verkünden, dass die Zahl der Neugeborenen in Deutschland aufgrund der klugen Familienpolitik der Bundesregierung nach vielen Jahren endlich wieder steige. Daran war, so von der Leyen, vor allem das Elterngeld schuld, das die Geburtenzahlen sogar schon hochgetrieben habe, als es noch gar nicht beschlossen gewesen sein.
Kristina Schröder, die Nachfolgerin der erfolgreichen Geburtshelferin, konnte von der Leyens Versprechen dann nicht einlösen. Nun sanken die Geburtszahlen nicht nur wirklich, sondern auch in der ministeriellen Verlautbarungen. Schlagartig entdeckte das Familienministerium, dass die Zahl der Geburten zurückgehen müsse, weil es in Deutschland immer weniger Frauen im gebärfähigen Alter gebe. Trost aber sei nahe, denn obwohl die Zahl der Frauen im Alter von 15 bis 49 Jahren in Deutschland allein während der Amtszeit von der Leyens um mehr als eine halbe Million gesunken sei, zeige sich, dass die verbliebenen Damen Verantwortung übernähmen: Die Zahl der Kinder pro gebärfähiger Frau sei, freut sich Kristina Schröder, weitgehend stabil.
Weitestgehend ist sie das immer noch, nur umgerechnet auf alle Frauen zeigt die neueste Statistik ein weiteres Nachlassen des von Wissenschaftlern inzwischen "Von der Leyen-Dynamik" genannten Phänomens steigender Geburtszahlen während der Pressetermine der früheren Familienministerin, die jetzt im Arbeitsministerium mit gleicher Methodik für sinkende Arbeitslosenzahlen sorgt. Im Familienbereich dagegen ist Alarm: Seit der Einführung des Kindergeldes ist die Zahl der Kinder je Frau in Deutschland beständig gefallen, für 2009 liegt sie nur noch bei 1,36. Geboren wurden nur noch 665.000 Mädchen und Jungen, noch einmal 17.000 weniger als 2008, 20.000 weniger als 2007. Umgerechnet pro Einwohner fiel der Wert damit auf unter 0,7.
Damit hat jede nachfolgende Generation etwa ein Drittel weniger Angehörige als die vorhergehende. Aus derzeit 82 Millionen Deutschen werden im Verlauf der kommenden 70 Jahre noch höchstens 55 Millionen, von diesen wiederum werden weitere 70 bis 80 Jahre später nur noch 36 Millionen übrig sein. In nicht einmal 300 Jahren wird Gesamtdeutschland dann mit der Menge an Bürgerinnen und Bürgern auskommen müssen, über die seinerzeit die DDR verfügte.
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