Wenn Mönche mit Tigern handeln

Aus aktuellem Anlass habe ich den Beitrag über "Effektiven Altruismus" mit einem weiteren Zitat aus dem neuen Sawaki-Buch um zwei Wochen verschoben (nächsten Mittwoch folgt noch ein ausführlicherer Kommentar zum Tierschutz, der ebenfalls schon heute gut gepasst hätte).

Seit einigen Tagen wird also im thailändischen "Tiger Tempel" (Wat Pa Luangta Maha Bua Yannasampanno) aufgeräumt. Der Tempel war eine Touristenattraktion, weil man sich dort mit schläfrig wirkenden Tigern, die oft von Mönchen sogar unangekettet spazieren geführt wurden, fotografieren lassen konnte. Sein Umsatz soll mehrere Millionen US-Dollar im Jahr betragen haben. Tierschützer erhoben immer wieder Vorwürfe, zuletzt auch wegen illegalen Tierhandels (abgesehen davon, dass die Haltung der Tiere dort gegen thailändisches Recht verstieß). In China werden z. B. Tigerkrallen und -penisse als Potenzmittel verzehrt.    Auf der anderen Seite kümmerte sich der dortige "Animal Rescue Centre" um vernachlässigte oder abgegebene Tiere. Der Tempel ist nach einem der in Thailand beliebtesten Mönche benannt, Maha Bua Nanasampanno (1913-2011), der dessen Gründung selbst angeregt hatte. Ajahn Maha Bua (dessen eigener Waldtempel Wat Pa Ban Tat war) hat sich einst nicht nur an der Staatsrettung beteiligt, als er in der Wirtschaftskrise die Thais zu immensen Geld- und Goldspenden aufrief, mit denen u. a. die Kredite an den Internationalen Währungsfond zurückgezahlt werden konnten - was allerdings gegen Maha Buas Willen geschah. Er unterstützte zunächst auch den inzwischen verurteilten Ex-Staatslenker Thaksin, ehe er ihn des Angriffs auf die Monarchie bezichtigte, während für ihn (und viele Thais) der König die Verkörperung des buddhistischen Dhamma darstellt. Hält man sich diese politischen Querverbindungen und die Gewinnspanne des Tempels vor Augen, kann man sich vorstellen, warum es so lange dauerte, bis ein Gericht die Konfiszierung der Tiger ermöglichte.    Tiger auf Drogen, mit denen man sich ablichten kann, findet man in Thailand auch anderswo. Dass ausgerechnet ein buddhistischer Tempel im Gefolge Maha Buas diesen Kommerz auf die Spitze trieb, ist besonders pikant, da der Altehrwürdige nicht zuletzt für seine kleine Schrift "Wisdom develops Samadhi" angesehen war, die - was der Titel nicht gleich deutlich macht - die Entwicklung von Weisheit auf der unabdingbaren Grundlage von sila, moralischen Verhaltensregeln beschreibt. Insofern ist der Tiger-Tempel für mich nur ein weiterer Beweis dafür, dass ein solcher Weg, der sich krampfhaft auf sila gründen will, am ehesten zum Scheitern verurteilt ist. Ein Buddhist bezieht seine wahre Stärke besser nicht aus Vorschriften, sondern aus selbst verwirklichter Weisheit.    In den Freitagabend-Ansprachen, die General Prayuth regelmäßig über Dutzende TV-Sender ausstrahlen lässt, hat er immer wieder um Geduld für die Umsetzung seiner angekündigten Maßnahmen gebeten. In einem eindrucksvollen Plädoyer für den sparsamen Umgang mit Wasser - wie er traditionell vorgesehen ist, wo man sich besprenkelt statt mit Wasserkanonen beschießt - kurz vor dem Neujahrsfest Songkran im April hatte er eine wichtige Botschaft ans Volk gebracht, auf die seine Landsleute besser hätten hören sollen. Doch die Zeichen, dass sein Durchgreifen in vielen Bereichen fruchtet, mehren sich nun.