Wintergolfen

Wintergolfen

Viele deutsche Golfer gehen auch im Winter zum Wintergolfen auf die Runde. In Kallin z.B. stehen auf dem großen Platz in diesem Winter 13 Löcher mit Wintergrüns zur Verfügung. In meinem alten Club Golf in Wall spielten wir 365 Tage, wenn der Platz offen war, auf den selben Grüns. Aber habt Ihr Euch schon mal Gedanken gemacht, was der Platz aushalten muss?

Hier mal die Betrachtung aus der Sicht der Gräser. Rasengräser der kühlen Klimate (Cool Season Grasses) sind grundsätzlich in der Lage, begrenzte Frosttemperaturen während der Wintermonate zu ertragen. Dies bedeutet allerdings nicht, dass die Benutzung der Rasenflächen durch Golf-Spielbetrieb während des ganzen Jahres uneingeschränkt erfolgen kann. Denn bei Temperaturen unter 4°C findet kein Rasenwachstum mehr statt, ein solches Wachstum aber unerlässlich für die Regeneration der Flächen ist. Um nachhaltige Schäden an den Gräsern zu vermeiden, empfiehlt es sich, die folgenden, Einflussfaktoren zu berücksichtigen:

Schnitthöhe

Da die oberirdische Pflanzenlänge mit der unterirdischen Wurzellänge in enger Korrelation steht, ist eine größere Schnitthöhe für die Pflanze prinzipiell von Vorteil. Während der Wintermonate sollte generell eine Erhöhung der Schnitthöhe auf allen Funktionsflächen angestrebt werden. Dabei darf der Pflanzenbestand aber nicht so hoch aufwachsen, dass die Graspflanzen umkippen und unter den Blättern ein Mikroklima geschaffen wird, welches den Krankheitsbefall fördert. Durch höheren Aufwuchs wird das Wurzelwachstum der Gräser angeregt und die Gefahr einer Winteraustrocknung vermindert.

Frost

Bei der Vorbereitung der Pflanze auf Temperaturen unter Null Grad Celsius (sog. Aufbau der Winterhärte) spielt vor allem die Einlagerung von Kohlenhydraten eine wichtige Rolle, da hierdurch die Zellsaftkonzentration in der Pflanze erhöht und damit der Gefrierpunkt abgesenkt wird. Intrazelluläre Bildung von Eiskristallen und die damit verbundenen Zellschädigungen können von der Pflanze nicht ausgeglichen werden. Bei der extrazellulären Eisbildung z. B. bei Raureif entstehen die Schäden erst durch mechanische Belastung der Pflanzen. Die Anpassung der Gräser kann durch ausgewählte Pflegemaßnahmen wie Erhöhung der Schnitthöhe und gezielte Kaliversorgung unterstützt werden.

Schnee

Mit Schnee bedeckte Rasenflächen sollten generell nicht betreten werden, da der Schnee ansonsten zusammengepresst wird und Schäden wie Bodenverdichtungen und Krankheiten entstehen können. Ausschlaggebend ist hierbei die Schneehöhe und Schneekonsistenz. Bei einer geringen Schneeauflage (weniger als ca. 10 cm Höhe) wird die Druckbelastung unmittelbar auf die Gräser bzw. den Boden weitergegeben. Eine verdichtete Schneedecke behindert den Gasaustausch von Boden bzw. Pflanze mit der Atmosphäre, die Gräser können u. U. ersticken.

Also ihr merkt schon, irgendwie ist unser Hobby im Winter nicht gerade hilfreich für die nächste Saison. Aber wir wollen doch nur an die frische Luft und mit Freunden eine ruhige Kugel schieben.

Eine Lösung sind sogenannte Wintergrüns

Um die Qualität der Sommergrüns nicht zu gefährden, empfiehlt es sich bei den in der Tabelle genannten Szenarien auf Wintergrüns auszuweichen und diese entsprechend anzulegen und zu pflegen. Generell gibt es keine einheitliche Definition von „Wintergrüns" oder „temporären Grüns" und damit auch keine verbindlichen Richtlinien für deren Bau bzw. Zustand. Die Spannbreite reicht demnach von einem einfachen Loch in der Spielbahn bis hin zu einem fachmännisch aufgebauten und komplett ausgestatteten Zweitgrün. Es dürfte aber unbestritten sein, dass bei attraktiven Wintergrüns ein Schließen der Sommergrüns von den Golfspielern eher akzeptiert wird.

Welche Pro und Contras gibt es also?

Höhere Greenfee Einnahmen

Betreten bei Frost zerstört das Pflanzengewebe der Gräser, insbesondere auf den Sommergrüns

Größere Zufriedenheit unter den Mitgliedern

Tritt- und Fahrspuren bei Frost hinterlassen sichtbare Narben im Rasen, die nur langsam regenerieren

Vorgabewirksames Spiel auch möglich

Gestresste und geschädigte Gräser sind empfindlicher

Schonung der Sommergrüns während der widrigen Perioden

Erhöhter Platzbedarf

Wintergrüns können auch als Ausweichgrüns bei Arbeiten auf den Sommergrüns verwendet werden

Größere Baukosten

Erhöhter Pflegeaufwand für die Wintergrüns

Möglicherweise kein vorgabewirksames Spiel möglich

Fazit

Das Bespielen von Golfplätzen unter winterlichen Bedingungen birgt ein hohes Risiko für eine Schädigung der Rasenflächen, insbesondere direkte Narbenverletzung und die Einwanderung von Fremdarten wie Poaannua, sowie eine nachhaltige negative Veränderung der Bodenstruktur. In der Regel können die dadurch entstehenden Kosten für Regeneration und Renovation nicht durch zusätzliche Greenfee-Einnahmen kompensiert werden. Die Platzfreigabe sollte deshalb nur bei geeigneter Witterung und entsprechenden Bodenaufbauten durchgeführt werden.All das sollte man auf der nächsten Runde einfach mal bedenken und mit unserer Spielfläche pfleglich umgehen. Weitere Informationen für Betreiber und Golfer gibt es in dieser Broschüre.

TIPP: Nehmt nur ein Tragebag mit so wenig wie nötig Schlägern auf die Runde mit! 😉

Euer Lefty Stephan


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