Wikileaks ist böse, unwichtig und anmaßend

Wikileaks ist böse, unwichtig und anmaßend

Wie heißt es so treffend? Welche Hunde bellen?
Stimmt, die, die sich getroffen fühlen. In diesem Falle eher: betroffen. Denn wundert es irgendwen, dass nun dem Wikileaks-Begründer Julian Assange und seiner Crew jetzt vorgeworfen wird, anmaßend zu sein?

Als am Sonntag Wikileaks geheime Dokumente des Afghanistan-Krieges veröffentlichte, war das Geschrei und die Empörung groß. Die Einen waren der Meinung, dass Wikileaks verboten gehöre, weil es die “Sicherheit der USA und der Soldaten” gefährde, die Anderen hielten das für eine echte Großtat von außerparlamentarischer Demokratie (zu denen gehöre ich).

Und nun wird – erwartungsgemäß – abgewiegelt:

Inzwischen allerdings zeigt sich, dass die der Website Wikileaks zugespielten und zeitgleich von “New York Times”, der Londoner Tageszeitung “The Guardian” und dem Magazin “Der Spiegel” ausgewerteten Geheimunterlagen bei Weitem weniger sensationell sind als zunächst vermutet. (Quelle: Welt-Online)

Es ist wie ein Gesetz: erst große mediale Aufregung, dann folgt das Abwiegeln und später das (mediale) Vergessen.

Doch man schaue sich die Begründung der WELT einmal genauer an:

 Das wird offensichtlich, wenn man sich an die Ereignisse rund um den vom deutschen Oberst Georg Klein angeforderten Luftschlag auf Tanklaster bei Kundus am 4. September 2009 erinnert: Die Untersuchungen im vergangenen Jahr förderten zutage, dass es vor und direkt nach dem Bombardement viele Dutzend kaum zusammenpassende Meldungen und Berichte von Kräften vor Ort gab. Denn sie gaben nur den jeweiligen Kenntnisstand wieder – schon wenige Minuten später konnte sich eine Meldung als überholt oder schlicht falsch erweisen. Dasselbe gilt für die Kampfberichte, die den größten Teil des Materials ausmachen.

Hier wird ganz offensichtlich davon ausgegangen, dass unzusammenhängende Berichte; Berichte, die sich minütlich als überholt erweisen, nicht dazu dienen können, den Mord an Zivilisten “zu beweisen” – wie die Kundus-Untersuchung leider zeigt.

Offensichtlich gelten der WELT nur genaue, vermutlich siebenmal gestempelte, ordentlich verfasste Berichte als ausreichend genug, die Wahrheit zu vermitteln. Dabei wird geflissentlich übersehen, dass solche Berichte einen langen Weg durch die Instanzen hinter sich haben – ergo: geschönt und entgratet sein müssen. Gerade die unzensierten, meinethalben auch chaotischen Berichte der direkt Betroffenen geben ein besseres und vermutlich deutlicheres Bild der Lage, als sich der WELT-Autor Sven Felix Kellerhoff es sich vorstellen kann.

Sicher mag unter der Unmenge von Dokumenten, die Wikileaks veröffentlichte, nicht alles brisant sein. Aber dass sie überhaupt den Weg in die Öffentlichkeit fanden, ist brisant genug.

Insbesondere die US-Army hat aus dem Vietnam-Krieg gelernt, dass eine informierte Öffentlichkeit kein Befürworter des Krieges ist. Und umso schwerer muss es sie treffen, dass nun Papiere ans Tageslicht kamen, die man gern versteckt gewusst hätte. Und so ist es logisch, dass man nun, da man gegen die Fakten aus den Dokumenten schwerlich etwas sagen kann, denen übel nachgeredet wird, die diese öffentlich machten. Und die WELT macht mit.

Nic

 


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