Conny meets Ali Güngörmüş

Conny meets Ali Güngörmüş

Hallo, ihr Lieben!

Wir haben uns vor Kurzem mit dem einzigen türkischen Koch unterhalten, der einen Michelin-Stern sein Eigen nennen darf. Sicherlich kennt ihr Herrn Güngörmüş unter anderem von der "Küchenschlacht" oder "Lanz kocht!". Ob sich der Sternekoch auch für Fast Food begeistern kann, was er vom aktuellen veganen Trend hält und welches Urteil er in Bezug auf Kantinen- und Schulessen fällt, lest ihr hier! Zudem hat uns Herr Güngörmüş noch verraten, was es seiner Meinung nach braucht, damit eine Integration in Deutschland funktionieren kann.

Viel Spaß beim Lesen des Interviews und Guten Hunger! (was auch immer heute abend bei euch auf dem Tisch steht!)

Liebst,

Conny

Conny: „Sie sind weltweit der einzige türkische Koch mit einem Michelin-Stern. Inwieweit „verpflichtet" soetwas?
Ali Güngörmüş : „Ich empfinde das nicht als eine Verpflichtung. Ehrlich gesagt, habe ich mir hierüber noch garkeine großen Gedanken gemacht. Einerseits ist es gut, bei etwas der Erste oder der Einzige zu sein, andererseits wird sich ein solcher Status auch nicht ewig halten. Ich würde mir wünschen, dass Jugendliche in Deutschland sich für eine Karriere als Koch entscheiden. Koch ist ein sehr schöner Beruf, man kann erfolgreich werden und auch gutes Geld damit verdienen. Zudem hat man nie Hunger, da man für sich selbst kochen kann (lacht). Leider wird der Beruf aber in Deutschland und eben auch in der Türkei nicht immer als erstrebenswert angesehen. Obwohl: in den Restaurants in der Türkei sind es Männer, die kochen. Ich würde mir wünschen, dass die Kinder mit türkischer Abstammung, die in Deutschland leben, sich mehr für Gastronomie interessieren. Unser Beruf ist etwas Schönes. Wir können kreativ sein. Ich persönlich könnte nicht in einer Fabrik arbeiten und dort 100.000 Tennisbälle am Tag produzieren. Ich lebe meinen Beruf. Mit gutem Essen kann man auch sehr viele Menschen glücklich machen."

Conny: „Warum sind Sie persönlich Koch geworden?"
Ali Güngörmüş : „Eigentlich wollte ich überhaupt nicht Koch werden. Ich bin zufällig zu dem Beruf gekommen. Ein Freund von mir hat nach der Schule eine Lehre als Koch gemacht. Ich wollte eigentlich Einzelhandelskaufmann werden. Ich habe also eine Bewerbung geschrieben, habe aber eine Absage bekommen. Mein Freund sagte dann, dass das Unternehmen, bei dem er die Lehre macht, Azubis sucht und ob ich nicht Lust hätte, mir das Ganze mal anzuschauen. Die Mannschaft dort war sehr gut, ein junges Team und sehr sympathisch. Alle waren höflich und sozial. Ich habe mich dort wohl gefühlt. Ich habe mich vorher nicht mit dem Beruf „Koch" auseinander gesetzt. Ich habe keine Schnuppertage gemacht oder mich gezielt informiert. Ich habe gesagt: „Ich gehe hin. Wenn es mir Spaß macht, bleibe ich da. Wenn nicht, höre ich eben wieder auf.". Nach drei bis vier Wochen habe ich gemerkt, wie viel Freude ich am Kochen hatte. Ich bin dann dabei geblieben."

Conny: „Essen Sie auch manchmal Fast Food oder muss es immer hochwertiges Essen sein?"
Ali Güngörmüş : „Wenn ich sagen würde, dass ich überhaupt kein Fast Food esse, würde ich lügen. Pizza oder einen Döner esse ich auch mal. Im Jahr esse ich aber vielleicht sechsmal Pizza und einmal Döner. Burger und so esse ich aber nicht. Es schmeckt mir nicht und dieses Essen beinhaltet sehr viele Dickmacher. Ich arbeite sehr viel, oft 70 bis 80 Stunden in der Woche. Ich kann es mir dann nicht erlauben, schlechte Qualität zu essen. Das würde sich klar mit meiner Philosophie überschneiden."

