Auszeit

Die Geschichte von einem jungem Mann, der auszog die Welt zu erobern und auf halben Weg stolperte, weil er nach dem dritten Gipfel vergas darauf zu achten, was ihn glücklich macht. So setzt er sich unter einen Baum und dachte nach. Über sich, seine Arbeit, die Liebe, Freunde, das Leben im Allgemeinen und das Internet. Weil er früher damit gute Erfahrungen gemacht hatte, schrieb er all die Gedanken auf und veröffentlichte sie.

Auszeit
Foto von Tony Gigov

Vor etwa drei Jahren bin ich aus einem kleinen Dorf in Tirol nach Wien gezogen. Ich wollte schon früher nach Wien, am Ende war es aber doch eine eher spontane Aktion. Sodass ich auch erst einmal ein bisschen Panik hatte. Ich war spät dran, weil ich zuvor mit einem Freund quer durch Europa fliegen musste. Einer meiner besten Sommer. Von Innsbruck nach Köln nach Valencia nach Köln nach Hamburg nach Berlin nach Stuttgart nach Paris und wieder heim. Dann hatte ich Geburtstag und bin ein paar Tage später nach Wien gezogen. Zwei Koffer, sonst nichts. Seitdem haben sich die Ereignisse immer wieder überschlagen und ich habe beinahe komplett aufgehört über mich nachzudenken, was man vor allem daran sehen kann, dass ich keine Beiträge mehr in der Kategorie Meine Welt veröffentlicht habe. Das soll sich wieder ändern. Daher habe ich mir eine Auszeit genommen. Ein Monat lang wohne ich bei meiner Freundin in Deutschland. Genug Zeit zu verarbeiten, was so passiert ist und warum ich in letzter Zeit so unzufrieden geworden bin. Erst war der Plan nichts zu machen, aber es hat sich schnell herausgestellt, dass weder Arbeit noch andere Dinge sich einfach abschalten lassen. Ich versuche es jetzt auf ein Minimum zu reduzieren. Wenn man bedenkt, dass ich schon über eine Woche hier bin und dies mein erster Beitrag ist, hat es nicht wirklich funktioniert. Da ich aber heute die letzten Todos aus der Arbeit abgehakt habe, bin ich zuversichtlich, dass es nächste Woche besser wird. Das Wochenende gehört meiner Freundin.

Von Unbekannt zu Internetexperte

Als ich nach Wien kam kannte mich nicht wirklich jemand. Ich hatte in Wien weder Bekannte noch Freunde. Mein Blog lasen acht Personen und als ich vom Barcamp in Wien las, traute ich mich nicht hin, weil ich nicht wüsste worüber ich reden könnte und überhaupt.

Hab ich euch schon erzählt, wie klein ich mich im Moment fühle?
Als ob ich eine Verkleidung abgelegt hätte. Plötzlich habe ich viel mehr Freiheiten, doch ich bin auch angreifbar geworden.

Und wie klein ich mich gefühlt habe. Allein in der großen Stadt. Ausgezogen. Ohne zu wissen, ob ich jemals wieder heimkehren würde.

Hannes hat mir damals den nötigen Schubs gegeben, damit ich doch zum Barcamp gehe und somit hat für mich vieles begonnen. Ich habe Leute kennen gelernt, mein Ego hat begonnen zu wachsen und damit einhergehend wurde ich selbstsicherer. In den folgenden Monaten habe ich wie verrückt gebloggt, habe alles mögliche im Internet ausprobiert und bin auf fast alle Veranstaltungen mit Webbezug gegangen. Daneben war noch das Studium, wo ich mir aber immer schwer getan habe Kontakte zu knüpfen. Hin und wieder mit ich mit einem Dozenten etwas trinken gegangen, aber das war es dann auch schon. Erst im dritten/vierten Semester habe ich Leute übers Web kennen gelernt, die das gleiche studieren und daraus wurden Freundschaften. Oder eine Vorstufe dazu.

Neben Studium, Blog und Veranstaltungen war aber noch etwas Zeit verfügbar und so habe ich mich gefreut, als Hannes mich gefragt hat, ob ich bei seinem Verein mitarbeiten wolle. Später habe ich auch Aufträge von seiner und Nicoles Firma bekommen, für die ich immer noch arbeite.

