Das Schweigen eines Parteisoldaten

Fritz Enzenhofer, Foto: Screenshot YouTube

Fritz Enzenhofer, Foto: Screenshot YouTube

Menschen, die ihre Rechte ein­for­dern, sind “Agitatoren”, die “bewusst pro­vo­zie­ren”. Außerdem haben Laizisten “keine Ahnung”. Dieser Meinung zeigt sich der von der ÖVP ein­ge­setzte amts­füh­rende Landesschulratspräsident im Bundesland Oberösterreich. Er atta­ckiert in Medien jene Mutter, die erreicht hat, dass in einer Wiener Schule die Kreuze abge­hängt wer­den. Präzisieren will er die Aussagen nicht.

Es sind deut­li­che und ver­letz­tende Worte, die Fritz Enzenhofer gegen­über der Zeitschrift News für Laizisten fin­det – und für jene Mutter, die erreicht hat, dass an einer Wiener Volksschule die Kreuze abge­hängt wer­den. In sei­ner Wortwahl agiert der amts­füh­rende Landesschulrat im Bundesland Oberösterreich unmiss­ver­ständ­lich als Vertreter der ÖVP, die ihn in das Amt ein­ge­setzt hat. “Wer sich vom Kreuz bedroht fühle, habe keine Ahnung von der christ­li­chen Religion, heißt es am Freitag in einer Aussendung. ‘Damit zeigt sich wie­der ein­mal, dass es einen ver­pflich­ten­den Ethikunterricht für Kinder, die vom Religionsunterricht abge­mel­det wer­den, geben muss’, fol­ger­ten die Vertreter Franz Fischer und Fritz Enzenhofer, Landesschulratspräsident in Oberösterreich, heißt es dort.”

Auf die Frage, wie das denn gemeint sei, schweigt Enzenhofer beharr­lich. Es liegt nahe, dass er dar­auf keine Antwort hat. hpd-Korrespondent Christoph Baumgarten hat ihm vor knapp drei Wochen einen kri­ti­schen Fragenkatalog zukom­men las­sen, den Enzenhofer bis heute nicht beant­wor­tet hat. Das liegt ver­mut­lich daran, dass die Fragen die Lebenslüge derer auf­zei­gen, die Rechtsstaat und Demokratie auf nicht näher aus­ge­führte “christ­li­che Prinzipien” zurück­füh­ren. Enzenhofers Wortmeldung stellt nicht nur seine his­to­ri­schen Kenntnisse infrage son­dern auch seine Amtsauffassung.

Das Bloghaus bringt die e-Mail-Anfrage an Enzenhofer in unge­kürz­ter Fassung:

“Sehr geehr­ter Herr Landesschulratspräsident,

Soeben habe ich auf news.at einige Zitate von Ihnen zum Thema Schulkreuze gele­sen: 

Sie und Ihr Kollege Franz Fischer wer­den in dem kur­zen Artikel wie folgt zitiert: “Wer sich vom Kreuz bedroht fühle, habe keine Ahnung von der christ­li­chen Religion, heißt es am Freitag in einer Aussendung. ‘Damit zeigt sich wie­der ein­mal, dass es einen ver­pflich­ten­den Ethikunterricht für Kinder, die vom Religionsunterricht abge­mel­det wer­den, geben muss’, fol­ger­ten die Vertreter Franz Fischer und Fritz Enzenhofer, Landesschulratspräsident in Oberösterreich.”

Trifft es zu, dass sie diese Äuße­run­gen in die­ser Form getrof­fen haben?

Wenn ja, hätte ich dazu noch einige Fragen. Was mei­nen Sie damit, dass das Wahrnehmen eines bür­ger­li­chen Rechts Anlass sein soll, einen ver­pflich­ten­den Ethikunterricht ein­zu­füh­ren für Kinder, die sich vom Religionsunterricht abge­mel­det haben?

Was soll die­ser Ethikunterricht Ihrer Meinung nach leis­ten? Ist Ihnen bewusst, dass Ihre Aussage – sofern kor­rekt wie­der­ge­ge­ben – nur so ver­stan­den wer­den kann, dass die­ser Ethikunterricht Kindern, die kei­nen katho­li­schen Religionsunterricht besu­chen, das Christentum zwangs­weise näher­brin­gen soll?
Bezwecken Sie also eine gar nicht so ver­steckte Missionierung mit die­sem ver­pflich­ten­den Ethikunterricht?

