"Zusammen werden wir leuchten"

 
Ich war wirklich gespannt auf dieses Buch, da ich zwar bereits in Two Boys Kissing und dem Sachbuch How to be gay einen Einblick in das Leben eines Transgenders werfen durfte, meine Neugier aber noch lange nicht gestillt war. Lauter Fragen spukten in meinem Kopf herum: Wie fühlt sich eine Hormontherapie an? Wie schnell sieht man erste Fortschritte? Wie reagieren die besten Freunde auf diese Entscheidung? Wann ist man mit dem Ergebnis zufrieden? Oder, ist man überhaupt irgendwann zufrieden?
Jetzt im Nachhinein muss ich leider sagen, dass von diesen Fragen leider keine beantwortet wurde. Williamson lässt uns zwar an Davids Leben teil haben - der sich nun endlich dazu aufraffen will, seinen Eltern zu sagen, dass er gern als Mädchen weiterleben möchte - nimmt ihm durch das Auftreten von Leo jedoch die Chance, ein vollwertiger Protagonist zu sein. Anfänglich empfand ich dies als noch sehr verwirrend; irgendwann jedoch wurde immer deutlicher, was der neue Junge an der Schule für eine Rolle in Davids Leben einnehmen würde.
Die Idee dahinter fand ich auch nicht schlecht, doch hakte es bei mir an der Umsetzung. Es wirkte so, als wolle die Autorin zwar ein Tabuthema behandeln, sich gleichzeitig aber dazu entscheiden, nur an der Oberfläche zu kratzen, um die Leserschaft nicht zu überfordern. Übliche Themen wie Mobbing an der Schule rückten plötzlich in der Vordergrund und überschatteten die Dinge, die mich eigentlich interessierten und im Buch dann schlussendlich gar keine Rolle spielten. Frau Williamson machte es sich in meinen Augen an vielen Stellen viel zu einfach und übersprang wichtige Szenen wie beispielsweise das Outing vor den besten Freunden oder das erste Gespräch mit einem Arzt. Aufgetischt bekam ich in der ersten Hälfte dafür ein ganz typisches Jugendbuch, mit platten Schubladenfiguren und üblichen Mustern, die mich stellenweise sehr langweilten.
Ich möchte niemandem von diesem Buch abraten, schließlich wagt sich die Autorin hier an ein wichtiges und schwieriges Thema heran, was wir im Jugendbuchbereich nur sehr selten finden. Beinahe glaube ich, dass ich mir zu viel von diesem Roman gewünscht habe: eine gute Story, einen schönen Schreibstil, sympathische Charaktere und eine ausführliche Behandlung des Transgender-Themas. Meiner Meinung nach wurde das alles nur teilweise erfüllt, sodass ich das Buch leider auch nur mittelmäßig bewerten kann.

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