Durch meine ständige Präsenz im Web und auf Veranstaltungen bin ich immer bekannter geworden. Entscheidende Schübe haben drei Ereignisse gegeben.

Das erste war Blögger, wo wir eigene Veranstaltungen, den Blogtail, organisieren, wo ich immer als Mitveranstalter aufgetreten bin. Zusätzlich war dies zu einer Zeit, wo sich Medien noch für Blogs interessierten, weil es Blogs waren. Allerdings wurde ich in der Berichterstattung höchstens nebenbei erwähnt. Mehr Menschen erreichte ich über Twitter und den Blog.

Als nächstes kamen die Poken. Florian, welchen ich aus dem Web und bei einem Barcamp in Persona kennen gelernt hatte, gründete in Deutschland missionpoken und fragte mich, ob ich Partner für Österreich werden wollte. Geld konnte man damit nicht wirklich verdienen, aber ich fand das Produkt interessant. Die Medien waren gleicher Meinung und somit wurde ich von diversen Zeitungen, Radiosendern bis hin zum Fernsehen dazu interviewt, was meiner Bekanntheit im Web wieder einen großen Schub gegeben hat. Wodurch wieder mehr Journalisten auf mich aufmerksam wurden und so weiter. Geplant war es so nicht, gewehrt habe ich mich auch nicht.

Das dritte Ereignis war #unibrennt. War ich erst skeptisch und nur Beobachter bin ich schnell hineingekippt und sehr begeistert von dem ganzen. Ich habe damals in einer Nacht die Website gemacht und den Livestream aufgesetzt und mich darum gekümmert. Daneben viel getwittert und mitdiskutiert. Auch hier haben sich die Medien gefreut. Erst die auf Twitter, für die ich eine verlässliche Nachrichtenquelle aus der besetzten Uni war und später die klassischen, die darüber berichten wollten, wie das Internet Proteste verändert und wie wir es eingesetzt haben. Als ich dann aus diversen Zeitungen und Magazinen gelächelt habe, bekam ich von einigen anderen Besetzern eines auf den Kopf, weil man der Meinung war, dass ich mich in den Vordergrund dränge. Hat mich aber nicht weiter beschäftigt. Die Journalisten kannten mich bereits davor, somit war ich leichter zu erreichen und von mir wusste man, was ich machte, weil ich auf den eigenen Kanälen darüber berichtet habe. Später hielt ich auf diversen Veranstaltungen Vorträge darüber bis hin zur re:publica (Video Präsentation).

Seitdem rufen mich diverse Medien gerne an, wenn es um Social Networks, Blogs und das Internet allgemein geht. Wichtigster Auftritt war vermutlich im Club 2 mit Schirrmacher. Danach hat selbst meine Oma sich gemeldet, um mir zu gratulieren.

Dank Tony habe ich jetzt auch ein Social Media Superstar Shirt (ja, es steht mein Name auf der Rückseite).

Von Euphorie zu Depression

Klingt großartig. Ich bin jetzt 21 Jahre alt, hatte bereits mehrere Fernsehauftritte, in dem Bereich, in dem ich tätig bin, habe ich, zumindest national, einen Namen. Dazu kommen diverse Jobangebote, die in den letzten Monaten gekommen sind. Kurz nachdem ich nach Wien gekommen bin, wurde mir ein Job bei einem Startup in Berlin angeboten. Wohnung inklusive. Ich habe damals abgelehnt, wollte erst mein Studium abschließen und überhaupt war es mir das alles etwas zu schnell. Das Startup ist inzwischen pleite, die Entscheidung bereue ich dennoch ein wenig. Publizistik- und Kommunikationswissenschaften ist das Studium, das sich genau mit den Themen beschäftigt, für die ich mich interessiere. Mit dem kleinen Problem, dass es das nicht tut. Habe ich zu Beginn noch versucht zu dokumentieren, was in derUniversität abläuft, doch mit der Zeit verlor ich das Interesse. Ich ging nur noch selten zu Vorlesungen, lernte ein paar Tage und schrieb dann die Prüfung. Das hat in den meisten Fällen auch geklappt. Nachdem ich immer wieder mitbekommen habe, wie wenig andere fürs Studium machen und wie wenig Aufmerksamkeit die eigenen Arbeiten von den Dozenten bekommen, oft weil es ihnen einfach nicht möglich ist, hat auch dort meine Qualität nachgelassen. Es gibt die eine oder andere Lehrveranstaltung, die interessant war, doch im großen und ganzen bin ich enttäuscht wie das spannende Fach an der Uni Wien unterrichtet wird. Was wiederum zu meiner Beteiligung bei den Studierendenprotesten führte. Ebenso bin ich einerseits durch einen Vortrag, [email protected], und andererseits als Co-Lehrender mit Helge, kobuk, auf der anderen Seite gestanden und habe mitbekommen wie mühsam es teilweise ist. Vor allem, wenn die Studierenden sich wieder einmal äußerst desinteressiert geben. Aus diesen Gründen komme ich mit dem Studium eher schleppend voran und bin stark am überlegen, ob ich in Wien bleibe. Auch weil mir bei der re:publica ein Professor aus Berlin1 angeboten hat, dass ich sofort bei ihm die Master-Arbeit schreiben könnte.

