Wenn ich heute sterbe

Wenn ich heute sterbe… sterbe ich glücklich und zufrieden…

Nein – keine Sorge: ich habe keine schlechten Nachrichten bekommen. Kein Arzt hat mir gesagt, dass ich eine entsprechende Krankheit habe oder so. Das sind nur Gedanken, die mir durch den Kopf gegangen sind. Außerdem kann man ja auch durch andere Dinge das Leben verlieren.

Es gab Zeiten, da durfte ich die Gedanken an meinen eigenen Tod nicht zulassen. Sofort war da Panik und eine unvorstellbare Angst in mir. Ich habe mich dann immer bemüht, schnell davon wegzukommen und alles in diese Richtung zu verdrängen.

Nach Stephan’s Tod ist das Thema für mich ein sehr spezielles geworden. Er hat mir bewußt gemacht, wie schnell es gehen kann und wie wertvoll jede Sekunde ist, die man genießen darf und kann.

Und seit Anfang des neues Jahres gingen meine Überlegungen neue Wege: die Gedanken an seinen Tod treten in den Hintergrund und wanderten immer mehr in die Richtung, dass ich Angst habe, Jemanden aus meiner Familie zu verlieren. Um mich selbst hab ich mir eigentlich keinen Kopf gemacht.

Doch gestern Abend war plötzlich die Frage in mir: „Was, wenn ich heute sterbe?“. Zuerst wollte ich diese ganz weit weg schieben: nur nicht darüber nachdenken. Nur keine Panik bekommen. Nur nicht weinen. Wenn ich nicht darüber grübel, passiert auch nix. Ganz so stimmt das ja aber nicht. Irgendwann holt uns der Tod alle ein. Er ist und bleibt der letzte Schritt.

Nach und nach schaffte ich es, meinen aufgeregten Atem zu beruhigen und mich in Ruhe der Frage zuzuwenden und diese auf mich wirken zu lassen. Und dann war die Antwort plötzlich in mir: „Wenn ich heute sterbe… sterbe ich glücklich und zufrieden…“. Ein unheimlich befreiendes Gefühl: schließlich ist dieses aus der Erkenntnis geboren, dass es mir derzeit sehr, sehr gut geht. Unser Alltag läuft und wir sind ein eingespieltes Team. Ich freue mich jeden Tag darauf, heim zu kommen, weil ich weiß, dass da Jemand auf mich wartet, der sich auf mich freut.

Im letzten halben Jahr gab es eigentlich keinen Tag, an dem ich nicht zufrieden abends in’s Bett gegangen bin und mich auf den nächsten Tag gefreut habe. So darf es bleiben 😉