Aufgewacht

Heute Morgen habe ich im Halbschlaf den Gesang eines Vogels gehört, der auch oft in meiner Kindheit vor meinem Fenster gesungen hat. Welcher Vogel es genau war, weiß ich nicht, dafür kenne ich mich nicht genug aus.
Es war kein langes Konzert, nur zwei kurze Momente des Zwitscherns und jedes Mal spürte ich, wie eine unsichtbare Welle des Glücks sich von meinem Herzen aus durch meinen Körper ausbreitete. Ich fühlte die Freiheit, die es uns nur als Kinder zu fühlen vergönnt ist – eine kurze aber intensive Erinnerung. Das Wissen und Vertrauen, dass mich ein wunderschöner Morgen erwartet hätte, wenn ich die Augen geöffnet und die vertäfelte Decke meines Kinderzimmers im schwachen Licht, das durch die Schlitze der Jalousien eindrang, gesehen hätte. Vermutlich wäre ich aufgestanden, im Nachthemd mit zerzausten Haaren und barfuß die steile Treppe hinunter gegangen, so wie ich es immer getan hätte. Wo das Gezwitscher der Vögel lauter und das Licht der Sonne intensiver wurde. Vielleich hätt ich mir noch etwas müde den Schlaf aus den Augen gerieben und gesehen, dass meine Eltern schon auf der Terrasse oder dem Garten alles fürs Frühstück vorbereitet hätten. Es würde nach Kaffee und Kakao duften und nach Wärme und Sommer. Ich wäre hinaus gegangen – immer noch barfuß – über die Steinplatten, die im Schatten, die noch kalt waren und jene, die schon die Wärme der Sonne in sich aufgesogen und gespeichert hätten. Da wäre mir mein Hund entgegen gelaufen, dem ich natürlich erst mal einen guten Morgen gewünscht hätte. Zusammen wären wir in den Garten gegangen, ich hätte mich auf meinen Platz gesetzt mit angezogenen Beinen und das warme Licht der Sonne auf meinem Körper gespürt und hätte den Tag einfach auf mich zukommen lassen.

Diese Morgen sind 20 Jahre oder mehr her. Vielleicht waren sie so, vielleicht haben sie sich auch in meiner Vorstellung verklärt. Und heute hat mich auch kein Sonnenstrahl begrüßt, denn es ist Dezember und einzig der Wind jault vor meinem Fenster und ich schlafe kurz wieder ein, mit dem Glück der Erinnerung in meiner Brust. Irgendwann stehe ich auf, im Nachthemd, mit zerzausten Haaren und barfuß. Den Kaffee mache ich mir in der Küche nun selber, bevor ich es mir damit auf dem Sofa gemütlich mache und den Tag auf mich zukommen lasse. Auf dem Weg dorthin nehme ich mir einen Moment Zeit, sage meinen Katzen guten Morgen, die sich vor mir auf dem Boden herum rollen und um meine Aufmerksamkeit buhlen und merke zufrieden – einige Dinge ändern sich nie.



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