Conny: „Was halten Sie vom vegetarischen/ veganen Trend?"
Ali Güngörmüş : „Vegetarisch ist kein Trend. Vegetarisch ist seit Jahren aktuell und ich bin sicher, dass die Bewegung in Zukunft auch noch stärker werden wird. Vegan zu essen finde ich auch nicht schlecht. Es gibt auch in meinem Alltag Wochen, in denen ich mich vegan ernähre. Aber ich persönlich brauche etwas Fisch und Fleisch. Ich hole mir dann aber „gutes" Fleisch oder Wildfang-Fisch. Ich möchte, dass die Menschen bewusster einkaufen. Das bedeutet, wenig Fleisch und Fisch verzehren, aber wenn, dann von einer guten Qualität. Fleisch sollte ruhig noch teurer werden. Dann ist weniger da, es wird weniger gegessen und dann ist die Qualität besser. Wir haben früher in der Türkei oft vegetarisch gegessen. Fleisch war bei uns in Ostanatolien sehr teuer. Wir konnten uns Fleisch nicht mehr als sechs bis achtmal im Jahr leisten. Stattdessen haben wir viel Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte und tierische Produkte wie Joghurt und Eier gegessen. Ich habe aber trotzdem keine Mangelerscheinungen (lacht)."

Conny: „Wer kocht denn bei Ihnen zuhause?"
Ali Güngörmüş : „Ich koche zuhause selten. Wir gehen oft essen, allerdings natürlich nicht immer in Sternerestaurants. Es geht aber darum, den Kindern einen gesunden Lebensstil vorzuleben. Wenn wir zuhause kochen, kochen wir frisch. Das ist mir wichtig."

Conny: „An wen richtet sich denn das Angebot Ihrer Kochschule? Brauchen die Teilnehmer Vorkenntnisse?"
Ali Güngörmüş : „Die Teilnehmer sollen gute Laune mitbringen und neugierig sein. Die Kochschule biete ich einmal im Monat an. Meistens sind wir ausgebucht. Die maximale Teilnehmerzahl beläuft sich auf zehn Personen. Die Teilnehmer sind bunt gemischt. Manche können sehr gut kochen, andere wissen nicht, wie man eine Zwiebel richtig klein schneidet. Wir haben einfach Spaß."

Conny: „Welche Meinung haben Sie denn von Schul- und Kantinenessen?"
Ali Güngörmüş : „Zunächst einmal darf man nicht alle Schulen und Kantinen über einen Kamm scheren. Sicherlich gibt es auch Kantinen und Großküchen, die ihren Job sehr gut machen. Es gibt aber, wie in jedem Beruf, schwarze Schafe, die immer ein wenig mehr Profit machen wollen. Ich finde es dann richtig, wenn man diesen Unternehmen auf die Finger haut. Aber wer ist denn schuld? Meistens die, die es zahlen. Wenn der Endverbraucher nicht bereit ist, für gutes Essen mehr auszugeben... was soll der Großkundenbesitzer machen? Entweder trickst er dann an der Qualität oder am Personal oder er kauft abgelaufenes Fleisch, um seine Kosten zu decken. Das soll auf keinen Fall heißen, dass ich das gut finde! Das ist nicht fair. Man spielt mit der Gesundheit der Menschen... und das darf auf keinen Fall sein. Momentan kostet ein Essen im Kindergarten am Tag 2 EUR. Mein Wasser, das ich heute morgen am Flughafen gekauft habe, kostet schon 3 EUR! Ich kann nicht mit einem minimalen Einsatz das Maximum herausholen. Das geht nicht. Ich kann nicht den Preis für einen Cinquecento zahlen, aber einen Mercedes erwarten."

Conny: „Was würden Sie Leuten raten, die aus einem anderen Land, zum Beispiel der Türkei, nach Deutschland kommen und hier beruflich und privat Fuß fassen wollen?"
Ali Güngörmüş : „Ich hatte einen Angestellten, der kaum deutsch gesprochen hat. Für mich war es sehr schwer, mit ihm zu kommunizieren. Ohne die Sprache zu beherrschen kommt man in diesem Land nicht sehr weit. Den meisten Menschen in Deutschland geht es sehr gut. Ich rate allen, möglichst schnell die Sprache zu lernen. Wer die Sprache des Landes kann, sorgt dafür, dass sich viele Probleme schneller lösen. Zudem sollte man nicht mit dem Einfachsten zufrieden sein, sondern sich so schnell wie möglich zu integrieren, eine Ausbildung zu machen. Einseitige Integration wird jedoch nicht funktionieren. Auch die Deutschen müssen sich öffnen und den Leuten ohne Vorurteile das Gefühl geben, dass sie, wenn alles passt und der Integrationswille da ist, willkommen sind. Wenn sich jemand in einer Gesellschaft willkommen fühlt, kann er auch etwas zurückgeben. Wenn sich ein Mensch aber ausgegrenzt fühlt, bleibt er immer unter denen, bei denen er sich wohl fühlt. Ohne Vorurteile und mit Respekt für andere Menschen und Religionen ist viel möglich. Nur so geht es. Ein Kopftuch ist keine Bedrohung. Umgekehrt genauso. Wenn jemand Schweinefleisch ist, dann lass ihn Schweinefleisch essen! Wir könnten darüber noch Wochen reden..."

Conny meets Ali Güngörmüş


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