Ressort Gesellschaft

Zivilcourage zeigen und gemeinsam antirassistisch handeln

Erstellt am 24. September 2012 von Nicsbloghaus

WEIMAR. (fgw) Flüchtlinge sehen sich in der BRD einer Vielzahl an Repressionen aus­ge­setzt. Behördenwillkür, ras­sis­ti­sche Kontrollen, Einschränkung von Grundrechten wie Freizügigkeit und das Recht auf kör­per­li­che Unversehrtheit. Was folgt ist Isolation, Resignation, Trauma und Abschiebung. Es gibt vie­les, das Flüchtlinge in der BRD zu Menschen zwei­ter Klasse degra­diert. AsylbewerberInnen sol­len BewerberInnen blei­ben, nichts soll dar­auf hin­deu­ten, dass sie hier will­kom­men wären.

von Isa Lorenz

Zivilcourage zeigen und gemeinsam antirassistisch handelnIn das Bild die­ser behörd­lich zemen­tier­ten Ablehnung passt lei­der auch das soge­nannte Gutschein-System. Dieses wird nach wie vor noch in vie­len Landkreisen und kreis­freien Städten prak­ti­ziert.

Selbst wenn die Ausgabe die­ser Gutscheine vie­ler­orts erst erstrit­ten wer­den musste, denn nicht sel­ten wer­den immer noch Nahrung und Kleidung in bereits abge­pack­ten Paketen an Flüchtlinge ver­teilt, stel­len Gutscheine keine grund­le­gende Verbesserung dar: Zum Einen wird Asylsuchenden die Fähigkeit abge­spro­chen, mit Geld umge­hen zu kön­nen.

Ihnen wird vor­ge­schrie­ben, was sie wo zu kau­fen haben. So dür­fen z.B. keine Sachen aus Aktionsverkäufen erwor­ben wer­den, keine fri­schen Lebensmittel vom Markt, sowie kein Alkohol und keine Zigaretten. So wird spä­tes­tens an der Kasse sicht­bar, was sonst unaus­ge­spro­chen bleibt – ihr seid nicht Teil die­ser Gesellschaft.

Zum Anderen wird ver­sucht, mit die­ser Beschränkung auf einige Einkaufsläden und in Verbindung mit der Residenzpflicht sicher­zu­stel­len, dass die betrof­fe­nen Menschen im jewei­li­gen Landkreis blei­ben.

Auch damit Behörden die Betroffenen jeder­zeit auf­grei­fen kön­nen, wird die jewei­lige Bewegungsfreiheit beschnit­ten. Das gnä­dig gewährte kleine Taschengeld von 40Euro im Monat muss als Krönung des Ganzen oft­mals für die Anreise zu Behördenterminen aus­ge­ge­ben wer­den.

Eine Möglichkeit für Flüchtlinge, dem zu ent­kom­men, ist der Tausch von Gutscheinen in Bargeld. Doch viel zu oft sind sie dabei gezwun­gen, Angebote von Menschen anzu­neh­men, die sich an ihrem Leid berei­chern und einen „Wechselkurs” ver­lan­gen.

Hier bie­tet sich für zivil­ge­sell­schaft­li­che Initiativen ein mög­li­cher Ansatzpunkt der Solidarität mit Asylsuchenden: ohne „Kurs” wer­den Gutscheine nach ihrem Wert ein­ge­tauscht und für eigene Einkäufe ver­wen­det. Es geht dabei nicht nur um eine Ermächtigung zum selbst­be­stimm­ten Konsum. Vielmehr ist es ein gemein­sa­mer Kampf gegen men­schen­ver­ach­tende Gesetzgebung, gegen Gutscheine und Residenzpflicht. Zu dem bie­tet sich auch eine regel­mä­ßige Gelegenheit, Kontakt auf­zu­neh­men, Bekanntschaften zu schlie­ßen, Isolation zu bre­chen.

Hier die Adresse einer sol­chen Initiative in Mittelthüringen: gutscheintausch(at)mx.de

[Erstveröffentlichung: Freigeist Weimar]

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