Zapzwang Vol. 1

Zapzwang Vol. 1

(Foto: via http://u1.ipernity.com)

Eine Fernsehkritik!?

Markus Lanz beugt sich leicht nach vorne und versucht seinen Blick einem Calvin Klein- Model anzupassen, seine beste Position, das weiß er selbst. Er beginnt mit der Befragung des großartigen Patrick Lindner inklusive seiner Haarpracht: „Was fühlt sich mit 49 anders an als mit 30?“

Die typisch gewitzt- investigative Frage lässt Lindner kurz innehalten: „Hm, hm…  Es gibt da eigentlich keinen Unterschied, hahahaha.“

Lanz, mittlerweile in charmanter, stundenlang vor dem Spiegel antrainierter Raubtierangriffshaltung, kontert: „Hast du ein Problem mit dem älter werden?“

Die Kamera schwenkt etwas nach hinten und gibt das ganze Sofa frei. Cordula Stratmann  hat die Arme verschränkt, was bedeutet das eigentlich nochmal sozialpsychologisch? Sie schaut etwas debil, was entweder zu ihrem Image gehört oder einfach geheucheltes Interesse für das Zwiegespräch der beiden Diskutanten ausdrückt.

Tolles Gespräch, tolle Typen, Markus und Patrick. Das Gespräch nimmt wieder Fahrt auf, während sich Lanz wieder hochcharismatisch anbiedernd auf seine Knie stützt und seinen Kopf in professionell  schräg gehaltene Position bringt, um wieder einmal besondere Aufmerksamkeit für sich zu beanspruchen…

Aha, auf einem anderen Sender: TV Total. Wie bedeutungsschwanger kann man eigentlich über seine eigenen, 1000-fach durchexerzierten Schmalspurpointen lachen? Als die Kamera immer näher auf sein Gesicht zoomt, glaube ich weißen Schaum an seinen Mundwinkeln zu erkennen…

Zapzwang Vol. 1

Foto: (via http://www.psychologie-beratung.ch/images/fernsehen.jpg)

In der ARD läuft eine Reportage, die ich bereits vor ein paar Tagen gesehen habe und hier verfügbar ist.  Sie übertrifft bei weitem den Informationsgehalt aller Sendungen, die gerade parallel laufen…Zu sehen ist ein, mit einer versteckten und daher ruckelnden Kamera aufgenommener Urwald in der Elfenbeinküste. Viele kleine Kinder sind zu sehen, vermutlich zwischen sieben und zwölf Jahre alt. Sie tragen  Körbe oder schlagen mit langen Macheten Früchte von einigen Bäumen. Es handelt sich um eine Kakaoplantage, auf der ausschließlich Kinder arbeiten. Der deutsche Journalist, der sich mithilfe eines Einheimischen als Kunde ausgibt, fragt nach dem Preis der Kinder,  welche anscheinend aus den benachbarten Staaten importiert werden: „Ungefähr 230 Euro“, antwortet  der Plantagenbesitzer gelassen. Später erfährt man, dass nicht gerade wenige Kakaoplantagen von moderner Sklavenarbeit profitieren. Die europäischen Schokoladenhersteller wollen sich nicht dazu äußern, außer, dass sie nicht wüssten, dass es so etwas noch gebe und dass man den unter diesen Umständen gewonnenen Kakao natürlich nicht kaufen würde. Im Jahr 2001 unterschrieben die acht großen Schokoladenhersteller das so genannte Harkin-Engel-Protokoll,  welches die Schokoladenindustrie dazu verpflichten sollte, aktiv gegen Kinderarbeit dieser Art vorzugehen.  Doch Transparenz gibt es bisher keine. Klar ist jedoch, es gibt – wie immer – genügend Abnehmer für diesen Rohstoff, billiger geht es ja nicht…

Zurück zu Lanz. „Mein Sohn ist ja Nickelbackfan“, erzählt er zumindest dem grinsenden Lindner mit dem wallenden Haupthaar. Das sagt doch eigentlich alles über Lanz…Nickelback, Pah! Da höre ich doch lieber den Liedern des „Münchener Charmeurs“ zu, immerhin ist er „DAS Aushängeschild des positiven, lebensbejahenden deutschen Schlagers“, wie auf seiner Website zu lesen ist. Ich muss abschalten. Und anfangen, dass Leben zu bejahen…

Text: Phire


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