Früher habe ich mich manchmal gewundert, warum die Leute so verwundert sind, dass ich so viele Dinge mache und so viel Zeit online verbringen kann. Irgendwann bin ich draufgekommen, dass das Ganze auf Kosten meines Privatlebens funktioniert. Ich habe nachdem ich nach Wien gezogen bin nicht besonders viel Energie dahingehend verwendet einen Freundeskreis aufzubauen. Immer wieder habe ich sehr nette und großartige Menschen kennen gelernt, mit denne ich auch in Kontakt geblieben bin, aber selten habe ich den Kontakt vertieft. Das hat sich im letzten Jahr zum Glück verändert, ich gehe mit ein paar ausgesprochen lieben Menschen regelmäßig Essen und das gibt mir sehr viel. Auch aus dem Studium gibt es inzwischen drei Personen, mit denen ich sehr gut kann. Und natürlich Sebastian. Diese privaten Aktivitäten beschränken sich jedoch auf ein bis zweimal im Monat. Feiern oder ausgehen am Abend gibt es nur in Ausnahmefällen. Ich schaffe es eigentlich nur mit langjährigen Freunden, von denen in Wien nur sehr selten welche zu finden sind, oder mit beinahe Fremden mich richtig fallen zu lassen. Stattdessen bin ich täglich bis zu 12 Stunden online und probiere neue Dinge aus, informiere mich über neue Entwicklungen, schreibe und arbeite an eigenen Projekten und für die Firma. Ich bin jetzt nicht das sozial verwahrloste Ding, das man nirgends einladen kann, die meisten Menschen finden mein Auftreten angenehm und sympathisch, sondern kommuniziere mehr mit Kontakten online. Wobei ich auch da sagen würde, dass ich mir zu wenig Zeit dafür nehme. Einmal ein nettes Mail schreiben, ein längeres Blogkommentar oder etwas für jemanden basteln.

