Babyshambles: Der Anzug sitzt

Babyshambles: Der Anzug sitztBabyshambles
„Sequel To The Prequel“

(Parlophone/Warner)
Manchmal hat man fast den Eindruck, mancher Kritiker nimmt es Pete Doherty nachdrücklich übel, dass dieser sich vor Zeiten nicht dem zweifelhaft berühmten Club 27 angeschlossen hat, sondern weiterhin und jetzt erst recht quicklebendig durch die Clubs dieser Welt springt und tatsächlich auch noch genügend Verstand und Lebensmut beisammen hat, um ein Album wie das vorliegende abzuliefern. Ob da wer sein eigenes braves, nicht selten eher langweiliges Leben an Dohertys zahlreichen Ausschweifungen und Abstürzen vermessen will, ob es der Missmut darüber ist, sich in zahlreichen, quälenden Nächten den doch so lange fälligen Nachruf abgerungen zu haben und diesen nun ungenutzt in der Schublade verstauben zu sehen – wer weiß?
Fakt ist, dass eben jener Pete Doherty, mittlerweile ganze 34 Jahre am Leben, zusammen mit seiner Allzeit-Zweitband, den Babyshambles, sechs Jahre nach dem ebenso wunderbaren “Shotter’s Nation” wieder ein herrlich lässiges Album rausgehauen hat. Man muß ihn deswegen nicht unbedingt sympathisch finden, auch ein Kniefall wäre bei allem Respekt wohl unangebracht – dennoch: “Sequel To The Prequel” hat eine erkleckliche Zahl an Songs zu bieten, die man bei so manchem der hochgejazzten, angeblichen Thronfolger vergeblich suchen wird. Aufzählung gefällig? Bitte sehr. Gleich der “Fireman” markiert besten, nöligen Punkrock und läßt die x-te Pistols-Reunion recht blass in der Ecke stehen, “Nothing Comes To Nothing” angenehm schlurig,”New Pair” als Westernparodie, “Farmers Daughter” plustert sich auf so wie “Fall From Grace” locker tänzelt, und so weiter…
Was der deutsche Rolling Stone an Grottigkeit zu bemängeln hatte, kann man ruhig als charmante Eigenwilligkeit durchgehen lassen, wer so oft den Nagel auf den Kopf trifft, der darf schon auch mal danebenhauen – “Sequel To The Prequel”, “Seven Shades”, mein Gott, wer verknitterte Anzüge so zu tragen weiß, als kämen sie direkt aus der Maßschneiderei, dem kann man zumindest nicht vorwerfen, er hätte keinen Stil. Und wenn nach einem Hänger dann ein Stück wie “Dr. No” loslegt – also Ska mit Morricone verzwirbelt – dann ist das schon verdammt cool. Selbst die getorkelten Gefühlsduseleien “Picture Me At A Hospital” und “Minefield”, die britischer nicht sein könnten, will man von Doherty hören – mit seiner vernuschelten, rissigen Stimme bringt er selbst die in einer unpeinlichen Spur nach Hause. Was also soll man sagen? Nur keinen Neid – der Junge hat’s einfach drauf, immer noch. http://www.babyshambles.net/home.html