Auf wel­che “christ­li­che Religion” bezie­hen Sie sich denn genau, wenn Sie mei­nen von ihrem Kreuz müsse sich nie­mand bedroht füh­len? Meinen Sie damit jene christ­li­che Religion, deren Symbol den Kreuzzügen in meh­re­ren Sprachen ihren Namen gege­ben hat?

Meinen Sie damit jene christ­li­che Religion, in deren Namen und unter deren Symbol die Ureinwohner Südamerikas ver­sklavt, zwangs­kon­ver­tiert und ermor­det wur­den? Oder mei­nen Sie jene ver­ein­zel­ten Vertreter die­ser christ­li­chen Religion, die unter dem Kreuz eini­gen weni­gen Ureinwohnern Schutz gewährt hat (auf dass sie bes­sere Christen wer­den, nicht um ihre Kultur zu bewah­ren?) Ist Ihnen bewusst, dass diese Experimente auch von Vertretern der christ­li­chen Religion sehr schnell abge­dreht wur­den? Sind Sie der Meinung, man brau­che sich vor einem Kreuz nicht zu fürch­ten, unter dem die Juden Spaniens und Portugals zwangs­kon­ver­tiert, gefol­tert und ver­trie­ben wur­den?
Meinen Sie jene christ­li­che Religion, in deren Namen v. a. in der frü­hen Neuzeit zehn- bis hun­dert­tau­sende “Ketzer” am Scheiterhaufen ver­brannt wur­den – dar­un­ter vor­wie­gend so genannte Hexen? Meinen Sie jene christ­li­che Religion, deren zwei dama­lige Hauptkonfessionen ein­an­der einen drei­ßig­jäh­ri­gen Krieg gelie­fert haben, der weite Teile des deutsch­spra­chi­gen Raums ent­völ­kerte? Sind Sie der Meinung, Juden bräuch­ten sich nicht vor dem Kreuz zu fürch­ten, unter des­sen Autorität sie vor allem im Osten Europas jahr­hun­der­te­lang Pogromen aus­ge­setzt wur­den? Haben die auch keine Ahnung von der christ­li­chen Religion gehabt?
Glauben Sie, jene christ­li­che Religion wurde miss­ver­stan­den, in deren Namen auch bei uns über Jahrhunderte Evangelische und Juden dis­kri­mi­niert wur­den?
Halten Sie jene christ­li­che Religion für miss­ver­stan­den, die bis in die frü­hen 60-er-Jahre (bis zum Ende des Zweiten Vatikanischen Konzils) ihren Anhängern vor­schrieb, was sie lesen durf­ten und was nicht?
Sind Sie der Meinung, man ver­stehe jene christ­li­che Religion falsch, die erst mit dem Ende des og. Konzils die Religionsfreiheit for­mal (!) akzep­tierte?
Sind Sie der Meinung, auch die Bosnjaken hät­ten keine Ahnung von der christ­li­chen Religion und brauch­ten sich vor dem Kreuz nicht zu fürch­ten, in des­sen Namen sie von zwei sich christ­lich ver­ste­hen­den Völkern in den 90-er Jahren zu tau­sen­den ver­trie­ben, gefol­tert, ver­ge­wal­tigt und ermor­det wur­den?

Da ich weiß, dass Sie nur ein beschränk­tes Zeitkontingent haben, beschränke ich mich auf diese weni­gen Punkte, in denen sehr viele Leute keine Ahnung von der christ­li­chen Religion hat­ten – am aller­we­nigs­tens ganz offen­sicht­lich die Vertreter die­ser christ­li­chen Religion selbst.

Abschließend erlaube ich mir die Frage, worin Sie bei Ihren mani­fes­ten Interessenskonflikten Ihre Aufgabe als amts­füh­ren­der Präsident des Landesschulrats für Oberösterreich sehen. Ist es zuerst die Vertretung der Ideologie der Christlichen Lehrerschaft oder ver­su­chen Sie doch, Ihr Amt gemäß Ihren gesetz­li­chen Aufgaben aus­zu­füh­ren? Sollte letz­te­res der Fall sein, warum täti­gen Sie gegen­über der Öffent­lich­keit fak­tisch fal­sche, lächer­li­che und im bes­ten Fall als dif­fa­mie­rend zu wer­ten­den Aussagen?

Ich ersu­che um aus­führ­li­che Antwort.

Mit freund­li­chen Grüßen,
Christoph Baumgarten”


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