Der dritte große Bereich in meinem Leben, neben Studium und Blog/Online, ist die Arbeit. Wie schon berichtet war ich sehr begeistert als ich angefangen habe. Ich habe viel neues gelernt. Sowohl im Selbststudium als auch von den anderen. Interessante Projekte und die tolle Flexibilität wie ich arbeite. Ich habe das alles gern gemacht, selbst wenn ich stundenlang an einem Problem gesessen bin, hat es mir Freude bereitet. Doch dann kamen Kunden ins Spiel. Ich möchte mich hier sicher nicht über alle aufregen, weil ich weder mit allen zu tun hatte, noch alle gleich sind. Wir hatten und haben einige wirklich tolle Kunden. Wissbegierige, die aufmerksam zuhören, wenn man ihnen etwas erzählt und die nicht ihre eigene fixe Vorstellung haben, wie das Internet funktioniert. Leider gab es ein paar nervenauftreibende Projekte, die mir jegliche Motivation nahmen weiter in dem Bereich zu arbeiten. Ich war in den letzten drei Jahren vor allem in der Konzeption und technischen Umsetzung von Webprojekten, alles auf Basis von WordPress, tätig. Auch wenn mir immer wieder gesagt und versucht wurde, nicht mehr solche anstrengenden Kunden zu bekommen, sind sie dennoch wieder gekommen. Weil man jemanden im Vorfeld nicht komplett einschätzen kann und auch Verträge nicht jedes Detail abklären können. Inzwischen glaube ich, dass es in dem Bereich einfach nicht möglich ist im Vorfeld alles zu regeln und man somit manchmal an schwierige Kunden kommt. Darauf habe ich aber keine Lust mehr. Inzwischen nehme ich eine stark ablehnende Haltung ein, sobald ich etwas in die Richtung höre und bin nicht mehr bereit in der technischen Umsetzung zu arbeiten. Ich habe mich also weiterentwickelt, weg von dem was ich gemacht habe und bin nun auf der Suche nach neuen Herausforderungen. Hin und wieder habe ich Vorträge gehalten, meist ehrenamtlich, aber auch manche für Firmen, was mir Spaß gemacht hat und das positive Feedback von den Zuhörern hat mir gezeigt, dass ich darin ganz gut bin. Ich mag es mich intensiv mit einem Thema zu beschäftigen und die Essenz daraus weiterzugeben. Wird man auch manchmal in den Blogbeiträgen bemerken können. Mehrblick hat sich auch weiterentwickelt. Tolle eigene Veranstaltungen und Projekte rund um den Bereich Entrepreneurship und Nachhaltigkeit. Doch ich sehe mich weder als Allroundtechniker, der sich bei Veranstaltungen um Licht, Ton und Beamer kümmert, noch den Inhouse-ITler, den man mal eben was fragen kann und der sonst halt für die Websites zuständig ist.

Auszeit

Das alles hat dazu geführt, dass ich mich in den letzten Wochen sehr unausgeglichen gefühlt habe. Die Arbeit hat mich genervt, das Studium plätscherte so vor sich hin, zum bloggen bin ich fast nicht mehr gekommen. Alles scheiße und für Freunde hatte ich auch keine Zeit.

Doch bevor ich alles hinschmeiße und wegrenne2 wollte ich mich zurücklehnen und schauen, ob es wirklich so schlimm ist, wie es sich anfühlt. Dafür habe ich mir grob ein Monat genommen, das in nicht einmal zwei Wochen schon um ist, aber aufgrund von Arbeit und anderen Dingen etwas verzögert wurde. Da man mich bei Mehrblick nicht verlieren möchte hat es einige Gespräche gegeben, was sich denn ändern müsste, damit es mir mit der Arbeit wieder gut geht oder ob man sich tatsächlich in unterschiedliche Richtungen entwickelt hat. Weiters hat man sich auf einige Punkte geeinigt, mit denen ich mich beschäftigen werde.

Ich sitze nun bei meiner Freundin auf dem Balkon, hunderte Kilometer entfernt von Arbeit3, Universität und Alltag. Vor mir ein paar Zettel, der Laptop und eine Flasche Mineralwasser.

Ich habe in der Vergangenheit die Öffentlichkeit nicht gescheut4 und möchte es auch jetzt nicht tun. Daher werde ich meinen Fortschritt hier im Blog dokumentieren. Teilweise zensiert, da die Mentalität in der Firma, auch aufgrund von Kunden, nicht ganz mit meiner übereinstimmt. Und ihr könnt mir nun helfen.

Zentrale Frage ist, was ich in Zukunft machen möchte. Von euch wüsste ich gerne, wo ihr glaubt, dass ich gut bin, was ihr von dem ganzen haltet. Vielleicht habt ihr auch Inspiration für mich. Oder ihr kritisiert das ganze. Jegliches Feedback hilft mir weiter und momentan habe ich auch die Zeit mich ausführlich damit zu beschäftigen.

Socialmediagedöns gibt es dann ab September wieder. So in etwa.


CC-BY Luca Hammer (Digital Fingerprint: l0ulc6a7h6aom468m67m69eor4ka (209.85.224.86) )

  1. Warum eigentlich immer Berlin?
  2. Nach Tirol und eine Tischlerlehre anfangen…
  3. Das Internet ist ein Hund.
  4. Die letzten zwei Jahre sind ein Thema für sich.

üÜüöüäööä


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