Wie weit haben wir uns eigentlich wirklich von der Natur entfernt? #2

Als ich neulich im Fitness-Studio auf dem Ellipsentrainer stand und eine gute Übersicht über das gesamte Geschehen hatte, sah ich wie die Menschen auf den Laufbändern liefen oder gingen, den Blick starr auf die Straße gerichtet, auf der viele 100 Autos pro Stunde vorbei fahren.

Und die anderen Menschen, die auf dem Ergometer saßen, auf dem Fahrrad mit diesem modernen Namen, schauten den anderen beim Training zu.

Mir selbst ging es dazwischen auch nicht anders, mein Ellipsentrainer war einer von 15 in einer Reihe auf dem ich mich auf Niveau 5 abplagte.

Und obwohl ich mich mitten unter den anderen befand stellte ich mir die Frage, wie weit haben wir uns von der Natur und ihren natürlichen Bewegungsabläufen entfernt, dass wir ein Fitness-Studio brauchen?

Wie verrückt ist das denn?

Wir fahren von einer Wohnung, die rund 5 km weit vom Fitness-Studio entfernt ist, mit dem Auto zum Fitness-Studio um darin auf das Trainingsrad zu steigen und dort 10 km zu radeln. Hallo???

Wenn wir für unser Auto keinen Parkplatz direkt vor der Türe bekommen ärgern wir uns, weil wir ein paar Schritte zu Fuß gehen müssen.

Zu Hause, in der Arbeit und im Fitness-Studio nehmen den Lift statt den Stufen um die ein paar Stockwerke hoch zu kommen, dafür besuchen wir einmal pro Woche den Fitnesskurs “Step Airobic”.

Auch die ach so bequeme Rolltreppe bewahrt uns ebenfalls davor, uns zu viel zu bewegen.

Der Weg in die Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert

Als ich vor mittlerweile 4 Jahren den Vertrag mit dem Fitness-Studio abgeschlossen habe, dachte ich noch nicht so viel über die Dinge nach.

Im Sommer 2010 war ich täglich in der Früh walkend beim Morgensport und am Wochenende wandernd in der Natur unterwegs. Es hat mir viel Freude gemacht und als es im September begann finster und kalt zu werden, hat mich meine Freundin zum Fitness-Studio überredet.

Anfangs hat es mir auch Spaß gemacht, aber mit der Zeit ist es total langweilig geworden. Eine Stunde bergauf gehend am Laufband war beinahe endlos lang und nicht einmal das spannendste Buch konnte darüber hinweg täuschen.

In der Natur gehe ich anders

Im Sommer allerdings, wenn das Wetter schön ist, dann kann ich stundenlang den Bach entlang gehen, entdecke immer wieder Neues, genieße die Schönheit der Natur und langweile mich keinen einzigen Augenblick.

für mich die schönsten Seiten der Natur

für mich die schönsten Seiten der Natur

Seit 2 Jahren bin ich daher kaum noch im Fitness-Studio zu finden, weil sich bei mir innerlich etwas sperrt. Leider hatte ich einen 3 Jahresvertrag mit Kündigungsfrist unterschrieben. Mittlerweile ist er gekündigt und ich werde auch keinen neuen Vertrag abschließen.

ver.rückte Welt

Ich möchte lieber versuchen mich natürlich zu bewegen. Zu Fuß gehen und mit dem Fahrrad statt mit dem Auto zu fahren und die Treppen statt den Lift zu nehmen.

Das versuche ich schon seit einiger Zeit, aber es gelingt mir nicht immer. Oft ist es eine Frage der Zeit, es dauert zu lange wenn ich zu Fuß gehe oder mit dem Fahrrad fahre. Es dauert zu lange in den 4. Stock zu kommen, wenn ich Treppen steige.

Statt dessen gehe ich dann doch wieder ins Fitness-Studio und bezahle dafür, dass ich mich bewege.

Ich habe zu wenig Zeit, weil ich zu viel arbeite, um etwas zu bezahlen, was ich eigentlich gratis haben könnte.

Eine ver.rückte Welt ist das in der ich lebe.

neue alte Wege gehen

Nicht nur bei den Lebensmittel ist es mir wichtig, mich gegen künstlich hergestelltes Essen zu entscheiden, ich möchte mich auch nicht mehr in so einer künstlichen Umgebung wie einem Fitness-Studio oder Einkaufszentrum bewegen.

Es findet mit der Zeit wieder ein langsames Annähern an die Natur und die Kreisläufe der Natur statt. Ich lebe mit den Jahreszeiten und genieße den Wechsel der Jahreszeiten.

Nachdem ich mich regional und saisonal ernähre, erlebe ich auch beim Essen den Rhythmus des Jahreslaufs. Ich empfinde es nicht als Mangel für lange Zeit keine Tomaten mehr zu essen, weil ich mich auf das Wintergemüse freue.

Nächstes Jahr, wenn die ersten Tomaten wieder natürlich reif werden, schmecken sie unvergleichlich gut. Nicht nur weil natürlich gereifte Tomaten an sich besser schmecken sondern auch, weil sie so lange nicht auf meinem Speiseplan waren.

alles hat seine Zeit

Menschen langweilen sich, empfinden das Leben als eintönig, empfinden das Essen als eintönig und langweilig und wollen mit exotischem Gemüse und Obst etwas Farbe in den Speiseplan bringen.

Wenn wir mit der Natur leben ist der Speiseplan nicht eintönig. Ganz im Gegenteil, jedes Obst, jedes Gemüse hat seine eigene Zeit und schmeckt auch dann am besten.

Natürlich wird es langweilig, wenn ich das ganze Jahr lang Zucchini, Paprika und Tomaten aus Spanien esse, vor allem, wenn im Winter alles total wässrig schmeckt.

Zu akzeptieren, dass alles seine Zeit hat bringt auch Abwechslung ins Leben.

ohne Tiefen keine Höhen

So hat auch die Bewegung in der Natur seine Zeit. Der Winter mit seiner dunklen Seite ist auch eine Zeit des Ausruhens, des Insichgehens – vielleicht sogar der Langeweile, aus der im Frühling neue Kreativität entsteht.

Und so schließt sich hier der Kreis. Alles hat seine Zeit. Wenn wir unserem Leben alle Tiefen nehmen, dann können wir auch die Höhen nicht mehr genießen. Dann leben wir unzufrieden und auf der ständigen Suche in einem Einerlei ständiger Verfügbarkeit von allem.

Vielleicht ist das der wahre Fluch unserer Zeit.
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